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Urteil im Fall Tamimi

Ahed Tamimi bekennt sich in vier von 12 Anklagepunkten schuldig und muss für acht Monate ins Gefängnis

Die Gerichtsverhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Nun wurde ein Deal zwischen Anklage und Verteidigung erreicht. Der Fall Tamimi aber, so scheint es, ist noch lange nicht zu Ende.

Von Tim Assmann
Am 23.03.2018

Die junge Frau mit den langen, rotblonden Locken soll aus dem Gerichtssaal geführt werden. Kurz vor der Tür hat sie noch eine Botschaft für die Reporter.„Es gibt keine Gerechtigkeit unter Besatzung. Das Gericht ist illegal“, ruft Ahed Tamimi. Dann lässt sie sich lächelnd abführen. Die Szene im Gerichtssaal – sie passt sehr gut zu der jungen Palästinenserin und auch zu diesem Fall. Ahed Tamimi, mittlerweile 17 Jahre alt, ist ein Star – zumindest für viele Palästinenser. Die Jugendliche aus dem besetzten Westjordanland hat schon früh von der Macht der Bilder erfahren. Sie kommt aus einer Familie von palästinensischen Aktivisten.

Angeklagt in 12 Punkten

Wenn die Tamimis gegen die israelische Besatzung demonstrieren, filmen sie das meistens. So auch im Dezember vergangenen Jahres. Ahed, damals 16, versuchte einen schwer bewaffneten israelischen Soldaten zu provozieren, verpasste ihm schließlich eine Ohrfeige. Das Video vom Vorfall ging um die Welt und Ahed kam wenig später in Haft und schließlich vor das Militärgericht. Die Anklage umfasste neben dem jüngsten Vorfall noch andere Vorwürfe, darunter Steinwürfe gegen Soldaten. Insgesamt waren es zwölf Punkte. Die israelische Rechtsanwältin Gaby Lasky, Aheds Verteidigerin, unterstellt der Militärstaatsanwaltschaft nun, dass es um mehr ging, als um die Angeklagte selbst.

Als uns klar wurde, dass die Staatsanwaltschaft Ahed mehrere Jahre ins Gefängnis bringen wollte, wussten wir, dass es hier darum ging, andere junge Palästinenser abzuschrecken.

— Gaby Lasky, Anwältin

Das Interesse an dem Verfahren war groß. Für ihre Unterstützer ist Ahed Tamimi eine Ikone des palästinensischen Widerstands, israelische Politiker bezeichneten sie zum Teil als Terroristin. Verhandelt wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit, gegen den Willen der Angeklagten. Es kam zu einer Einigung zwischen Anklage und Verteidigung, einem sogenannten Deal. Die Staatsanwaltschaft entschied, einen Großteil der Anklagepunkte fallen zu lassen.  Ahed Tamimi bekannte sich in vier Punkten schuldig, darunter die Ohrfeige gegen den Soldaten. Tamimi wurde zu acht Monaten Haft verurteilt, von denen sie noch vier verbüßen muss. Aus Sicht ihrer Anwältin Gaby Lasky ein gutes Ergebnis.

Wir sehen es so, dass wir gewonnen haben, denn ab der Entscheidung hinter geschlossenen Türen zu verhandeln war klar, dass das kein fairer Prozess werden würde. Dies ist ein Besatzungsgericht und das ist das beste Ergebnis, das wir hier erreichen konnten.

— Gaby Lasky, Anwältin

Die israelische Armee teilte mit, sie werde weiter daran arbeiten, Sicherheit und Ordnung im Westjordanland aufrecht zu erhalten.  Ahed Tamimi bekam auch eine Bewährungsauflage von drei Jahren. Die Worte ihres Vaters Bassem lassen darauf schließen, dass sie sich auch nach ihrer Haftentlassung weiter politisch engagieren und ihre Bekanntheit nutzen wird: „Sie ist stark, ihr Wille ist stark und sie wird die Menschen weiter ermutigen, für unsere Rechte zu kämpfen.“ Der Fall Tamimi, dieser Eindruck bleibt nach dem Ende des Prozesses, ist wohl noch nicht vorbei.

Kommentare

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10 thoughts on “Urteil im Fall Tamimi”

    gunther, Sonntag, 01.04.18, 6:58 Uhr

    Tamimi hatte versucht, durch tätliche Angriffe israelische Soldaten zu provozieren. Die erhoffte Reaktion sollte gefilmt werden, um damit das unmenschliche System zu attackieren. Blöderweise haben die ...

