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Tourismus und Tränengas

Wie ein junger Palästinenser in seinem Hostel in Hebron Touristen und Rucksackreisende willkommen heißt

Das israelisch besetzte Westjordanland gilt bislang eher nicht als touristischer Hotspot. Nur Orte wie Bethlehem und Jericho sind das Ziel Reisender. Ein Großteil der Kommunen im Gebiet unter palästinensischer Selbstverwaltung wird von den meisten Touristen gemieden. Ein Palästinenser in Hebron will das ändern. Ein Beitrag von BR-Reporter Kilian Neuwert.

Von Studio Tel Aviv
Am 25.08.2018

Eine Bar auf einer Dachterrasse hoch über Hebron, Wasserpfeifen stehen neben den Tischen. Hier, mitten im Westjordanland macht ein niederländisches Paar Urlaub. „Ich habe Politikwissenschaften studiert. Es war also eine Gegend, die mich interessiert hat. Doch es ist eine Region, die man eher nicht als Reiseziel im Kopf hat“, sagt Lotte vaan Heesewijk und ihr Freund Gichuki Rugoiyo erzählt: „Bevor ich hergekommen bin, hatte ich nie gedacht, dass ich das mal bereisen und etwas darüber lernen würde.“ Die blonde Lotte und der dunkelhäutige Gichuki fallen auf in der Bar, denn Touristen sind hier eher selten. Die beiden sind in Begleitung gekommen: Sie sind Gäste von Ghassan Jabari. Der junge Palästinenser betreibt ein Hostel in Hebron: „Ich bringe meine Gäste an solche Orte, damit sie nicht die ganze Zeit im Hostel bleiben. Ich will, dass sie etwas von Hebron sehen, vor allem, dass es hier auch normales Leben gibt.“ Ghassan ist in der Altstadt von Hebron aufgewachsen. Hier hat er vor zwei Jahren sein Hostel aufgebaut. Es nimmt eine Etage in einem mehrstöckigen Gebäude ein. Eine schlichte Unterkunft, die sich eher an Rucksackreisende richtet. Getrennte Schlafsäle für Männer und Frauen, die Nacht für umgerechnet gut zwölf Euro.

Ich hatte das Gefühl, dass ich hier etwas machen könnte, dass auch mal jemanden nach Hebron lockt. Um zu zeigen, wie die Situation hier ist. 

— Ghassan Jabari, Hostel-Betreiber in Hebron

Ghassan Jabari ist ein Pionier, denn Tourismus spielt im israelisch besetzten Westjordanland wirtschaftlich kaum eine Rolle – zumindest nicht abseits von Bethlehem und Jericho. Selbst Rucksackreisende zieht es nur wenige her. Am Morgen nach dem Barbesuch führt Ghassan seine Gäste durch die Altstadt. Hebron ist eine geteilte Stadt, in der viel Blut vergossen wurde. Maßgeblich als Folge der palästinensischen Anschläge der zweiten Intifada wurden Straßen gesperrt und Läden geschlossen. Israelische Soldaten sind hier stationiert, um eine israelische Siedlung mitten in der palästinensischen Stadt zu schützen. Straßenschlachten gehören in Hebron zur wöchentlichen Routine. Um manche Teile der Stadt zu erreichen, müssen Palästinenser wie Ghassan durch Checkpoints. Ghassan lässt seine Gäste an seinem Alltag teilhaben. Auf dem Rundgang führt er sie an einen Checkpoint.

Als Palästinenser dürfen wir hier nicht durchgehen. Wenn ich hier fertig bin mit meinen Erklärungen, dann geht ihr einfach weiter. Ich darf das nicht. Ich gehe komplett außen rum und dann durch einen anderen Checkpoint und treffe euch an der Ibrahimi-Moschee.

