Eskalation an der Nordgrenze

Die Konfrontation zwischen Israel und dem Iran an der syrisch-israelischen Grenze verschärft sich

Israel reagierte am Samstag mit dem größten Luftangriff auf Syrien seit über einem Jahrzehnt und betonte sein Recht auf Selbstverteidigung. Doch weder Syrien noch Israel haben derzeit Interesse an einem Krieg. Die Ereignisse haben allerdings gezeigt, wie schnell die Lage eskalieren kann. Ein Beitrag von BR-Reporterin Eva Lell.

Von Studio Tel Aviv
Am 12.02.2018

Beitrag: Mike Lingenfelser

Die israelische Armee beobachtet weiter die Vorgänge in Syrien, mit Schwerpunkt auf den Aktivitäten der Iraner – so beschreibt Jonathan Conricus, Sprecher der israelischen Armee die Situation nach der Eskalation zwischen Israel, Syrien und dem Iran. Am Samstag hatte ein Kampfhubschrauber der israelischen Armee eine Drohne abgeschossen, die nach israelischen Angaben aus iranischer Produktion stammt und von Syrien aus gesteuert wurde. Die israelische Luftwaffe zerstörte daraufhin die Basis, von der aus die Drohne gesteuert wurde. Die syrische Flugabwehr schoss einen F-16 Kampfjet ab, die Piloten wurden in Israel gerettet. Als Reaktion flog Israel weitere Angriffe auf Syrien.

Ich nehme an, dass der Iran die Botschaft Israels verstanden hat. Wir werden solche Angriffe nicht tolerieren. Ich hoffe, dass sie künftig solche Attacken auf Israel unterlassen werden.

— Jonathan Conricus, Armeesprecher

Zwölf Ziele habe Israel angegriffen, berichtet Conricus, acht Stellungen der syrischen Luftabwehr und vier iranische Ziele, die in Syrien von den iranischen Revolutionsgarden betrieben werden. Es war der größte Luftangriff der Israelis auf Syrien seit über einem Jahrzehnt. Israels Premier Benjamin Netanjahu sieht sich durch die Eskalation in seiner Haltung bestätigt. Seit Monaten warnt der israelische Regierungschef vor dem wachsenden militärischen Einfluss Irans in Syrien. Dass die syrische Flugabwehr einen israelischen Kampfjet abschießt – in Israel wird das als dramatisches Ereignis gewertet. Ein Kommentator der linksliberalen Zeitung Haaretz schreibt, die militärische Arroganz Israels sei zwar nicht gebrochen, habe aber einen Knacks bekommen. Israels Premier Netanjahu betonte das Recht Israels auf Souveränität und Selbstverteidigung.

Wir werden weiter zurückschlagen bei jedem Versuch, uns zu schaden. Ich bin stolz auf die Bürger in Israel. Wir haben am Samstag gezeigt, dass wir, wenn wir herausgefordert werden, zusammenhalten und zurückschlagen, um uns zu schützen.

— Premierminister Benjamin Netanjahu

Noch am Samstag hatte Netanjahu mit US-Außenminister Tillerson und  Russlands Präsident Putin telefoniert. Die USA, der Verbündete Israels, betonten das Recht auf Selbstverteidigung des jüdischen Staates, vonseiten Russlands, das mit Syrien verbündet ist, hieß es, die Souveränität Syriens sei zu respektieren. Seit das Assadregime in Syrien mit der Unterstützung Russlands wieder die Oberhand im Bürgerkrieg gewonnen hat, hat sich die strategische Lage im Nahen Osten verändert, zu Ungunsten Israels. Syrien, die schiitische Miliz Hisbollah und der Iran sind Verbündete. Ihr gemeinsames Ziel: den Einfluss der USA in der Region zu schwächen und Israel zu treffen.

Wenn wir unsere militärische Situation analysieren, bleibt die Hisbollah die größte Gefahr entlang unserer Grenzen. Die Hisbollah hat militärische Fähigkeiten, um die viele europäische Armeen sie nur beneiden können, in Bezug auf ihre Raketen und ihre modernes Waffenarsenal.

