Foto: BR | Sophie von der Tann

Wo wurde Jesus wirklich geboren?

Auch ein Dorf in Galiläa trägt den Namen "Bethlehem" – einige Bewohner sind überzeugt, dass hier Jesus zur Welt kam

Könnte es sein, dass Christen seit Jahrhunderten zum falschen Bethlehem gepilgert sind? Auch archäologische Funde sollen zeigen, dass Jesus in Galiläa geboren wurde. Ein Beitrag von Sophie von der Tann.

Von Studio Tel Aviv
Am 19.12.2019

Den Stamm noch etwas kürzen – dann passt der Baum ins Auto. Es ist Hochsaison für Ben Jaeger. Seine Weihnachtsbäume, die Zypressen, sind beliebt – etwa bei arabischen Christen aus der Nachbarschaft, bei Botschaftsmitarbeitern aus Europa und den USA. Besonders erstaunt sind die Kunden, wenn sie sehen: Ben Jaegers Weihnachtsbaumplantage ist in Bethlehem.

Sie sagen dann: Aber wie soll ich denn zu dir kommen, ins Westjordanland. Das geht doch nicht. Und dann muss ich erklären, es gibt ein zweites Bethlehem. Es ist ein verstecktes Kleinod.

— Ben Jaeger, Weihnachtsbaumverkäufer
Ben Jaeger mit einem seiner Weihnachtsbäume. Foto: BR | Sophie von der Tann

Ben Jaeger kommt aus Bethlehem in Galiläa, einem kleinen, verschlafenen Ort im Norden von Israel. Im 19. Jahrhundert haben deutsche Christen der Templergemeinschaft hier eine Siedlung errichtet. In einem der zweigeschossigen Steinhäuser betreibt Ben nun ein Gästehaus. Er ist überzeugt: Maria und Josef sind hier, nach Bethlehem in Galiläa, gekommen.

In der Geschichte heißt es: Maria war schwanger und sie ist auf einem Esel von Nazareth nach Bethlehem geritten. Wenn man auf einem Esel reitet, dauert es eine Nacht von Nazareth nach Bethlehem in Galiläa. Aber auf einem Esel von Nazareth nach Bethlehem im Westjordanland zu reiten, das dauert drei Tage.

— Ben Jaeger, Weihnachtsbaumverkäufer
Auch deutsche Templer haben sich im 19. Jahrhundert in diesem Bethlehem niedergelassen. Einige Häuser stehen noch heute dort. Foto: BR | Sophie von der Tann

Bethlehem in Galiläa ist etwa 15 Kilometer von Nazareth entfernt. Das berühmte Bethlehem von Judäa liegt viel weiter weg, etwa 150 Kilometer südlich von Nazareth. Aber nicht nur die Nähe der beiden Orte sind eindeutige Indizien für Ben, dass sein Heimatort das wahre Bethlehem ist.

Wir sind jetzt auf der Hauptstraße vom Dorf. In den 50er Jahren haben sie hier eine große alte Kirche ausgegraben, von 500 nach Christus glaube ich, sie haben auch ein wunderschönes Mosaik darin gefunden, das hängt jetzt am Ben-Gurion-Flughafen. Und dann haben sie alles zugeschüttet und eine Straße darauf gebaut und wir fragen uns – wieso? Da beginnt die Verschwörung. Weil sie den wahren Geburtsort von Jesus gar nicht wissen wollen. 

— Ben Jaeger, Weihnachtsbaumverkäufer
Die Hauptstraße von Bethlehem in Galiläa – nicht zu vergleichen mit der belebten Stadt im Westjordanland. Foto: BR | Sophie von der Tann

In den 1990er Jahren hat der israelische Archäologe Aviram Oshri hier Ausgrabungen durchgeführt. Er ist überzeugt: Hier wurde Jesus geboren. Die große byzantinische Kirche und Reste einer Stadtmauer seien Beweise dafür. Das hat er in mehreren Interviews gesagt. Wir durften ihn nicht interviewen, die israelische Ausgrabungsbehörde hat uns keine Erlaubnis gegeben. Es scheint ein umstrittenes Thema zu sein. Aber was ist wirklich dran an der These? Spurensuche im anderen Bethlehem – im Westjordanland. Finden wir hier in der Grotte der Geburtskirche Beweise? „Die Geburt Jesus kann man nicht nachweisen hier. Das ist einfach nicht möglich, es gibt ja keinen Stein mit „hier wurde Jesus geboren“, sagt Luisa Goldammer, Archäologin am Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes. Letztlich sei es ohnehin mehr eine theologische Frage, sagt die Archäologin.

Es wird eindeutig gesagt in der Bibel, dass der nächste Messias aus dem Davidischen Geschlecht stammen muss. Das heißt, wir haben eine theologische Tradition. Diese theologische Tradition kann aber nur fortgeführt werden, wenn der nächste Messias – also Jesus in dem Fall – hierher kommt. Also muss er aus diesem Bethlehem kommen und das trifft eben auf das Bethlehem oben in Galiläa einfach nicht zu. 

— Luisa Goldammer, Archäologin
Die Geburtskirche steht im Westjordanland. Foto: dpa | picture alliance

Der Weihnachtsbaumverkäufer Ben Jaeger ist zwar nach wie vor vom Gegenteil überzeugt. Er hat aber gar nichts dagegen, wenn sein Bethlehem ein verstecktes Kleinod bleibt. Tausende Touristen würde das Dorf nicht vertragen.

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