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Feierstimmung am Fleamarket in Jaffa

Tourismus-Boom in Israel

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Von Mike Lingenfelser
Am 03.04.2021
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Eilat: Tourismus Hochburg in Israels äußerstem Süden

Das jüdische Pessach-Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Jetzt markieren die vielen Familienfeiern und der Boom des Inlandstourismus in Israel auch den Exit aus der Corona-Pandemie.

 

In einem Restaurant im überfüllten Mamila-Shopping-Center in Jerusalem feiert Leslie Berger seinen 79sten wie eine Wiedergeburt: „Jetzt kann ich hier mit meinen Kindern und Enkeln feiern. Wir sind wieder zurück im normalen Leben.“ Der pensioniert Arzt aus Modi’in macht mit seiner Familie einen Tagesausflug nach Jerusalem.

Hunderttausende sind während der  Pessach-Ferien unterwegs. Israels Autobahnen sind zeitweise dreimal so voll wie sonst, lautet die Schlagzeile in den Abendnachrichten. Der Binnentourismus boomt. Deutlich mehr Israelis als sonst machen über Pessach im eigenen Land Urlaub, wegen der internationalen Reisebeschränkungen. Und weil Israel den Lockdown weitgehend aufgehoben hat. Die Zahl der Corona-Infizierten ist deutlich gesunken. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bereits gegen das Coronavirus geimpft und darf dank „Grünem Impfpass“ wieder Restaurants und Hotels besuchen.

 

Moshe Ben Hayun managed zehn Hotels der Fattal-Gruppe am Roten Meer und freut sich bereits über 85 Prozent Auslastung, Tendenz steigend. Die besonders attraktiven Häuser sind ausgebucht. Die Zimmerpreise entsprechend hoch. Stolz präsentiert Ben Hayun die jüngste Neueröffnung nach fast einem Jahr Geschäftsflaute: Das Hotel mit einem Erlebnisbad und Rutschen am Stadtrand von Eilat ist sinnbildlich für Israels Rückkehr in die Normalität. Denn weder Hotels noch Schwimmbäder waren während der Pandemie geöffnet. Jetzt ist für Geimpfte beides wieder erlaubt. Tatsächlich tummeln sich besonders viele Gäste an den Swimmingpools, weil das Meer momentan noch recht kühl ist. Alternativ zum „Grünen Pass“ akzeptieren die Hotels auch einen negativen PCR-Test der letzten 72 Stunden sowie Corona-Schnelltests, die in Eilat angeboten werden.

Und nur ein paar Kilometer von Eilat entfernt ist auch die Grenze nach Ägypten zum Sinai für Israelis mit „Grünem Pass“ wieder passierbar. Vorerst dürfen zwar nur 300 Menschen am Tag in die beliebte Urlaubsregion ausreisen. Doch die Grenzöffnung markiert eine Wende nach einem Jahr Corona-Pandemie.

Tourismus-Boom vom äußersten Süden bis in den hohen Norden

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See Genezareth in Galiläa

So wie im äußersten Süden boomt der Binnentourismus auch im hohen Norden Israels. Rund um den biblischen See Genezareth in Galiläa haben sich derart viele Besucher eingefunden, dass zeitweise ein Zufahrtsstopp zu den Stränden verhängt werden musste. „Die Besucherzahlen sind rekordverdächtig“, sagt Idan Greenbaum von der Regionalverwaltung Emek Hayarden. „Sie liegen selbst höher als zu den Pessach-Ferien in der Zeit vor Corona.“
Viele kommen zum Campen am Ufer. Zur Zeit ist der See Genezareth besonders attraktiv. Nach Jahren der Dürre hält er dank regenreicher Winter so viel Wasser wie seit 16 Jahren nicht mehr. Die Kehrseite: Massive Staus. „Letztes Jahr steckten wir zuhause im Lockdown fest und dieses Jahr im Stau“, zitiert die Zeitung Maariv ein Pärchen aus Tel Aviv auf dem Weg zum See Genezareth. „Aber es lohnt sich, gerade in dieser Jahreszeit, wo die Natur so schon grün erscheint.“

Staus selbst auf Wanderpfaden

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„Letztes Jahr steckten wir zuhause im Lockdown fest und dieses Jahr im Stau“ – Schlagzeile der israelischen Zeitung Maariv | Wüstenschlucht En Bokek am Toten Meer

Es staut sich selbst auf den Wanderpfaden. In der malerischen Wasserschlucht En Bokek am Toten Meer stehen sich die vielen Ausflügler buchstäblich auf den Füßen. Statt der beliebten Erfrischung in den Gumpen stromaufwärts ist wegen des Andrangs nur noch ein Fußbad möglich. In anderen, kostenpflichtigen Naturschutzgebieten und Nationalparks gelten dagegen Obergrenzen. Gemäß der dort noch immer bestehenden Corona-Maßnahmen müssen sich Besucher dafür vorher online registrieren.

Israels Tourismusbranche atmet auf. Doch ganz „normal“ ist die Lage noch nicht. Das Personal trägt weiterhin Mund-Nasenschutz, es gelten weiterhin Abstandsregeln. Im Hotelgewerbe sind derzeit nur etwa halb so viele Menschen beschäftigt wie vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote insgesamt ist zwar wieder gesunken, liegt mit 14 Prozent aber noch immer auf sehr hohem Niveau. Viele Hotels haben noch gar nicht wieder geöffnet. Um sich von der Pandemie auch wirtschaftlich wirklich erholen zu können, braucht der Tourismus auch die internationalen Gäste. Die bleiben aus. Wer über keinen israelischen Pass verfügt, darf derzeit praktisch nicht einreisen. Und der „Grüne Impfpass“ als eine Art Einreisevisum für Ausländer hat international bislang keine Gültigkeit. Zwar gibt es dazu bereits Vereinbarungen,  etwa zwischen Israel und Griechenland, die Inhabern von „Grünen Pässen“ beider Länder quarantänefreie Einreisen ermöglichen sollen. Doch das Abkommen ist bis heute noch nicht in Kraft getreten. So muss sich Israel vorerst auf seine Selbstheilungskräfte konzentrieren. Das Comeback des Tourismus sorgt für viel Optimismus in der Bevölkerung: „Letztes Jahr fühlte sich die Pessach-Woche einsam und traurig an“, resümiert Tehila Bernet aus Bnei Brak. „Jetzt sind wir einfach nur froh, dass das Leben zurückkehrt.“

 

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