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Tag der Extreme

Während in Jerusalem die US-Botschaft eröffnet wird, sterben bei den Protesten im Gazastreifen mehr als 50 Menschen

Die Palästinenser hatten bis zuletzt gegen den Botschaftsumzug protestiert, weil sie den Ostteil der Stadt für sich einfordern – Israel aber das ungeteilte Jerusalem als Hauptstadt beansprucht. Im Gazastreifen kam es am Tag des Umzugs zu den heftigsten Zusammenstößen seit Jahren.

Von Benjamin Hammer
Am 15.05.2018

Es ist ein Tag der Extreme im Nahen Osten: Im Gazastreifen an der Grenze zu Israel, kommt es an diesem 14. Mai  zu den heftigsten Konfrontationen zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahren, über 50 Palästinenser sterben. Doch nur 70 Kilometer davon entfernt, im Westteil Jerusalems, wird  an diesem Tag die US-Botschaft eröffnet. Die Stimmung ist festlich, die Gesichter strahlen, und Ivanka Trump, die Tochter des US-Präsidenten, sagt bei der Enthüllung der Plakette der neuen Botschaft:

In Namen des 45. Präsidenten der USA heißen wir Sie ganz offiziell und zum ersten Mal Willkommen. In der Botschaft der Vereinigten Staaten in Jerusalem, der Hauptstadt von Israel.

— Ivanka Trump, Präsidententochter und Beraterin

Mit dem Umzug der Botschaft haben die USA Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt. Es ist ein historischer Vorgang. Die Palästinenser hatten bis zuletzt gegen diesen Schritt protestiert, weil sie den Ostteil der Stadt für sich einfordern. Israel beansprucht jedoch die ganze Stadt. Premierminister Benjamin Netanjahu dankte dem Mann, der in den USA geblieben war: „Dankeschön, Präsident Trump, dass Sie den Mut hatten, ihr Versprechen auch einzuhalten.“ Auch den Gästen der feierlichen Eröffnung waren die Nachrichten aus dem Gazastreifen nicht verborgen geblieben. Aus Sicht der israelischen Regierung gibt es jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen der Eröffnung der Botschaft und den Zusammenstößen im Gazastreifen. Die Proteste seien schlicht eine Provokation des Terrors, hatte die Vize-Außenministerin gesagt.

Unsere tapferen Soldaten beschützen gerade unsere Grenze. Wir salutieren ihnen.

— Premier Benjamin Netanjahu

Die israelischen Soldaten hatten erneut auch scharfe Munition eingesetzt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte das Vorgehen der Armee. Israel habe eine lange Geschichte von übermäßiger Gewalt gegenüber palästinensischen Demonstranten, sagte eine Vertreterin der Organisation in Jerusalem. Aber was man nun gesehen habe, sei extrem erschreckend und unverhältnismäßig. Die israelische Armee spricht hingegen von beispielloser Gewalt von Palästinensern, die Soldaten mit Brandbomben und Sprengsätzen beworfen hätten. Ein hochrangiger Vertreter der Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, machte deutlich, dass die islamistische Organisation nun auf Rache sinnt.

Die ganze Welt soll das hören: Unsere Widerstandsgruppen werden nicht geduldig dabei zuschauen, wie diese zionistischen Unterdrücker unsere Menschen umbringen. Unser Feind und jene, die ihn unterstützen, sollten unsere Geduld nicht weiter testen.

— Vertreter der Hamas in Gaza

Gestern Abend hatte die Hamas die Demonstranten aufgerufen, sich von der Grenze zurückzuziehen. Trotz der markigen Worte des Hamas-Vertreters könnte man dies als Zeichen der Deeskalation deuten. Viel hängt nun davon ab, ob die Hamas ihre Anhänger dazu aufruft, auch am heute an den Grenzzaun zu ziehen. Am Nakba-Tag gedenken die Palästinenser Flucht und Vertreibung im Jahr von Israels Staatsgründung vor 70 Jahren. Diesmal könnte es auch im Westjordanland und in Ostjerusalem zu heftigen Ausschreitungen kommen.

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8 thoughts on “Tag der Extreme”

    gunther, Mittwoch, 16.05.18, 12:37 Uhr

    Per Videobotschaft im Internet hatte die Hamas dieser Tage angekündigt, die Gaza-Grenze durchbrechen und die Bewohner der grenznahen israelischen Siedlungen ermorden zu wollen. Es ist deutlich zu erke ...

    Per Videobotschaft im Internet hatte die Hamas dieser Tage angekündigt, die Gaza-Grenze durchbrechen und die Bewohner der grenznahen israelischen Siedlungen ermorden zu wollen.
    Es ist deutlich zu erkennen, dass es bei den Gaza-Demonstrationen um Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte geht. Und die Proteste sind absolut friedlich.

    Gerd, Dienstag, 15.05.18, 13:34 Uhr

    "über 50 Palästinenser sterben" Sollen nach Angaben der Hamas gestorben sein. Drei wurden erschossen, als sie eine Bombe legten, in drei weiteren Fällen wurden die Israelis mit scharfer Munition besch ...

    „über 50 Palästinenser sterben“

    Sollen nach Angaben der Hamas gestorben sein. Drei wurden erschossen, als sie eine Bombe legten, in drei weiteren Fällen wurden die Israelis mit scharfer Munition beschossen und haben das Feuer erwiedert. Und es gab Luftangriffe auf Stellungen der Hamas innerhalb von Gaza, bei denen weitere Terroristen getötet wurden. Darüber wird in den lokalen Medien umfassend berichtet.

    Es ist nicht so als würde hier auf Demonstranten geschossen.

