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Trump-Wahlkampf in Israel

In Israel leben rund 300.000 Wahlberechtigte – Grund genug, hier auf Stimmenfang zu gehen

Endspurt im US-Wahlkampf, auch in Israel. Die Wahlhelfer von Donald Trump machen in Jerusalem noch mal Wirbel. Und der Präsidentschaftskandidat sendet sogar eine Videobotschaft.

Von Peter Kapern
Am 30.10.2016

Kurz vor Beginn der Wahlkundgebung muss Marc Zell noch mal schnell verschwinden. Ein paar Hundert Meter runter zur Klagemauer, um einen kleinen, weißen Zettel in eine der Mauerspalten zu stecken. So, wie es religiöse Juden tun, als Nachricht an Gott, mit Gebeten, Wünschen und Bitten. Der Zettel, den Marc Zell nun in die Klagemauer steckt, kommt von Donald Trump. Der hat die Botschaft persönlich geschrieben und seinem israelischen Wahlhelfer in die Hand gedrückt. Wenig diskret lässt Zell, Trump-Wahlkampfhelfer in Israel, alle Journalisten vorher noch lesen, was der Präsidentschaftskandidat sich von Gott wünscht. Nämlich dessen Segen für die USA, ihre Streitkräfte und ihre Alliierten. Und dass er die Nation stärken möge. Fünf kurze Zeilen. Make America Great again.

Und nach dem Botengang schwärmt Marc Zell dann vom künftigen Präsidenten Trump und dessen Nahostpolitik: „Das wird eine Revolution. Die USA werden sich nicht mehr länger mit vorgefertigten Lösungen für den Nahostkonflikt an den Tisch setzen. Donald Trump wird sagen: Wir wollen euch nicht zwingen, einen eckigen Zapfen in ein rundes Loch zu schlagen. Wenn ihr unsere Hilfe wollt, damit es zwischen Israelis und Palästinensern läuft: Bitteschön. Und wenn nicht: Dann geht uns das Ganze eben nichts an.“ Das ist ein Gedanke, der den 200 Menschen, die am frühen Abend auf den Zionsberg gleich neben der Jerusalemer Altstadt gekommen sind, sehr sympathisch ist. Keine Ermahnungen aus Washington mehr wegen des fortgesetzten Siedlungsbaus, kein Beharren auf der Zwei-Staaten-Lösung. Schließlich leben in den Siedlungen viele Juden mit Wurzeln in den USA. So sieht das zum Beispiel der in New York geborene Danny Kranzdorf:

Ich glaube nicht, dass Donald Trump Israel für ’n Apfel und ’n Ei hergibt. Hillary Clinton würde das machen. Ich lebe in einer der Siedlungen im Westjordanland. Und das will ich auch weiterhin tun.

— Danny Kranzdorf, Trump-Unterstützer

300.000 Menschen, die am 8. November wahlberechtigt sind, leben in Israel. 100.000 davon haben sich für die Wahl registrieren lassen. Und 80.000 davon werden Donald Trump wählen, glaubt Marc Zell, der Vorsitzende der Auslandsorganisation der Republikaner – der Republicans Overseas. Eine Zahl, die bei einem knappen Wahlausgang den Unterschied machen könne. Zell hat bei seinem letzten Besuch in den USA von Trump außer dem Zettel für die Klagemauer auch eine DVD bekommen. Weshalb jetzt plötzlich, nach vielen Reden und patriotischer Musik, Donald Trump auf einem großen Bildschirm erscheint: „Wir werden uns gemeinsam unseren Feinden wie dem Iran entgegenstellen, der Israel und dessen Menschen zerstören will. Wir werden gemeinsam die USA und Israel wieder sicher machen“, teilt Donald Trump in einer Videobotschaft seinen israelischen Unterstützern mit.

Zufriedenheit mit Trumps Botschaft

Die Botschaft des Donald Trump an seine israelischen Unterstützer war nicht einmal 60 Sekunden lang. Und so schnell vorbei, dass das Publikum vor lauter Überraschung sogar zu applaudieren vergaß. David Weismann geht anschließend trotzdem zufrieden nach Hause: „Trump hatte doch schon vorher gesagt, dass er ganz Jerusalem als unteilbare Hauptstadt Israels betrachtet“, so der junge Mann mit dem roten Bart. Und außerdem habe Trump doch gesagt: „Wenn die Palästinenser weiter auf Terror setzen, ja dann können wir auch weiter Siedlungen in den besetzten Gebieten bauen.“

 

Kommentare

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3 thoughts on “Trump-Wahlkampf in Israel”

    Sébastien, Donnerstag, 27.10.16, 20:05 Uhr

    (Ami-Siedler und Trump. Oder ich kenne nur mich.) Trump. Wer auch nur ansatzweise noch bei Sinnen ist - geht in Amerika zur Wahl und stimmt gegen diesen Wahnsinn von Mensch, der gerne mal von Deportat ...

