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Verwundbare Autos

Wie das israelische Start-up Argus Pkws vor Hackerangriffen schützen will

Heute beginnt der Genfer Autosalon, bei dem neue Modelle und modernste Technik vorgestellt werden. Auch wenn Israel selbst keine Fahrzeuge herstellt, wird das kleine Land mit seinen Start-ups für die Autoindustrie immer wichtiger.

Von Benjamin Hammer
Am 08.03.2018

Mitten im Tel Aviver Großstadtrevier spielen plötzlich die Bremsen verrückt: Der Geländewagen rollt unkontrolliert in Richtung eines Zaunes. Der Fahrer bremst, aber nichts passiert. Das System des Autos wurde gehackt. Zum Glück ist all das nur ein Test:  Neben dem Fahrer sitzt eine Mitarbeiterin des israelischen Unternehmens Argus. Auf ihrem Schoß hat sie einen Laptop, mit dem sie tief in die Systeme des Geländewagens eingedrungen ist. Argus will solche Vorfälle in der Realität verhindern. Das Unternehmen bietet Autoherstellern auf der ganzen Welt Schutzsysteme an: eine Firewall für Autos.

Stellen Sie sich vor, dass Sie sich auf der Autobahn befinden und plötzlich wird das Auto bis zum Stillstand abgebremst. Das ist nicht nur Furcht einflößend, sondern auch sehr gefährlich.

— Yoni Heilbronn, Marketingchef von Argus
Yoni Heilbronn ist der Marketingchef von Argus. Wie viele seiner Kollegen hat auch er in der Eliteeinheit 8200 der israelischen Armee gedient. Foto: BR | Benjamin Hammer

Viele Millionen Autos auf der ganzen Welt sind bereits vernetzt. Für die Fahrer bringt das Vorteile, zum Beispiel beim Navi oder bei Absprachen mit der Werkstatt. Doch die Autos können so sogar über das Mobilfunknetz angegriffen werden. Die Gefahr wird in Zukunft noch größer: wenn Autos eines Tages autonom fahren, das heißt: von einem Computer gesteuert werden.

Die Gleichung ist sehr einfach. Ein Computer, der mit der Außenwelt verbunden ist, kann gehackt werden. Überlegen Sie mal: Ein Fahrzeug ist ein sehr lohnendes Ziel. Es ist wertvoll. Und, noch wichtiger: Es befördert Menschen.

— Yoni Heilbronn, Marketingchef von Argus

Yoni Heilbronn ist wie die meisten seiner Kollegen Anfang 40. Argus Cyber Security gibt es erst seit fünf Jahren. Ein Start-up, gegründet von Absolventen einer Einheit der israelischen Armee. Ihr Name: 8200, zuständig für Cyberabwehr und Cyberangriffe. Auch Yoni Heilbronn war in dieser Einheit. Über die Details seiner Arbeit darf er nicht sprechen. Doch der Erfolg seines Unternehmens hat viel damit zu tun.

Wenn die Soldaten entlassen werden, nach mehreren Jahren, drängen sie auf den zivilen Markt. Die meisten haben schon in jungen Jahren Dinge gelernt, die man kaum in irgendwelchen anderen Bereichen weltweit finden wird.

— Yoni Heilbronn, Marketingchef von Argus

Die Erfahrungen der Einheit 8200: Sie sind ein Grund, warum Israel zu einer erfolgreichen Start-Up-Nation geworden ist. Längst haben auch deutsche Weltkonzerne die jungen Unternehmen entdeckt. Im vergangenen Jahr wurde Argus vom deutschen Automobilzulieferer Continental gekauft. Laut Medienberichten für rund 400 Millionen Euro. Grisha Alroi-Arloser, Geschäftsführer der deutschen Auslandshandelskammer in Tel Aviv sagt: Solche deutsch-israelischen Kooperationen bringen Vorteile für beide Seiten.

Der Vorteil des großen Weltunternehmens ist, dass es für relativ wenig Geld interessante, neue Ideen und Technologien erwirbt. Und für das israelische Unternehmen liegt der Vorteil darin, dass der Marktzugang, den ein solches Unternehmen einem bietet, unwahrscheinlich groß und wichtig ist.

— Grisha Alroi-Arloser, Geschäftsführer der deutschen Auslandshandelskammer
Grisha Alroi-Arloser kennt als Geschäftsführer der Auslandshandelskammer in Tel Aviv die Vorteile der Kooperation zwischen Weltunternehmen und israelischen Start-ups. Foto: dpa | picture alliance

Während der Testfahrt in Tel Aviv ist der digitale Angriff auf die Bremsen nach vier Sekunden schon wieder vorbei. Das Auto fuhr sehr langsam. Im Ernstfall könnte so ein Hack für die Insassen tödlich ausgehen. Argus aus Israel und weitere Unternehmen auf der ganzen Welt wollen verhindern, dass es jemals so weit kommt.