Mike Lingenfelser– Korrespondent Fernsehen

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Geboren 1974 in München. Studium der Journalistik mit Politikwissenschaften, Soziologie sowie Markt- und Werbepsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Freier Moderator und Reporter bei privaten Hörfunk- und Fernsehsendern und der Münchner Abendzeitung. 2003 Programmvolontariat beim Bayerischen Rundfunk. Danach zunächst Autor, dann Redakteur und Chef vom Dienst beim ARD-Politikmagazin Report München; dort auch zuständig für Redesigns. Seit 2008 diverse Einsätze als Moderator; regelmäßige Auslandseinsätze als Vertretungskorrespondent, vor allem in den ARD-Studios Italien / Vatikan / Griechenland. 2016 German-Israeli-Young Leaders-Exchange-Programm der Bertelsmann-Stiftung. Seit Februar 2017 Korrespondent im ARD-Fernsehstudio Tel Aviv.

Jalla!

Was mich an unserem Berichtsgebiet besonders fasziniert? Ein Wort bringt es auf den Punkt: Jalla! Frei übersetzt: Auf geht’s! Packen wir’s an. Juden und Araber sagen Jalla. Und drücken damit aus, wie direkt, wie schnell und pragmatisch die Leute hier oft sind. Kein Wunder, dass sich mit dieser Mentalität das heutige Israel zur „Start up-Nation“ voller Erfindergeist entwickelt hat. Als ich mit meiner Familie und fünf Koffern ankam, standen uns bildlich gesprochen erstmal alle Türen offen. Die Kinderfreundlichkeit von Israelis und Palästinensern ist überwältigend. Fast jeder will helfen, für jedes Problemchen scheint es eine betont unbürokratische Lösung zu geben.

Mitten rein in den Nahostkonflikt

Der unkomplizierte Alltag einerseits, die komplexe politische Lage in Nahost auf der anderen Seite – nur einer von vielen Gegensätzen, die diese vielschichtige Region für mich besonders spannend und auch herausfordernd machen. Bei meinem allerersten Beitrag als Vertretungskorrespondent ging es gleich mitten rein in den Nahostkonflikt: Ein schreckliches Messerattentat in Jaffa, unter den Opfern auch Touristen, einer stirbt an den Verletzungen. Und an meinem ersten offiziellen Arbeitstag als neuer Fernsehkorrespondent im ARD-Studio Tel Aviv: die Zwangsräumung des Siedleraußenpostens Amona im Westjordanland. Der Konflikt bestimmt natürlich oft die Nachrichtenlage.

Garten Eden für Reporter

Und doch gibt es von hier so viel mehr zu berichten. Historisch, kulturell, religiös, politisch: Die Themenpalette in Nahost ist ein „Garten Eden“ für Reporter – eigentlich für jeden, der die Welt entdecken und besser verstehen will. Und was ist Journalismus anderes als Entdecken, Verstehen, Erklären? Genau deshalb wollte ich schon immer Auslandskorrespondent werden. Israel und die Palästinensergebiete gehören für mich zu den derzeit interessantesten Berichtsgebieten überhaupt. Jalla!