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Stand der Dinge

Im World-Vision-Prozess sind mittlerweile Beobachter zugelassen – belastende Beweise haben sie bislang nicht gehört

Der ehemalige World-Vision Mitarbeiter Mohammed el Halabi soll rund 50 Millionen Dollar an Hilfsgeldern an die Hamas umgeleitet haben. Sein Fall wird derzeit in Beerscheva vor Gericht verhandelt, bislang ohne substanzielle Beweisaufnahme. Doch bereits jetzt macht der Richter klar, dass ein Freispruch nicht sehr wahrscheinlich ist.

Von Peter Kapern
Am 29.03.2017

Es gibt Momente von entwaffnender Offenheit in diesem Prozess. Zum Beispiel diesen, als sich der Richter an den Angeklagten Mohammed el Halabi wendet und sagt: „Sie wissen schon, dass die Chance, bei diesen Anklagepunkten freigesprochen zu werden, nahe null Prozent liegt?“ Der Prozess steht noch ganz am Anfang. Bislang hat es noch keine substanzielle Beweisaufnahme oder Zeugenanhörung gegeben. Und trotzdem weiß der Richter offenbar schon, wie das Urteil ausfällt. Seine klare Ansage hat einen Grund: Er drängt Mohammed el Halabi, den Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Vision im Gazastreifen, zu einem Deal. Den will Halabi aber nicht, weil er auf seiner Unschuld beharrt:

Er ist sehr stark gegen einen Deal. Und nun müssen wir sehen, was wir für ihn raushandeln können, und ob wir ihn überzeugen können, wenn das denn nötig sein sollte.

— Lea Tsemel, Anwältin

Begonnen hat der Fall el Halabi mit seiner Verhaftung im Juni 2016. Die Vorwürfe sind monströs. Rund 50 Millionen US-Dollar an Hilfsgeldern soll er aus den Kassen von World Vision in die der Hamas umgeleitet haben. Kurzum: Unterstützung des Terrorismus. Der Fall sorgt weltweit für Schlagzeilen. Selbst Ministerpräsident Netanjahu stellt sich vor die Kameras und empört sich über die Ruchlosigkeit der Hamas. Vertreter von Hilfsorganisationen vermuten, dass es Israel vor allem darum geht, die Arbeit der Helfer im Gazastreifen zu diskreditieren.

zweifelhaftes Geständnis

Kaum wahrgenommen wird, dass World Vision sagt, die Organisation habe nicht einmal halb so viel Geld im Gazastreifen ausgegeben, wie ihr Mitarbeiter angeblich unterschlagen haben soll. Und auch nicht, dass sich die Anklage überwiegend auf ein zweifelhaftes Geständnis stützt, dass Mohammed el Halabi in der Haft unter Zwang vor israelischen Kollaborateuren abgelegt hat. Einen großen Teil der Akten konnte die Verteidigung bisher nicht einsehen: Der israelische Inlandsgeheimdienst hat sie für geheim erklärt, er will seine Kollaborateure und Quellen nicht enttarnen. Ein ganz normales Vorgehen der israelischen Behörden, immer dann, wenn es gegen Palästinenser und vermutete Terroristen geht, sagt Lea Tsemel.

Deswegen enden ja solche Fälle normalerweise mit einem Deal. Nur ganz selten wird so ein Fall tatsächlich bis zum Ende vor Gericht verhandelt.

— Lea Tsemel, Anwältin
Bei einer Solidaritätskundgebung für den verhafteten el Halabi sind diese Woche viele Menschen in Gaza auf die Straßen gegangen. Foto: dpa | picture alliance

Zunächst sollte der gesamte Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Das sorgte für massive Proteste auch internationaler Bürgerrechtsorganisationen. Nun sind Beobachter zumindest bis auf Weiteres zugelassen. In den Zuschauerreihen sitzt regelmäßig auch Cornelia Lenneberg, die Nahost-Chefin von World Vision, einer der größten Hilfsorganisationen der Welt:

Bisher haben wir hier im Gerichtssaal nichts gehört, was die Vorwürfe untermauern würde, die unserem Mitarbeiter Mohammed el Halabi gemacht werden.

— Cornelia Lenneberg, Nahost-Chefin von World Vision

Die Hilfsorganisation hat eines der weltgrößten Wirtschaftsberatungsunternehmen mit einer forensischen Prüfung beauftragt. Alle Aktivitäten von World Vision im Gazastreifen werden rückwirkend geprüft, um festzustellen, ob Geld abgezweigt worden ist. Monatlich legen die Wirtschaftsprüfer einen Zwischenbericht vor. Bislang, so Cornelia Lenneberg, haben sie nichts gefunden. Der Abschlussbericht soll im Juni fertig sein.

Kommentare

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7 thoughts on “Stand der Dinge”

    gunther, Montag, 10.04.17, 1:31 Uhr

    Hallo Daniela, Sie sind zutiefst überzeugend und belegen alle Ihre Vorwürfe wie ein Troll, der sich um die Menschenrechte kümmert, die aber nur auf einer Seite gelten. Bravo.

    Hallo Daniela,
    Sie sind zutiefst überzeugend und belegen alle Ihre Vorwürfe wie ein Troll, der sich um die Menschenrechte kümmert, die aber nur auf einer Seite gelten. Bravo.

    gunther, Dienstag, 04.04.17, 7:11 Uhr

    Herr K., auf die Frage der Seriosität der journalistischen Arbeit des Herr Kapern gehen Sie ja nicht wirklich ein, sondern lassen Ihren altbekannten, stets wiederholten, ermüdenden, geistlosen, einsei ...