— Jonathan Conricus, Armeesprecher

Nach der Meinung von Analysten kommt in diesem Konflikt Russland die entscheidende Vermittlerrolle zu: Russland unterstützt das Assad-Regime, ist aber auch in Gesprächen mit Israel. Erst Ende Januar war Netanjahu zu Besuch bei Putin in Moskau. Weder Syrien noch Israel haben derzeit Interesse an einem Krieg. Die Ereignisse am Samstag haben allerdings gezeigt, wie schnell die Lage eskalieren kann. Doch die Menschen in Israel sind daran gewöhnt, dass es mit den Nachbarn im Norden immer wieder zu Spannungen und militärischen Auseinandersetzungen kommt.

Wir sind an all das gewöhnt. Es gibt Spannungen, vielleicht eine gewisse Sorge, was passieren wird. Aber alles in allem ist es ein Vorfall, der abgeschlossen ist und wir hoffen, dass wieder Ruhe einkehrt.

— Reuven Weinberg, Hotelbesitzer in Metula an der libanesischen Grenze

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10 thoughts on “Eskalation an der Nordgrenze”

    gunther, Dienstag, 13.02.18, 7:45 Uhr

    In Syrien kämpft unter anderem die Hisbollah, diese wiederum wird vom Iran finanziert und mit Waffen beliefert. Im Libanon baut der Iran eine Waffenfabrik. 100.000 Hisbollah-Raketen sind im Libanon au ...

    In Syrien kämpft unter anderem die Hisbollah, diese wiederum wird vom Iran finanziert und mit Waffen beliefert. Im Libanon baut der Iran eine Waffenfabrik. 100.000 Hisbollah-Raketen sind im Libanon auf Israel gerichtet.
    Die iranische Expansion in Syrien und Irak verläuft unter dem Schutz Russlands.
    Iran und Hisbollah haben ein gemeinsames erklärtes Ziel: die Vernichtung Israels.
    Es gibt regelmäßige Konsultationen zwischen Hisbollah und Iran.
    Hinter der Eskalation steht vor allem der Iran.

      Marco, Donnerstag, 15.02.18, 8:52 Uhr

      Israel richtet genauso hunderttausende Raketen auf die umliegenden Staaten, sogar Atomwaffen. Israel dringt andauernd in den libanesischen und syrischen Luftraum ein. Der Mossad ermordet Zivilisten im ...

      Israel richtet genauso hunderttausende Raketen auf die umliegenden Staaten, sogar Atomwaffen. Israel dringt andauernd in den libanesischen und syrischen Luftraum ein. Der Mossad ermordet Zivilisten im Iran. Mit Viren wie Struxnet greift Israel den Iran an. Israel vertreibt und bestiehlt die Palästinenser. Es wendet Sippenhaft und Kollektivstrafen gegen unschuldige Zivilisten an.
      Israels Menschen- und Völkerrechtsverbrechen finden unter dem Schutz der USA statt.

      Knut, Freitag, 16.02.18, 3:13 Uhr

      @ Marco Schon klar, auch Israel ist bis auf die Zähne bewaffnet. Wie kein anderes Land in der Region allemal. Verständlich? Israel ist von einer kollektiven Angst getrieben. Nämlich der Angst, für imm ...

      @ Marco Schon klar, auch Israel ist bis auf die Zähne bewaffnet. Wie kein anderes Land in der Region allemal. Verständlich? Israel ist von einer kollektiven Angst getrieben. Nämlich der Angst, für immer und ewig ins Meer getrieben zu werden. Das ist – zumindest offiziell – Programm in einigen (zum Glück immer wenigeren) arabischen Regierungen und wohl auch im Iran. Nicht seitens der iranischen Bevölkerung (welche übrigens seit ü. 250 Jahren keinen Angriffskrieg mehr bezeugen kann), aber durchaus seitens des Regimes in Teheran (nicht durch Rohani, sondern den buchstäblich alten Gottes-Kriegern). Auch in diesem Falle wünscht man sich im Nahen und Mittleren Osten, dass ein paar Signale seitens einer Bevölkerung, die definitiv wenig Auswahl hat, nicht überhört werden und (unter Zuhilfenahme der sog. sozialen Netzwerke) ein zumindest informeller Dialog mit gemäßigten Kräften begonnen wird. So wie dies etwa mit den extremistischen Saudis bereits möglich geworden ist. Bitte Druck rausnehmen!