    (Ami-Siedler und Trump. Oder ich kenne nur mich.)
    Trump. Wer auch nur ansatzweise noch bei Sinnen ist – geht in Amerika zur Wahl und stimmt gegen diesen Wahnsinn von Mensch, der gerne mal von Deportation und Sonderkommandos spricht, das einem die Nackenhaare zu Berge stehen angesichts der Schrecken des letzten Jahrhunderts.

      Anke, Freitag, 28.10.16, 14:35 Uhr

      und wählt eine Hillary, die noch viel schlimmer ist, dies sogar ankündigt (nicht bloss populisten Sprüche kloppt). Klar. So ist man bei Sinnen. Wäre das System und das Volk bei Sinnen, hätte man nicht ...

      und wählt eine Hillary, die noch viel schlimmer ist, dies sogar ankündigt (nicht bloss populisten Sprüche kloppt). Klar. So ist man bei Sinnen. Wäre das System und das Volk bei Sinnen, hätte man nicht die Wahl zwischen zwei verbrechern, vor allem nachdem klar wurde dass die Vorwahlen schon manipuliert waren. Alles gut, nichts zu sehen, weiter so!

      Sébastien, Freitag, 28.10.16, 18:38 Uhr

      Danke für diese klaren Worte, Hannes Stein. Nachzulesen in Jüdische Allgemeine. "Ja doch, es gibt sie leider – jene Juden, die sich Donald Trump als amerikanischen Präsidenten wünschen. Da ist etwa Sh ...

      Danke für diese klaren Worte, Hannes Stein.
      Nachzulesen in Jüdische Allgemeine.

      „Ja doch, es gibt sie leider – jene Juden, die sich Donald Trump als amerikanischen Präsidenten wünschen. Da ist etwa Sheldon Adelson, der Multimilliardär aus Las Vegas. Und da ist Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn. Sie bilden sich allen Ernstes ein, dass sie in den Augen jener Rassisten, die Donald Trump zujubeln, als Weiße durchgehen! Lachhaft.

      Sie sind der lebende Beweis, dass es nicht nur dumme, sondern auch saudumme Juden gibt. Vor allem tun diese Leute so, als sei die Maxime »kol israel areiwim seh baseh« nicht auch auf sie gemünzt. Dabei hat die Kandidatur von Donald Trump einen Antisemitismus losgetreten, den es in dieser Form in Nordamerika noch nie gegeben hat.

      TWEETS Bethany Mandel, eine Journalistin aus New Jersey, kann ein Lied davon singen. Als Antwort auf ein paar Trump-kritische Tweets wurde sie als »schleimige Jüdin« beschimpft, die »in den Ofen gehört«. Ein besonders liebevoller Trump-Unterstützer stellte ihr im Internet 19 Stunden lang nach. Am Ende reichte es Mandel, die zwei kleine Kinder hat – sie kaufte sich eine Pistole.

      Julia Ioffe erging es nicht besser: Sie schrieb einen Artikel über Melania Trump, der nicht aus Lobhudeleien bestand, und wurde mit nazihaften Beschimpfungen eingedeckt. Donald Trump sagte hinterher, sie habe diese Behandlung verdient. Jonathan Weisman, ein Redakteur der New York Times, bekam Zeichnungen von hakennasigen Juden zugesandt – und ein Foto des Tors von Auschwitz mit der Aufschrift: »Machen Amerika Great«. Die Anti-Defamation League hat nachgezählt: Von August 2015 bis Juli 2016 wurden 2,6 Millionen antisemitische Tweets in die Welt gesetzt.

      Viele Umfragen sprechen dafür, dass Trump die Wahl im November haushoch verlieren wird. Aber der Erdrutsch aus Judenhass und Rassismus, den dieser Mann losgetreten hat, wird die Amerikaner noch eine Generation lang beschäftigen. Und Trumps jüdische Unterstützer sollten sich schämen.“