    Herr K.,
    auf die Frage der Seriosität der journalistischen Arbeit des Herr Kapern gehen Sie ja nicht wirklich ein, sondern lassen Ihren altbekannten, stets wiederholten, ermüdenden, geistlosen, einseitigen, ideologischen, anti-israelischen Nonsens ab.
    Gratuliere zu Ihrer Weltsicht.
    Sind nicht die Juden an allem schuld?

    gunther, Dienstag, 04.04.17, 6:44 Uhr

    Herr K., Sie sind in Ihrer Einseitigkeit einfach nur peinlich. Merken Sie das?

    Herr K.,
    Sie sind in Ihrer Einseitigkeit einfach nur peinlich.
    Merken Sie das?

    gunther, Dienstag, 04.04.17, 6:40 Uhr

    Hey, Herr K., Sie melden sich auch mal wieder zu Wort. Wie schön. Zum Thema Gaza und Hamas und die Politik der Hamas gegen das eigene "Volk", das bis in die achtziger Jahre kein Volk war, sondern von ...

    Hey, Herr K.,
    Sie melden sich auch mal wieder zu Wort. Wie schön.
    Zum Thema Gaza und Hamas und die Politik der Hamas gegen das eigene „Volk“, das bis in die achtziger Jahre kein Volk war, sondern von Arafat erst in dieser Zeit als solches bezeichnet wurde, verlieren Sie natürlich kein Wort. In Gaza werden öffentlich (!) Menschen hingerichtet, durch die Freiheitskämpfer der Hamas. Aber auch dazu nichts.
    Ich verteidige nicht die Politik Israels, ich wehre mich gegen Ihren gnadenlosen und deutschtümelnden, aberwitzigen, primitiven Antisemitismus. Das ist alles.
    Ihr sachliches Niveau ist, wie schon von anderen vermerkt, so tief, dass im Grunde eine Auseinandersetzung mit Ihnen die Aufarbeitung des rechten und linken Antisemitismus erfordern würde.
    Sie verlieren kein Wort zu den Attentaten und Morden an israelischen Zivilisten, Sie verlieren kein Wort zu den finanziellen Machenschaften des Herrn Abbas (Panama-Papers!), Sie verlieren kein Wort zur Kooperation von Hamas und IS.

      Daniela, Mittwoch, 05.04.17, 8:30 Uhr

      Gunther, der einzige peinliche sind sie. Warum sollte Michael das alles ansprechen? Haben sie je ein Wort über den israelischen Terrorismus verloren? Haben sie je verurteilt, dass Israelische Soldaten ...

      Gunther, der einzige peinliche sind sie. Warum sollte Michael das alles ansprechen? Haben sie je ein Wort über den israelischen Terrorismus verloren? Haben sie je verurteilt, dass Israelische Soldaten Nachts in palästinensische Häuser eindringen die Kinder mit Waffen bedrohen, die Einrichtung demolieren und die erwachsenen zusammenschlagen? Haben sie je die Verbrechen von israelischen Siedlern verurteilt? Haben sie je die durch Israel angewandte Sippenhaft, Kollektivstrafen, Administrationshaft verurteilt? Haben sie je die Terroranschläge des Mossad an iranischen Zivilisten verurteilt?

      Sie sind so derbe einseitig und erdreisten sich anderen Einseitigkeit vorzuwerfen. Sie sind hier der Troll. Sie schieben Michael Sachen in die Schuhe die er nie gesagt hat. Sie wollen ihn als Rassisten und Antisemiten darstellen, dabei sind sie es der islamophob und menschenfeindlich ist. Sie scheren sich um die Menschenrechte der Palästinenser einen Dreck.

    gunther, Donnerstag, 30.03.17, 10:00 Uhr

    Wie immer bei Herrn Kapern stützt er sich auf nur eine Seite von Aussagen. Hat er sich um andere Informationen bemüht? Keine Ausage dazu. Was bitte ist eine "nicht-substantielle" Beweisaufnahme?

    Wie immer bei Herrn Kapern stützt er sich auf nur eine Seite von Aussagen. Hat er sich um andere Informationen bemüht? Keine Ausage dazu.
    Was bitte ist eine „nicht-substantielle“ Beweisaufnahme?

      Michael K., Montag, 03.04.17, 3:49 Uhr

      Gunther, wie immer werden unangenehme Berichte bei Befürwortern der Kolonialisierung Palästinas sofort angezweifelt. Warum glaubst du sitzen Tausende von Palästinensern in israelischen Gefängnissen, d ...

      Gunther, wie immer werden unangenehme Berichte bei Befürwortern der Kolonialisierung Palästinas sofort angezweifelt. Warum glaubst du sitzen Tausende von Palästinensern in israelischen Gefängnissen, davon nicht Wenige ohne Gerichtsurteil. Hier wird jemand beschuldigt, der mehr veruntreut haben soll als die NGO World Vision jemals an Mitteln bereitgestellt hat. Besatzung ist nun einmal ein Rechtsbruch und dazu gehört auch, dass man in Israel meint, man kann die Palästinenser wie Freiwild behandeln. Wie kann es sein, dass Israel sich für eventuelle Rechtsbrüche in Gaza verantwortlich fühlt? Aber das sind ja die tagtäglichen Übergriffe auf ein unterdrücktes Volk. Je schutzloser ein Volk ist, je gleichgültiger und unmenschlicher geht eine Besatzungsmacht mit diesen Menschen um. Im übrigen hatten sich verschiedene Staaten schon vor einigen Monaten nach den Gründen der Festnahme erkundiget, aber keine Antwort erhalten. Toller Rechtsstaat den du hier verteidigst.