Foto: BR | Julio Segador

Virtuell unterwegs im biblischen Jerusalem

Mit einer Virtual-Reality-Brille vom Davidsturm-Museum können Besucher in die Vergangenheit Jerusalems eintauchen

„Step into History“ – Der Schritt in die Geschichte: An insgesamt neun Orte im jüdischen Viertel der Altstadt können Touristen fortan in das Jerusalem von vor 2000 Jahren blicken. Aber Vorsicht: Die Wirklichkeit sollten sie dabei nicht aus den Augen verlieren. Ein Beitrag von BR-Reporter Julio Segador.

Von Studio Tel Aviv
Am 21.09.2018

Es ist ein überragender Ausblick, den man vom Turm Davids aus hat. Er reicht bis zum Felsendom und der Al-Aksa-Moschee und ist einer der Höhepunkte beim Besuch des Davidsturm-Museums in der Jerusalemer Altstadt. Doch manch ein Besucher mag sich gefragt haben: Wie sah das Ganze eigentlich früher aus? Zu biblischer Zeit? Für diese Jerusalem-Touristen hat Devora Mason vom Davidsturm-Museum eine gute Nachricht.

 

Wir haben einen Rundgang zusammengestellt, der durch Teile der Jerusalemer Altstadt führt. Es geht zurück in die Zeit von König Herodes. Die Teilnehmer machen die Tour mit einem Guide, der ihnen erklärt, wo sie gerade sind und was man sieht. Und dann setzen sie die Virtual-Reality-Brille auf und erfahren hautnah, wie es genau an der Stelle zu Herodes Zeiten aussah. 

— Devora Mason, Davidsturm-Museum

Mit einer Virtual-Reality-Brille – zumindest virtuell – 2000 Jahre zurück ins biblische Jerusalem. Möglich macht das die Zusammenarbeit der Innovationsabteilung des Davidsturm-Museums mit dem australischen Start-Up-Unternehmen Lithodomos, in dem sich Grafiker und Historiker auf 3-D-Rekonstruktionen antiker Städte spezialisiert haben. Dieses Verfahren werde nun in Jerusalem angewendet.

Wenn man ein 3-D-Modell eines Gebäudes konzipiert, dann liegt dem ja eine archäologische Forschung zu Grunde. Dieses Modell wird in den virtuellen Raum eingefügt. Und wenn man dann die Virtual-Reality-Brille aufsetzt, und man nach oben und unten blickt, sieht man den umliegenden Raum und hat das Gefühl, man ist ein Teil davon.

— Devora Mason, Davidsturm-Museum

Der Blick ins biblische Jerusalem wird ergänzt durch zusätzliche Informationen. Bettina aus Berlin war am Tag davor schon einmal auf dem Davidsturm. Nun hat sie sich die Virtual-Reality-Brille aufgesetzt. Sie ist überrascht, wie sehr sich Jerusalem plötzlich verändert. Und man muss auch aufpassen: Denn manch einer, sagt Devora Mason, vergisst über die virtuelle die echte Realität:

Wir warnen die Leute zu Beginn. Man sollte nicht an einer stark befahrenen Straße stehen. Man tritt ja in eine andere Realität. Wir sagen: Passt auf eure Taschen auf, ihr bekommt nicht mit, was um euch herum geschieht. Aber alle Punkte der Tour sind ungefährlich, wir sorgen für die Sicherheit.

— Devora Mason, Davidsturm-Museum
BR-Reporter Julio Segador spricht mit Devora Mason – mit Blick auf die Altstadt von heute. Foto: BR | Julio Segador

„Step into History“ – Der Schritt in die Geschichte, heißt das Projekt des Davidsturm-Museums. An insgesamt neun Orte werden die Touristen geführt. Allesamt liegen sie im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt. Etwa zwei Stunden dauert die Führung. Losgehen soll es mit den regulären Touren an diesem Sonntag, pünktlich zum Beginn des jüdischen Laubhüttenfestes Sukkoth. Dass die neue Technik dem ohnehin schon spektakulären Jerusalem Konkurrenz macht, glaubt Devora Mason nicht. Die Virtual-Reality-Tour sei einfach eine zusätzliche spektakuläre Erfahrung.

Natürlich wollen wir erfahren, was wir genau an der Stelle sehen. Aber durch die neue Technologie sind wir in der Lage, genau dort tiefer einzutauchen, viel intensiver als es uns unsere Vorstellung erlaubt.

— Devora Mason, Davidsturm-Museum