    Tamimi hatte versucht, durch tätliche Angriffe israelische Soldaten zu provozieren. Die erhoffte Reaktion sollte gefilmt werden, um damit das unmenschliche System zu attackieren. Blöderweise haben die Soldaten nicht wie erhofft reagiert.
    DAS sind die Politik und der Widerstand vieler Palästinenser.
    Das alles auf die sog. Besatzung zurückzuführen, wie es Herr K. tut, ist irreführend. Wenn sich Herr K. um mehr Information bemühen würde, müsste er zugeben:
    1. Muslimische Massaker an Juden gab es vor 1948, auch vor Entstehung des Zionismus.
    2. Die Hamas will die Tötung aller Juden weltweit. Das hat nichts mit Israel zu tun.
    3. Hamas, Hisbollah und Iran wollen die grundsätzliche Zerstörung Israels.
    4. Antisemitismus gehört seit 1979 zum Selbstverständnis des iranischen Staates.

    Michael K., Freitag, 23.03.18, 11:00 Uhr

    Ahed Tamimi hat vollkommen Recht. Wer unter einer Besatzung zu leben hat, kann nicht damit rechnen gerecht behandelt zu werden. Eine Besatzungsmacht bedient sich auch unterschiedlicher Gerichte und Ge ...

    Ahed Tamimi hat vollkommen Recht. Wer unter einer Besatzung zu leben hat, kann nicht damit rechnen gerecht behandelt zu werden. Eine Besatzungsmacht bedient sich auch unterschiedlicher Gerichte und Gesetze. So kommt es, dass ein israelischer Soldat für Totschlag an einem wehrlosen Menschen (Palästinenser) den gleichen Strafrahmen erfährt, wie ein minderjähriges Mädchen, dass sich gegen das unrechtmässige Eindringen von Soldaten einer illegalen Besatzungsmacht wehrt. Dass man eine Besatzungsmacht nicht akzeptieren will ist ein Menschenrecht. Dass man aber einem 17-jährigen Mädchen und ihrer Familie versucht deren Redlichkeit zu bezweifeln und sie niedriger Motive zu bezichtigen, das ist ungeheuerlich. Der Fall zeigt die ganze Tragik eines viel zu lange dauernden Konfliktes, der durch Feigheit der Politik universell geltende Menschenrechte unterdrückt. Empörung ist mehr als angebracht.

      martina, Sonntag, 25.03.18, 16:58 Uhr

      drastisch. die universellen menschenrechte gelten dann für palästinenser. für israelische soldaten dann wohl nicht.

      drastisch. die universellen menschenrechte gelten dann für palästinenser. für israelische soldaten dann wohl nicht.

      martina, Mittwoch, 28.03.18, 6:39 Uhr

      hallo michael. mein grundsätzliches problem mit dir ist, dass du gewalt legitimierst. du sagst, es ist das recht des schwächeren gegengewalt auszuüben, im grunde egal mit welchen mitteln. denn das zie ...

      hallo michael. mein grundsätzliches problem mit dir ist, dass du gewalt legitimierst.
      du sagst, es ist das recht des schwächeren gegengewalt auszuüben, im grunde egal mit welchen mitteln.
      denn das ziel der befreiung ist dem der gewalt überzuordnen und legitimiert sie.
      das schließt auch den einsatz von teenagern mit ein, die dann milder bestraft werden. das nenne ich kindesmisshandlung oder missbrauch.
      das kann und werde ich niemals befürworten.
      gruß

      Marco, Donnerstag, 29.03.18, 12:24 Uhr

      Und Sie Martina? Verurteilen sie auch die Gewalt die von israelischen Soldaten und Siedlern ausgeht? Verurteilen Sie die illegale Besatzung? Verurteilen Sie Sippenhaft und Kollektivstrafen? Das Mädche ...

      Und Sie Martina? Verurteilen sie auch die Gewalt die von israelischen Soldaten und Siedlern ausgeht? Verurteilen Sie die illegale Besatzung? Verurteilen Sie Sippenhaft und Kollektivstrafen? Das Mädchen hat sich gegen die illegale israelische Besatzung verteidigt. Die Täter sind alleine die illegalen israelischen Besatzungssoldaten. Solange Israels soldaten weiterhin unschuldige ermorden, unterdrücken, foltern und bestehlen ist jede Gegenwehr gerechtfertigt. Statt dem Mädchen sollten die israelischen Besatzer, Mörder und Diebe ins Gefängniss.

      martina, Samstag, 31.03.18, 4:04 Uhr

      hallo marco. ich verurteile jegliche gewalt. aber das wollen sie nicht hören.... das israel unschuldige ermordet und foltert müssen sie belegen können. ansonsten ist das eine verleugnung! und sie schl ...

