Foto: BR | Benjamin Hammer

Wo Basketball zu Hause ist

Heute startet die Basketball-EM – auch in Israel. Den Auftakt macht das deutsche Team in Tel Aviv.

Israel gehört sportpolitisch zu Europa, weil sich viele Länder des Nahen Ostens weigern, gegen das Land zu spielen. Die Entwicklung des Basketballs in Israel ist eng mit der Geschichte des Landes verknüpft. Nun kommt die EM zum ersten Mal nach Israel.

Von Benjamin Hammer
Am 31.08.2017

Eine Sirene heult durch die Halle: Soundcheck in der EM-Arena von Tel Aviv. Kurz vor Beginn des Turniers testen die Techniker auch schon mal die Anzeigetafeln. „Deutschland – Ukraine“ steht darauf. In der ganzen Stadt wehen bereits die Flaggen des EM-Turniers. Für den Sprecher des israelischen Basketballverbandes, Hagay Segal, ist das alles ein ganz großes Ding: „Wir sind sehr stolz, dass wir die EM zum ersten Mal im eigenen Land haben. Unser Land liebt den Basketball. Wir haben hier eine lange Tradition.“ Israel liegt geografisch in Asien, nicht in Europa. Trotzdem nimmt das Land an fast allen europäischen Sportwettbewerben teil. Verfeindete arabische Länder würden sich weigern, gegen Israel zu spielen:

Das hat eben historische Gründe. Ich denke, wir sind nicht mehr willkommen in Asien. Aber Europa tut uns gut: Das Niveau ist hoch. Im Sport sind wir ein Teil von Europa.

— Hagay Segal, Sprecher des Basketballverbandes
Die EM wird in vier Ländern ausgetragen – eines davon ist Israel. Foto: BR | Benjamin Hammer

Wer israelische Basketball-Funktionäre in diesen Tagen fragt, welcher Sport in Israel denn am populärsten ist, der bekommt eine ehrliche, vielleicht etwas zähneknirschende Antwort: Fußball. Doch immer kommt auch ein Hinweis: Fußball sei vielleicht beliebt, die israelischen Teams jedoch nicht erfolgreich. Beim Basketball sei das anders: Der Sport sei populär und international erfolgreich. So hat allein Maccabi Tel Aviv den europäischen Vereinspokal sechs Mal gewonnen.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

Im Februar 1977 gelingt Maccabi Tel Aviv ein Sieg, der Israel endgültig zu einer Basketball-Nation macht. Im Halbfinale des Europapokals gewinnt Tel Aviv gegen die haushoch favorisierte Mannschaft von ZSKA Moskau. Das Spiel muss auf neutralem Boden in Belgien ausgetragen werden, weil sich die Mannschaft aus der Sowjetunion weigert, in Israel zu spielen – aus politischen Gründen. Nach dem Sieg bricht es aus einem Spieler förmlich heraus:

Der Staat Israel ist jetzt auf der Landkarte und Israel wird auf dieser Landkarte bleiben: im Sport und in allen anderen Bereichen.

— Basketball-Legende Tal Brody im Jahre 1977
Der frühere Basketballer Tal Brody wird sich alle Spiele der israelischen Mannschaft anschauen. Foto: BR | Benjamin Hammer

Der Spieler heißt Tal Brody und ist heute in Israel eine Legende. Der gebürtige jüdische US-Amerikaner hätte auch in der NBA spielen können. Er entschied sich anders und gewann mit Maccabi Tel Aviv nach dem Sieg gegen Moskau auch das Finale des Europapokals.


Unser Land hatte zuvor jahrelang getrauert. 1972 wurden elf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen von München bei einer Geiselnahme getötet. Ein Jahr später wurde Israel angegriffen, im Krieg starben viele israelische Soldaten. Der Basketball und unser Sieg 1977 hatten dann einen enormen Einfluss auf den Geist unseres Landes und unseren Stolz.

— Tal Brody, Basketballlegende


Als Tal Brody in den 60er Jahren nach Israel kam, da wurden die Spiele noch im Freien ausgetragen. Manchmal peitsche der Wüstensand über das Spielfeld. In der EM-Arena von Tel Aviv geht es heute deutlich komfortabler zu. Tal Brody wird sich alle Spiele der Israelis anschauen. Er hofft, dass Israel auch die Partie am Sonntag gegen Deutschland gewinnt. „Die anderen Teams sind stark“, sagt Brody. „Aber wir haben den Heimvorteil und fantastische Fans.“

Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.