Zwischen Hightech und Hatespeech

Debatten und neue Ideen beim ersten israelisch-europäischen Mediengipfel - mitveranstaltet vom ARD Studio Tel Aviv

Wie können Medienschaffende die Erinnerung an den Holocaust wachhalten? Wie sollten sie mit Hass im Netz umgehen? Und: Welche Technologien bieten Start-ups im Kampf gegen Fake News? Um diese Fragen ging es beim Mediengipfel. 

Von Benjamin Hammer
Am 11.09.2020

Ein Mädchen erzählt von ihrem Leben. Sie heißt Eva Heyman und ist 13 Jahre alt. Eva postet Stories auf Instagram. Berichtet von ihren Freunden, von Eiscreme und dem Terror der Nationalsozialisten. Eva ist Jüdin. Sie wird in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. Ihre Geschichte – basierend auf ihrem Tagebuch – wurde im vergangenen Jahr auf Instagram nacherzählt. Hinter dem Projekt „Eva’s Stories“ steht der israelische Medienunternehmer Matti Kochavi.

Wir glauben, dass die größte Gefahr für die Menschheit ist, Geschichte zu vergessen. Wir wollen die Geschichten von Kindern wie Eva erzählen. Wir wollen sie auf Plattformen bringen, die junge Menschen heute nutzen. Die jungen Leute von heute können damit mehr über ihre Altersgenossen von damals erfahren.

— Matti Kochavi, Medienunternehmer

Wie können Medienschaffende die Erinnerung an den Holocaust wachhalten? Wie sollten sie mit Hass und Antisemitismus im Netz umgehen? Und: Welche Technologien bieten Start-ups im Kampf gegen Fake News und Hate Speech? Das waren die Schwerpunkte des ersten Israelisch-Europäischen Mediengipfels in Tel Aviv. Mitveranstalter war das ARD-Studio in Tel Aviv. Wegen der Corona-Pandemie fand der Mediengipfel im Internet statt. In für Israel schwierigen Zeiten. Die Corona-Infektionsrate gehört hier zu den höchsten weltweit. Ausgerechnet in dieser Zeit also ein Mediengipfel zu ganz anderen Themen? Unbedingt, meint Susanne Glass. Sie ist die ARD-Studioleiterin und Korrespondentin in Tel Aviv.

Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, jetzt noch mal aufzuklären. Wenn man sich anschaut, dass in Berlin Menschen mit einem gelben Judenstern und Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten gemeinsam vor den Reichstag ziehen und versuchen, den Reichstag zu stürmen. Dann finde ich doch jetzt gerade unsere Konferenz extrem wichtig.

— Susanne Glass, ARD-Studioleiterin
Die Gründerinnen des Mediengipfels, Susanne Glass (l.) und Jenny Havemann. Foto: BR | Tel Aviv

Der Antisemitismus zeigt sich noch stärker in Corona-Zeiten. So sah es auf dem Mediengipfel auch Dina Porat, Chefhistorikerin der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Sie wertete mit ihrem Team weltweit Webseiten und soziale Netzwerke aus.

Juden und Israelis werden beschuldigt, das Coronavirus erfunden zu haben und jetzt Überträger zu sein.

— Dina Porat, Chefhistorikerin von Yad Vashem

Dass mehr getan werden muss gegen den Hass und Antisemitismus im Netz, darüber herrschte Konsens auf dem Mediengipfel. Beim „Wie“ gab es aber durchaus Diskussionen. Eine Debatte ist auch Teil der Entstehungsgeschichte des Forums. An der Seite von Susanne Glass organisierte die Deutsch-Israelin Jenny Havemann den Mediengipfel. Havemann kritisierte auf Twitter die Berichterstattung der ARD über die Palästinenser. Die Korrespondentin reagierte.

Da haben wir uns auf Twitter so ein bisschen miteinander auseinandergesetzt. Und dann war ich der Meinung, dass das eben nicht genügt, weil man auf Twitter nicht wirklich in die Tiefe gehen kann. Und dann habe ich Jenny eingeladen auf einen Kaffee in unser ARD-Studio. Und das war dann der Beginn unserer Freundschaft. Ich muss sagen: Wir diskutieren aber weiterhin diskursiv über vieles, aber das ist ja wichtig und inspirierend. Und das ist ja letztlich auch die Idee hinter diesem Gipfel. Wir können ja nicht alle auf einen Kaffee ins ARD-Studio einladen. Aber wir können sie zumindest einladen, an Online-Diskussionen teilzunehmen.

— Susanne Glass, ARD-Studioleiterin
Hinter den Kulissen: Der Mediengipfel fand wegen der Corona-Krise digital statt, gearbeitet wurde dafür im ARD-Studio Tel Aviv. Foto: BR | Tel Aviv

Der nächste Mediengipfel soll in einem Jahr stattfinden. Ganz real in Tel Aviv. Und nicht mehr ausschließlich im Internet.

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