      Michael K., Mittwoch, 16.05.18, 12:06 Uhr

      Gerd, an sich sollte man keine Zeit auf so einen einfältigen Kommentar verschwenden. Das Problem ist, das der Wahrheit kaum noch Platz gelassen wird zu verstehen und Schlüsse zu ziehen, die auch auf L ...

      Gerd, an sich sollte man keine Zeit auf so einen einfältigen Kommentar verschwenden. Das Problem ist, das der Wahrheit kaum noch Platz gelassen wird zu verstehen und Schlüsse zu ziehen, die auch auf Lösungen deuten würden.

      Es zeugt von Abgestumpftheit über hundert Tote mit Gleichgúltigkeit hinweggehen zu wollen und den Eindruck entstehen zu lassen, als handelt es sich um einen Kampf gegen Terroristen, aber nicht um einen vom Volk getragenen Protest gegen Unterdrückung und Ruf als freie Menschen leben zu dürfen.

      gunther, Dienstag, 22.05.18, 15:10 Uhr

      Herr K., von den Fakten haben Sie nun wirklich gar keine Ahnung. Ursprünglich war der Protest gegen die Situation in Gaza gericht, gegen Israel und gegen Hamas. Die Hamas hat ihn instrumentalisiert un ...

      Herr K.,

      von den Fakten haben Sie nun wirklich gar keine Ahnung. Ursprünglich war der Protest gegen die Situation in Gaza gericht, gegen Israel und gegen Hamas.
      Die Hamas hat ihn instrumentalisiert und für sich vereinnahmt, um von der eigenen Mistpolitik abzulenken.
      Die Hamas zahlt Demonstranten Tagegelder, unterstützt vom Iran.
      Die Hamas beordert die Demontranten an die Grenze, befiehlt Frauen und Kinder nach vorn.
      Sie Hamas ornanisiert den Bustransport an die Grenze.

      Das alles ist friedlicher, vom Volk ausgehender Protest.
      So viel Blödsinn kann man nicht erzählen.

    Lotte, Dienstag, 15.05.18, 11:23 Uhr

    Und wieder sah man gestern auf den vielen Bildern Kinder ... dabei. Eine Frage an das ARD Team: Wie kommen Sie, die Presse, an die Bilder von palästinensischer Seite insbesondere aus Gaza ? Wer macht ...

    Und wieder sah man gestern auf den vielen Bildern Kinder … dabei.

    Eine Frage an das ARD Team:
    Wie kommen Sie, die Presse, an die Bilder von palästinensischer Seite insbesondere aus Gaza ?
    Wer macht sie ?
    Gibt es dabei Zensur, von wem ?

      Michael K., Dienstag, 15.05.18, 13:20 Uhr

      Lotte. du hast selbstverständlich recht. Man hätte nur die schönen Bilder von der arroganten Klique zeigen sollen. die sich bei der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem versammelt. Waru ...

      Lotte. du hast selbstverständlich recht. Man hätte nur die schönen Bilder von der arroganten Klique zeigen sollen. die sich bei der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem versammelt. Warum sollte man sich auch nur einen Moment um ein heruntergekommenes Getto-Volk kümmern, das weder die Ressourcen noch die Macht und Kraft hat sich gegen ihre Unterdrückung zu wehren. Was sind das für Menschen, die in ihren blauen Anzügen und ausgesuchten Kleidern das von der Besatzungsmacht geschaffene Elend nicht sehen wollen. Ist es das was Judentum und Christentum ausmacht? Es ist einfach erbärmlich!

    gunther, Dienstag, 15.05.18, 7:49 Uhr

    Die Hamas braucht dringend Tote. Nur so kann sie noch auf sich aufmerksam machen. Die Zerstörung der Grenzübergänge durch die Gaza-Araber selbst liefert dann den Beweis, dass man eingesperrt sei. Frie ...

    Die Hamas braucht dringend Tote. Nur so kann sie noch auf sich aufmerksam machen.
    Die Zerstörung der Grenzübergänge durch die Gaza-Araber selbst liefert dann den Beweis, dass man eingesperrt sei.
    Friedliche Proteste? Mit Molotowcocktails, Brandbomben, Bomben, Waffen in der Hand. Hakenkreuzfahnen!
    Die Protestierenden erhalten Tagegeld für ihre Teilnahme. Wovon wird dieses bezahlt?
    Das Versagen der Hamas in der Herrschaft in Gaza, ihre Unfähigkeit und ihr Unwille, für die Bevölkerung zu sorgen, verlangen nach der Provokation und der kriegerischen Auseinandersetzung. Das wahre Gefängnis in Gaza hat die Hamas errichtet. Unterdrückung und Missbrauch der Bevölkerung zur Stabilisierung der eigenen Herrschaft und der Bereicherung der Funktionäre werden deutlich in der massiven Einschränkung grundlegender Menschenrechte.
    Hilfslieferungen werden nicht genutzt, um Aufbau zu leisten, sondern in die Terrorinfrastruktur zu investieren.

      Lotte, Dienstag, 15.05.18, 11:44 Uhr

      " Hakenkreuzfahnen ... " Gestern sah man auf einigen Photos auch eine Gruppe von ca. 5 oder 6 Personen in "gestreifter (bewusst KZ-assoziierender) Kleidung". Es ist mal wieder auch ein Krieg der Bilde ...

      “ Hakenkreuzfahnen … “
      Gestern sah man auf einigen Photos auch eine Gruppe von ca. 5 oder 6 Personen in „gestreifter (bewusst KZ-assoziierender) Kleidung“.
      Es ist mal wieder auch ein Krieg der Bilder – rund um den Globus..
      Den Preis, den Preis von Blut und Tod, zahlen mal wieder MENSCHEN. Nicht die Hamas Funktionäre, auch nicht die Fatah Funktionäre – im eigenen Wohlergehen, in ihren Villen, oft im Ausland.