      Marco, Samstag, 17.02.18, 12:43 Uhr

      Ich wollte doch nur aufzeigen wie lächerlich Israels Propaganda ist. Einerseits ist man einer der grössten Aggresoren der Region (Ermordung iranischer Zivilisten, Unterdrückung der Palästinenser, Angr ...

      Ich wollte doch nur aufzeigen wie lächerlich Israels Propaganda ist. Einerseits ist man einer der grössten Aggresoren der Region (Ermordung iranischer Zivilisten, Unterdrückung der Palästinenser, Angriffe auf Syrien , Libanon, Ägypten, Angriffe durch Computerviren usw. aber man sieht sich nur als Opfer, obwohl man immer wieder selber angreift und viel agressiver ist als die umliehenden Länder. Die umliegenden Länder, die andauernd von Israel angegriffen werden haben gut Grund sich zu wünsvhen der Staat Israel würde verschwinden und mit ihm der andauernde zionistische Terrorismus und die Grossmachtfantasien der Zionisten. Israel ist hier kein Opfer sonder selber aktiver Täter. Wer wie Israel Zivilisten in anderen Ländern ermordet und unschuldige unterdrückt und quält, sollte sich mit Anklagen anderer zurückhalten und sich erstmal selber friedlich verhalten!

    Markus Becker, Montag, 12.02.18, 17:44 Uhr

    Typisch, der Vorfall, der alles ausgelöst hat wird mit der Wortwahl "nach israelischen Angaben" in Zweifel gezogen und überhaupt erst nach der israelischen Reaktion erwähnt. Das verdreht Ursache und W ...

    Typisch, der Vorfall, der alles ausgelöst hat wird mit der Wortwahl „nach israelischen Angaben“ in Zweifel gezogen und überhaupt erst nach der israelischen Reaktion erwähnt. Das verdreht Ursache und Wirkung in der Wahrnehmung der Leser.

      Knut, Donnerstag, 15.02.18, 9:59 Uhr

      Auch hier zeigt sich, dass es sich sehr lohnt, den gesamten Textzusammenhang zu erfassen. Nur das ist journalistisch sauber und kommt der Wahrheit nahe: In obigem Text ist von Drohnen die Rede, welche ...

      Auch hier zeigt sich, dass es sich sehr lohnt, den gesamten Textzusammenhang zu erfassen. Nur das ist journalistisch sauber und kommt der Wahrheit nahe: In obigem Text ist von Drohnen die Rede, welche nach israelischen Angaben aus iranischer Produktion stammen sollen. Das ist korrekt, zumal zum Zeitpunkt der Berichterstattung. Alles andere wären seinerzeit bloße Mutmaßungen gewesen, da sich dies nicht unabhängig überprüfen ließ. Genauso wenig übrigens wie die „mutmaßliche“ Herkunft anderer Waffen, die aus dem Iran nach Syrien geliefert worden sein sollen. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit dafür durchaus gegeben ist, stützen sich Berichte darüber ausschließlich auf Militär- bzw. Geheimdienstinformationen, die sich nicht gegenprüfen lassen – im Kriegsland Syrien schon gar nicht! Daher muss man mit solchen Informationen immer sehr vorsichtig umgehen, und zwar überall auf der Welt (hat mit Israel alleine nix zu tun). Übrigens: Putin soll Netanyahu von weiteren Angriffen abgehalten haben.

      Marco, Freitag, 16.02.18, 10:45 Uhr

      Israelische Angaben waren schon in sehr vielen Fällen Lügen. Da muss man sehr vorsichtig sein. Israel hat z.B. ewig geleugnet weissen Phosphor in Gaza gegen Zivilisten einzuseten, bis die Beweise erdr ...

