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Stille Nacht

An Heiligabend bleibt es in Bethlehem ruhig, Hotels sind ausgebucht – doch einige Händler beklagen weniger Touristen

Die Politik ist an jenem Ort, wo nach christlicher Überlieferung Jesus geboren sein soll, nicht wegzudenken. Der Erzbischof predigt Frieden und tatsächlich ist von Ausschreitungen an diesem Abend nichts zu sehen. Die Pilger drängen sich in die Kirche – und dennoch sind die Auswirkungen der Krawalle der vergangenen Woche spürbar.

Von Benjamin Hammer
Am 25.12.2017
Tagesschau 20:00 24.12.2017

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Tagesschau 20:00 24.12.2017

Beitrag: Susanne Glass | Kamera:  Alex Goldgraber  Tariq Kayal | Ton: Muafaq Kayal | Schnitt: Amir Tal

Hunderte Gläubige aus aller Welt drängen sich an diesem Abend in der Katharinenkirche in Bethlehem. Der Erzbischof von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, predigt, er sagt, dass er nicht lange über Politik reden wolle. Doch der oberste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land hält sich nicht an sein Vorhaben. Seitdem der US-Präsident Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt hat, kommt es in der Region zu schweren Unruhen. Kurz vor Heiligabend hatten sowohl Vertreter der Israelis, als auch die Palästinenser erneut betont, dass sie die Stadt für sich beanspruchen. Der Erzbischof erinnerte an die Haltung des Vatikan: Demnach sollen beide Seiten eine Einigung in Verhandlungen erzielen. Einseitige Festlegungen dürfe es bis dahin nicht geben.

Jerusalem ist eine Stadt des Friedens. Es gibt keinen Frieden, wenn jemand ausgeschlossen wird. Jerusalem ist unsere Mutter. Sie liebt alle ihre Kinder. Wenn ein Kind fehlt, dann kann die Mutter nicht in Frieden leben.

— Pierbattista Pizzaballa, Erzbischof von Jerusalem

Pizzaballa wendet sich auch an die internationale Gemeinschaft. Der Bischof forderte neue Visionen für eine Einigung zwischen Israelis und Palästinensern. Dies verlange von allen Seiten Mut. Der Palästinenser Bassem Giacaman glaubt nicht mehr, dass es zum Frieden kommt. Der Mut, von dem der Bischof spricht, hat ihn verlassen. Seit 1925 betreibt Giacamans Familie in der Altstadt von Bethlehem eine Fabrik für Olivenholzschnitzereien. Bis kurz vor Heiligabend hatte das Geschäft der Familie geöffnet. Doch es kamen kaum Touristen. Wegen der Ausschreitungen haben viele Länder ihren Staatsbürgern geraten, die palästinensischen Gebiete zu meiden.

Es ist schrecklich. Hier liegt sehr viel Olivenholz. Aber ich habe gar keine Abnehmer dafür. Wir arbeiten nur, weil es irgendwie weitergehen muss. Wenn es Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern gibt, dann sagen alle ihre Reisen ab.

— Bassem Giacaman, Olivenholzschnitzer
Bassem Giacaman ist einer der Händler, die nach den Ausschreitungen der vergangenen Wochen klagen: Die Touristen blieben aus. Seine Familie betreibt seit 1925 eine Olivenholzschnitzerei in Bethlehem. Foto: BR | Benjamin Hammer

Die Hotelbetreiber in Bethlehem widersprechen dem Olivenholzschnitzer. Viele Hotels sind voller Pilgergruppen und ausgebucht. Doch Händler wie Giacaman profitieren vor allem von Tagestouristen, die aus Jerusalem anreisen. Von denen, sagt der katholische Palästinenser, kämen nur noch wenige, aus Angst vor der Gewalt der vergangenen Wochen.

Das ist in diesem Jahr kein friedliches Weihnachtsfest. Wir feiern nicht richtig. Wenn es Ausschreitungen gibt, dann fühlt sich das einfach nicht wie Weihnachten an.

— Bassem Giacaman, Olivenholzschnitzer

In seiner Weihnachtspredigt wandte sich der Erzbischof von Jerusalem an die Christen in der Region und damit auch an den Olivenholzschnitzer Giacaman. „Kirche des Heiligen Landes, fürchte Dich nicht. Es gibt viele Probleme. Aber Jesus wird auch in diesem Jahr geboren. Wenn Jesus das Leben hat, dann haben wir das Leben. Lasst uns nicht traurig sein. Die Freude des Herrn ist unsere Stärke.“ Nach der Messe legte der Erzbischof eine Figur des Jesuskindes in die Geburtsgrotte von Bethlehem. Jesus Christus sei der Friedensfürst. An Heiligabend halten sich alle Bewohner von Bethlehem an die Botschaft des Bischofs. Es bleibt friedlich.

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