Foto: BR | Eva Lell

Veganer-Paradies Tel Aviv 

Sich fleischlos zu ernähren liegt in Tel Aviv im Trend – Cafés und Restaurants haben sich angepasst

Leberpastete aus Linsen, Frischkäse auf Sojabasis, Burger aus Erbsenprotein: Einige Tel Aviver Restaurants bieten ausschließlich veganes Essen an. Schließlich steigt die Zahl der Veganer. Und das, obwohl das Umweltbewusstsein in Israel nicht sonderlich ausgeprägt ist. Ein Beitrag von BR-Reporterin Eva Lell. 

Von Studio Tel Aviv
Am 21.08.2019

Oren Hazan bricht gebackene Kartoffeln mit den Händen in grobe Stücke und gibt sie in die Fritteuse: „Das sind die besten Pommes frites in Tel Aviv und ich glaube in ganz Israel“, schwärmt er. Oren betreibt gemeinsam mit seiner Frau das Meshek Barzilay im Tel Aviver Stadtteil Neve Tsedek. Alle Gerichte sind vegan, also ohne Fleisch, Fisch, Eier und Milch. Rafael ist mit seiner Tochter Adas gekommen. Beide mögen das Couscous hier:

Ich wurde in Marokko geboren, dass Couscous hier schmeckt wie das, das meine Mutter gemacht hat, als ich ein Kind war.

— Rafael, Gast im veganen Restaurant

Rafael isst eigentlich Fleisch, seine Tochter ist seit Jahren Vegetarierin. Es gibt Leberpastete, die aus Linsen hergestellt wurde, Frischkäse auf Sojabasis. Und vegane Burger, sagt der Koch Oren Hazan: „Bei uns ist der Beyond Burger der Renner. Die Leute vermissen den Geschmack von Fleisch und diese Burger schmecken sehr ähnlich. Wir braten die Burger auf einem Kohlegrill.“ Beyond Meat, ein Fleischersatz aus Erbsenprotein, ist beliebt in Tel Aviv. Ist der Veganismus nur ein Trend, der bald wieder verschwinden wird? Oren Hazan meint: nein.

Der Statistik nach gibt es immer mehr Veganer. Ich sehe das auch daran, dass viele Restaurants aufmachen und viel mehr Leute in diesen Bereich einsteigen. Normale Köche, normale Restaurants überlegen, alles vegan zuzubereiten, oder wenigstens die Hälfte ihrer Gerichte. Die Menschen verstehen heute, dass sie etwas ändern müssen. Sie verstehen, dass das der einzige Weg ist, um unsere Existenz auf diesem Planeten für die Zukunft zu sichern.

— Oren Hazan, Koch im veganen Restaurant
Oren Hazan kocht im veganen Meshek Barzilay in Neve Tsedek. Foto: BR | Eva Lell

Veganismus ist Trend in Tel Aviv, aber das Umweltbewusstsein insgesamt ist in Israel nicht sehr ausgeprägt, Klimaschutz ist nur am Rande Thema, es gibt kaum Mülltrennung und keine nennenswerte Ökopartei. Die Vegetarierin Adas glaubt, dass die Politik die Menschen besser aufklären müsste:

In anderen Ländern wird mehr dafür getan, dass die Menschen sich umweltbewusster verhalten. Bei uns ist es so: Wir denken, wir haben genug Probleme. 

— Adas, Veganerin

Die Bar Zakaim liegt nur wenige Gehminuten entfernt. Etoile kommt fast jeden Tag hierher. Seit einem Jahr lebt die Französin in Israel:„Ich genieße Tel Aviv, weil es so viele vegane Restaurants gibt. Am Zakaim mag ich die Atmosphäre, das Essen und die Tatsache, dass alles ökologisch ist.“ Sie lebt fast vegan, erzählt sie.

Ich habe viele Gründe, weil es besser für die Umwelt ist, wegen der Tiere und auch wegen der Gesundheit. Ich glaube, alles ist miteinander verbunden. Und ich glaube, was nicht gut für die Erde ist, ist auch nicht gut für uns.

— Etoile, Gast im vegane Restaurant
Etoile in ihrem veganen Lieblingscafé Zakaim. Foto: BR | Eva Lell

Ins Zakaim kommen viele in der Mittagspause, an einem Buffet kann sich jeder Gast Salate und warme Gerichte zusammenstellen. Sharon arbeitet seit zwei Jahren hier: „Es gibt zum Beispiel veganes Shawarma, aus Tofu und Jackfrucht. Es gibt Chraime, das sind eigentlich marokkanische Fisch-Klöße. Es gibt Fleischklöße aus Soja und Pilzen, grünes Curry mit Kokosmilch. Und weitere Gerichte, je nach Saison.“ Viele Veganer gehören zu den Kunden, aber auch Leute, die in der Gegend wohnen und denen das Essen schmeckt, erzählt sie. Es gibt in Tel Aviv ein Netzwerk für Veganer, Vegan friendly heißt es, zu Deutsch: veganerfreundlich. Es verleiht ein Siegel, mit dem schon an der Tür zu erkennen ist, dass in dieser Bar ohne tierische Produkte gekocht wird.

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