— Ghassan Jabari, Hostel-Betreiber in Hebron

Gitter riegeln die Straße an dieser Stelle ab, eine stählerne Drehtür führt auf die andere Seite. Ein Wachtposten kontrolliert die Pässe. Mit ihren Papieren können Lotte und Gichuki aus den Niederlanden problemlos passieren. Doch das Gefühl sei beklemmend, sagen sie. „Das ist unmenschlich“, sagt Gichuki. „Klar hat man schon mal Bilder von hier gesehen. Aber du bist immer weit weg, verknüpfst das, was du siehst nicht mit den Orten oder den Menschen, die hier leben.“

Ich denke, dass kaum jemand versteht, wie stark so etwas das alltägliche Leben einschränkt. Wir dürfen da jetzt nur durch, weil wir aus dem Westen kommen und einen Pass haben. Das ist ziemlich bizarr.

— Lotte vaan Heesewijk, Touristin

Auf der anderen Seite erwartet die Gruppe eine Geisterstadt. Ghassan erzählt von Läden, die die Palästinenser aufgeben mussten. Zwar ist er einer der Pioniere im Tourismusbereich hier, doch hat auch er eine politische Botschaft, die immer wieder durchklingt. Und trotz seiner Bemühungen dürfte Hebron zunächst wohl ein eher exotisches Reiseziel bleiben.

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6 thoughts on “Tourismus und Tränengas”

    gunther, Donnerstag, 30.08.18, 15:07 Uhr

    Wer führt seit 70 Jahren Krieg gegen Israel? Wer verübt seit 70 Jahren Terroranschläge in Israel? Wer lehnt Lösungsversuche rundweg ab? Wer hat in seinem Programm, alle Juden töten zu wollen? Wer will ...

    Wer führt seit 70 Jahren Krieg gegen Israel?
    Wer verübt seit 70 Jahren Terroranschläge in Israel?
    Wer lehnt Lösungsversuche rundweg ab?
    Wer hat in seinem Programm, alle Juden töten zu wollen?
    Wer will „Palästina“ vom Jordan bis zum Mittelmeer?
    Wer schießt Tausende von Raketen auf die Zivilbevölkeruen in Israel?
    Wer hat in Hebron Terrorzellen?
    Wer hat in seiner religiösen Schrift die Judenfeindschaft verankert?
    Wer sagt, dass das Ende der Geschichte erst gekommen ist, wenn alle Juden getötet sind?

    Yvonne perle, Sonntag, 26.08.18, 12:00 Uhr

    Würden die jüdischen Bewohner nicht ständig tödlich von durchaus harmlos aussehenden Arabern attackiert, wären solche Maßnahmen nicht nötig. Die Lage der jüdischen Bewohner, die eingepfercht sind und ...

    Würden die jüdischen Bewohner nicht ständig tödlich von durchaus harmlos aussehenden Arabern attackiert, wären solche Maßnahmen nicht nötig. Die Lage der jüdischen Bewohner, die eingepfercht sind und sich nicht frei bewegen können, ist weitaus schlimmer und den isr. Staat kostet es ein Vermögen. Würden die Araber signalisieren, dass sie friedlich neben Juden leben wollen, wäre alles ganz anders.

      Knut, Dienstag, 28.08.18, 15:36 Uhr

      Ganz klar, Yvonne, diese bösen Araber ("Palästinenser" gab es ja nicht nur bei Golda Meir nicht...) hätten vor gut 50 Jahren schlicht nicht einfach dieses Land besetzen, zerteilen und mit Checkpoints ...

      Ganz klar, Yvonne, diese bösen Araber („Palästinenser“ gab es ja nicht nur bei Golda Meir nicht…) hätten vor gut 50 Jahren schlicht nicht einfach dieses Land besetzen, zerteilen und mit Checkpoints spicken dürfen, an denen eingepferchte jüdische Siedler Tag für Tag vollkommen überflüssige, ja kontraproduktive Schikanen und Demütigungen erleben müssen, die ihre Weiterreise (so überhaupt möglich) um Stunden verzögert… Und der pal. Staat gibt auch noch Abermilliarden aus, um diese ungerechte Besatzungsmacht mittels Armee, Polizei und Geheimdiensten aufrecht zu erhalten und seinen längerfristigen Anspruch auf das gesamte Land zwischen Mittelmeer und Jordan u.a. mit hunderten international als illegal geltenden Siedlungen zu zementieren, buchstäblich… Ja, den Menschen, die seit Generationen dort leben, eiskalt ins Gesicht zu schlagen und dann zu erwarten, dass sie dann auch noch die andere Wange hinhalten, hat schon was! Lesetipp: „Im Schatten des Feigenbaums“ von Sumaya Farhat-Naser