      Israelische Angaben waren schon in sehr vielen Fällen Lügen. Da muss man sehr vorsichtig sein. Israel hat z.B. ewig geleugnet weissen Phosphor in Gaza gegen Zivilisten einzuseten, bis die Beweise erdrückend wurden. Oder die false flag Angriffe auf englische Zivilisten in Ägypten (Lavon Affaire). Sorry, aber wer einmal lügt dem glaubt man nicht …

    Knut, Montag, 12.02.18, 13:10 Uhr

    Einmal mehr wird deutlich, wo die eigentlichen offenen Flanken des kleinen Landes liegen. Neben der seit Jahrzehnten ungelösten Frage um eine Teilung mit den Palästinensern bleibt es vor allem an den ...

    Einmal mehr wird deutlich, wo die eigentlichen offenen Flanken des kleinen Landes liegen. Neben der seit Jahrzehnten ungelösten Frage um eine Teilung mit den Palästinensern bleibt es vor allem an den Nordgrenzen prekär und allenfalls bei einem oberflächlichen Blick ruhig bzw. „business as usual“. Wenn man etwa vom Aussichtspunkt an der Ma’ale Dado-Str. (Metula) ins direkt angrenzende Bekaa-Tal im Libanon blickt, ist nicht zu erkennen, dass sich eine bis auf die Zähne bewaffnete Hezbollah hinter jedem Busch und mindestens in jedem fünften Haus verbergen soll. Ich fürchte, dass es in den nächsten Wochen und Monaten auch an der libanesischen Grenze sehr unruhig werden könnte. Laut IDF-Sprecher sollen inzwischen alle „Radare“ und Alarmstufen auf höchste Empfindlichkeit gestellt worden sein. Umso erstaunlicher erscheint einem die -rein äußerliche- Gelassenheit der örtlichen Bewohner. Zwei Jugendliche, die ich 2017 vor Ort 100 m vor der Grenzlinie befragte, schienen keinerlei Angst zu haben.

    ariel, Montag, 12.02.18, 10:24 Uhr

    schaut euch die karte an um zu verstehen, wo das flugzeug abgeschossen wurde. es geschah mehr als 60km im israelischen territorium. die syrer schossen um die 20 luftabwehrraketen, welche in israel lan ...

    schaut euch die karte an um zu verstehen, wo das flugzeug abgeschossen wurde. es geschah mehr als 60km im israelischen territorium. die syrer schossen um die 20 luftabwehrraketen, welche in israel landeten. das erklaert wahrscheinlich wieso es ueberhaupt moeglich gewesen ist, das flugzeug abzuschiessen. die piloten fuehlten sich in sicherheit.

    in vielen dt. medien ging die kette der ereignisse unter. eine iranische drohne ueberquerte die israelische grenze woraufhin sie abgeschossen wurde. kurz danach zerstoerten israelische flugzeuge den stuetzpunkt von wo aus diese drohne startete und kontrolliert wurde. erst auf dem rueckflug innerhalb israels schossen die syrer die f16 ab. daraufhin zerstoerte israel bei einem gegenangriff dutzende luftabwehrstellungen. wie es aussieht haben syrer und iraner sehr schwere verluste erlitten.

    ich frage mich wieso syrien dieses sehr gefaehrliches spiel spielt. haben sie nicht schon genug probleme? israel wird weiterhin tier in syrien operieren.

      Lotte, Montag, 12.02.18, 12:10 Uhr

      "In vielen dt. medien ging die kette der ereignisse unter" Ja, so war's. Bilder und Ereignisse waren gestern nicht zu durchblicken bzw. zu korrelieren; Fragen über Fragen, v.a. wenn man die Region ken ...

      „In vielen dt. medien ging die kette der ereignisse unter“
      Ja, so war’s. Bilder und Ereignisse waren gestern nicht zu durchblicken bzw. zu korrelieren; Fragen über Fragen, v.a. wenn man die Region kennt.
      Danke, Toda Raba, Ariel.