      hallo marco. ich verurteile jegliche gewalt. aber das wollen sie nicht hören….
      das israel unschuldige ermordet und foltert müssen sie belegen können. ansonsten ist das eine verleugnung!
      und sie schließen sich michael an, mit der aussage, gewalt ist erlaubt und die universellen menschenrechte gelten nicht für israelis.
      was sie hier im allgemeinen beschreiben ist nichts anderes als selbstjustiz nach persönlichem gutdünken. und ihres schließt auch noch sippenhaft / kollektivstrafen mit ein. denn bestraft werden kann ja ein x beliebiger israeli für einen angriff.
      die verurteilung von ahed tamini halte ich für gerechtfertigt. sie ist wiederholungstäterin und der soldat hat ihr nichts getan!
      nach wie vor halte ich das, wozu ihre familie sie anstachelt für kindesmissbrauch und kindesmisshandlung. aber sie ist bald 18 und insofern selber für ihre taten dann verantwortlich. was sie macht, wäre auch in deutschland verurteilt worden. gruß

    Walter Ruge, Freitag, 23.03.18, 8:18 Uhr

    Sehr kleine, aber überaus wichtige Details zu der Familie Tamimi wurden hier nicht erwähnt-das ist keine Familie von Aktivisten, sondern von Terroristen. Oder wie bezeichnet man es, wenn die Tante, Ah ...

    Sehr kleine, aber überaus wichtige Details zu der Familie Tamimi wurden hier nicht erwähnt-das ist keine Familie von Aktivisten, sondern von Terroristen. Oder wie bezeichnet man es, wenn die Tante, Ahlam Tamimi, einen palästinensischen Selbstmordattentäter zum Tatort (eine Pizzeria in Jerusalem im Jahr 2001) begleitet hat und somit von den Plänen, Menschen zu töten, begleitet hat???? 15 Israelis wurden beim Attentat ermordet, mehr als die Hälfte der Opfer waren Kinder. Tamimi selbst wurde verhaftet und bekam „lebenslänglich“. Sie wurde im Zuge der Freilassung von Gilat Shalit ausgetauscht. Außerdem bestand eine weitere Tat dieser Terroristin darin, im Juli 2001 einen expolsiven Gegenstand in einem Lebensmittelmarkt zu plazieren, der detonierte, jedoch keinen Schaden verursachte.

      Lotte, Samstag, 24.03.18, 13:11 Uhr

      ... oder man schaut unter Manal Tamimi nach ... oder die Verbindungen/Auftritte zu/mit Leila Khaled/Chaled (!) ... oder liest die Statements ausgerechnet in Brüssel, 2017 über die Rolle der Frau(en) i ...

      … oder man schaut unter Manal Tamimi nach
      … oder die Verbindungen/Auftritte zu/mit Leila Khaled/Chaled (!)
      … oder liest die Statements ausgerechnet in Brüssel, 2017 über die Rolle der Frau(en) im pal. Widerstand nach (wer israel. „jüdischen“ Medien nicht traut, kann dies gerne auf arabischen Seiten finden)
      usw.
      Alles meilenweit von einem „Peace and Love T-Shirt“ in süßem-harmlosen Rosa und „gewaltlosem Widerstand“ unter „Verschonung von unbeteiligten Zivilisten incl. Kindern“ entfernt !

      Marco, Dienstag, 27.03.18, 12:25 Uhr

      Achso auf jüdische Zivilisten müssen die palästinensischen Freiheitskämpfer also Eücksicht nehmen, Israel kann aber Zivilisten ermorden u d Kinder als menschliche Schutzschilde missbrauchen wie es wil ...

      Achso auf jüdische Zivilisten müssen die palästinensischen Freiheitskämpfer also Eücksicht nehmen, Israel kann aber Zivilisten ermorden u d Kinder als menschliche Schutzschilde missbrauchen wie es will.

      Unrechts- und Terrorstaaten wie Israel muss man sanktionieren und isolieren. Israel wimmelt nur so von rechtsradikalen, Rassisten und Menschenfeinden. Dieser Terrorstaat muss endlich zur Rechenschaft gezogen werden für seinen Jahrzehte währenden Terror gegen unschuldige palästinensische Zivilisten. Ich hoffe das zionistische Besatzungsregime wird bald beendet und auch die jüdischen Terroristen bekommen endlich ihre verdienten Strafen!

      gunther, Sonntag, 01.04.18, 10:44 Uhr

      Marco Sie scheinen da manches zu verdrehen: Wer benutzt in Gaza Kinder als menschliche Schutzschilde? Wer ermordet, auch Minderjährige, mit Messern, Scheren, Autos, Bomben nur deshalb, weil die Opfer ...

      Marco

      Sie scheinen da manches zu verdrehen:
      Wer benutzt in Gaza Kinder als menschliche Schutzschilde?
      Wer ermordet, auch Minderjährige, mit Messern, Scheren, Autos, Bomben nur deshalb, weil die Opfer Juden sind?
      Wer zahlt Mördern und Terroristen bzw. deren Familien monatliche Renten von bis zu 3000 Dollar?
      Ihre Judenfeindschaft ist extrem, nicht nur peinlich, sondern hasserfüllter Antisemitismus.