      Lotte, Donnerstag, 30.08.18, 10:30 Uhr

      Oh Knut, Schon mal auf einer Lesereise von Sumaya Farhat-Naser gewesen ? Ich schon, 2014, weil mich nach ihrem 1. Buch/1993 das zweite deutsche Buch und v.a. die Begegnung interessierte. Der ganze Abe ...

      Oh Knut,

      Schon mal auf einer Lesereise von Sumaya Farhat-Naser gewesen ?
      Ich schon, 2014, weil mich nach ihrem 1. Buch/1993 das zweite deutsche Buch und v.a. die Begegnung interessierte.
      Der ganze Abend wurde von einer „evang. Aktivistengruppe“ anti-israelisch ausgerichtet, von einer „kath. BDS Gruppe“ missbraucht (so, dass selbst dem Veranstalter es die Sprache verschlug).
      Sumaya Farhat-Naser konnte sich von Selbstmordattentätern nicht distanzieren. Auch auf Nachfrage nicht! Sie faselte etwas von „Eure Freiheitskämpfer … unsere Freiheitskämpfer …“ (was gar nicht die Frage war).

    sandra, Sonntag, 26.08.18, 9:13 Uhr

    Der wichtigste Satz steht verschraubt in der Mitte: die paar Juden, die da leben, dürfen nicht innerhalb der Gemeinschaft wohnen, sondern müssen segregiert werden, denn Palästinenser wollen eine Juden ...

    Der wichtigste Satz steht verschraubt in der Mitte: die paar Juden, die da leben, dürfen nicht innerhalb der Gemeinschaft wohnen, sondern müssen segregiert werden, denn Palästinenser wollen eine Judenreine Stadt, sie müssen beschützt werden, weil die Palästinenser immer gegen sie gewalttätig werden. In einer Stadt, die historisch jüdisch ist, und wo die Gräber der Partriarchen liegen. Aber erinnern wird man sich nach Lektüre dieses Artikels daran nicht, sondern nur daran, dass die Palästinenser schwierige Wege zurücklegen müssen. Einseitige Wortwahl perpetuiert den Konflikt, weil er den nach Apartheid strebenden Palästinensern das Gefühl gibt, Judenrein leben zu wollen, sei richtig.

      Knut, Dienstag, 28.08.18, 14:30 Uhr

      Welche eine ignorante Verdrehung von Ursachen u. Wirkung bzw. Folgen! Wer hat das Westjordanland besetzt und wer ist dort seit Jahrhunderten ansässig? Wer führt sich als perfider, schikane-versierter ...

      Welche eine ignorante Verdrehung von Ursachen u. Wirkung bzw. Folgen! Wer hat das Westjordanland besetzt und wer ist dort seit Jahrhunderten ansässig? Wer führt sich als perfider, schikane-versierter Besatzer auf und wer sind diejenigen, die in einer großen Anzahl dies wehrlos ertragen und in einer Minderheit gewalttätig werden? Wer lässt für ein paar hundert überwiegend radikale, d.h. rationalen, vernunftbezogenen, demokratischen Argumenten gegenüber stets unzugänglichen Siedlern ganze Stadtviertel (u. zwar auch zentrale) einer palästinensischen Großstadt abriegeln? Wer erschwert damit in erster Linie den seit Generationen ansässigen Bewohnern das Leben, um es Neubewohnern, die sich offensichtl. für was Besseres halten, unter dem Schutz der Armee zu ermöglichen, ihrem fanatischen und lebensfremden Auftreten, das selbst viele Israelis abstößt, zu frönen? Ist Avraham/Ibrahim der Urvater nur der Juden oder aller drei monotheistischen Religionen? Suchen Sie Verbindendes statt Trennendes!