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Zwischen Besonnenheit und Stärke

Die Kämpfe im Süden Israels dauern an – doch die Hamas hat sich bislang nicht an den Angriffen beteiligt

Auch am Mittwoch heulen im Süden Israels die Alarmsirenen. In Gaza sind bislang mindestens 17 Palästinenser getötet worden. Doch an einer Eskalation hat bislang keine der beiden Seite Interesse.

Von Benjamin Hammer
Am 13.11.2019

An der Grenze zum Gazastreifen rangieren israelische Soldaten Panzer. Das sieht nach Krieg aus. Aber so weit ist es noch lange nicht. Denn in der Nacht blieb es ruhig, in Tel Aviv haben die Schulen wieder geöffnet. Und noch zentraler: Bisher hat sich die Hamas, die deutlich mächtiger ist als der Islamische Dschihad, nicht an den Angriffen auf Israel beteiligt. Am Dienstag hatte die israelische Armee einen Anführer des Islamischen Dschihad getötet. Die militante Organisation reagierte darauf mit Raketen. Nach Angaben Israels sind es über 300. Seit gestern hat Israel einen neuen Verteidigungsminister: Naftali Bennet. Ein Mann, der von vielen ein Hardliner genannt wird.

An diesem Morgen schicken wir all unseren Feinden an allen Standorten eine Botschaft. Wer uns am Tage versucht zu töten, kann nie sicher sein, dass er die Nacht überstehen wird. Ihr wart und bleibt auf der Zielscheibe. Die Befehlshaber der Armee mit dem Generalstabschef an ihrer Spitze unternehmen alles, damit wir alle weiter in Ruhe schlafen können.

— Naftali Bennett, neuer Verteidigungsminister

Auch am Mittwoch Vormittag ertönte im Süden Israels mehrfach Raketenalarm. Ein Internetvideo soll zeigen, wie das Abwehrsystem der Israelis über der Stadt Sderot mehrere Raketen abfängt. Die israelische Luftwaffe griff erneut Stellungen und Einrichtungen des Islamischen Dschihad an. Insgesamt wurden seit gestern Morgen über 17 Palästinenser getötet, die meisten davon Kämpfer des Islamischen Dschihad, der von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Die israelische Armee verstärkte ihre Truppen an der Grenze zum Gazastreifen. Sie befürchtet, das militante Palästinenser den Grenzzaun überwinden und israelische Dörfer angreifen. Wie es nun weitergeht? Alle können nur spekulieren. Kobi Michael vom Institut für nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv rechnet jedenfalls nicht mit einem Krieg.

 

Weder die Dschihadisten noch Israel sind daran interessiert, das Gefecht über die bereits bestehende Situation hinaus zu eskalieren. Daher gehen alle sehr vorsichtig vor. Der Dschihad hätte viel mehr machen können, als er es in den letzten 24 Stunden getan hat. Es macht daher den Anschein, dass auch der Dschihad es momentan bevorzugt, diese Episode abzuschließen.

— Kobi Michael, Institut für nationale Sicherheitsstudien

Doch im Nahen Osten ist es gar nicht so einfach, Episoden der Gewalt zu beenden. Premier Netanjahu versucht, gleichzeitig Besonnenheit und Stärke auszustrahlen: „Gestern sagte ich, dass wir nicht an einer Eskalation interessiert sind. Dass wir aber jeden Angriff gegen uns mit einem Angriff beantworten werden. Ich denke es wäre besser, dass der Dschihad das jetzt versteht, bevor es für ihn zu spät sein wird.“ Die Vereinten Nationen und Ägypten bemühen sich unterdessen um eine Waffenruhe. Bisher ohne Erfolg. Der islamische Dschihad beteuert zumindest offiziell, kein Interesse an einer internationalen Vermittlung zu haben. Israel kommentiert die inoffiziellen Verhandlungen grundsätzlich nicht.

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