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Solarenergie in Gaza: Nur was für Reiche

Die Menschen in Gaza leiden unter enormem Strommangel – und die einzige Alternative ist für viele unbezahlbar

Wenn es den Palästinensern im Gazastreifen an einem nicht mangelt, dann ist es Sonnenschein. Und der könnte in Zeiten, in denen der Strom nur wenige Stunden am Tag fließt, auch die Lösung sein. Ist er aber nur für die wenigsten.

Von Tim Assmann
Am 01.06.2017

Die ersten Kunden sind an diesem späten Vormittag an den Marktständen in der Innenstadt von Gaza-Stadt unterwegs und decken sich für das abendliche Fastenbrechen ein. Es ist Ramadan, das Leben in der Großstadt beginnt in diesen Tagen etwas später. Doch in diesem Jahr sind die Leute noch sparsamer als sonst. Seit Monaten plagt Strommangel die zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens. Das öffentliche Netz liefert nur noch wenige Stunden Strom am Tag. Wer es sich leisten kann, behilft sich mit einem Generator und spart an anderer Stelle, um den Diesel bezahlen zu können. Doch wer kein Geld hat, den trifft die Energiekrise mit voller Wucht: „Es gibt kaum Strom und das Leben ist eingeschränkt. Wir können nicht ausweichen, haben kein Geld für einen Generator und können nichts tun“, sagt dieser Mann, der einmal Bauarbeiter in Israel war, aber seit Jahren arbeitslos ist.

Kein Strom – und keine Lohnzahlungen

Das dieselbetriebene einzige E-Werk im Gazastreifen steht wegen Spritmangel still und nun droht auch noch die Stromzulieferung aus Israel zum Erliegen zu kommen – weil die palästinensische Autonomiebehörde von Präsident Mahmud Abbas droht, die Lieferungen nicht mehr zu bezahlen. Hintergrund ist der Dauerstreit zwischen Abbas und der im Gazastreifen regierenden Hamas. Abbas hat auch die Lohnzahlungen für staatliche Angestellte in dem abgeriegelten Küstenstreifen eingestellt beziehungsweise gekürzt. Für viele Familien eine Katastrophe:

 

Wegen der Stromausfälle verderben uns Lebensmittel und wir müssen sie wegwerfen. Das kostet Geld. Der Kühlschrank fällt uns eben ständig aus. Und das, wo ja schon die Gehälter gekürzt wurden.

— Frau auf dem Markt in Gaza-Stadt

Für Hamada al Ashi hingegen ist die Stromkrise gerade kein Thema. Früher, sagt er, seien wegen der ständigen Stromschwankungen immer wieder Elektrogeräte kaputt gegangen. Nun steht der 43-jährige Unternehmer auf dem Dach seines Elternhauses und blickt stolz auf zehn Solarmodule made in China, jedes so groß wie eine Zimmertür. Seit 16 Monaten versorgen sie die fünf Wohnungen und die Werkstatt in dem Haus mit Strom. Hamada ist mit seinem Kauf voll zufrieden.

Ich hatte zwei Gründe: den Strommangel und die hohen Kosten, die ich senken wollte. Das ist gelungen. Ich konnte sie halbieren, im Vergleich zu dem, was ich vorher mit dem Generator bezahlt habe. Aus dem öffentlichen Stromnetz bekomme ich nur noch maximal vier Stunden Strom am Tag.

— Hamada al Ashi, hat eine Solaranlage auf seinem Haus im Gazastreifen

Solartechnik könnte die Antwort auf die Stromkrise im Gazastreifen sein. Denn wenn das von Arbeitslosigkeit und Armut gezeichnete Gebiet irgendetwas ausreichend hat, ist es Sonne. Doch so einfach ist es natürlich nicht und deswegen könnten die Geschäfte von Khalil el Jabary auch besser laufen. Seit sieben Jahren verkauft er Solaranlagen. Nachdem der Anfang schwierig war, könnte er jetzt eigentlich mehr Umsatz machen, sagt er. Theoretisch.

 

Die Leute kennen Solarenergie jetzt besser und haben auch Vertrauen. Der Bedarf ist ebenfalls gestiegen. Viele würden sich gerne eine Anlage kaufen, können es sich aber leider nicht leisten.

— Khalil el Jabary, verkauft Solaranlagen im Gazastreifen
Der Bedarf für Solaranlagen in Gaza ist hoch, weiß Verkäufer Khalil el Jabary. Doch das Geschäft könnte besser laufen. Foto: BR | Tim Aßmann

Denn eine Anlage aus Zellen, Umwandler und Batterien, wie sie nötig wäre, um eine durchschnittliche Familie in Gaza mit Strom zu versorgen, kostet circa 10.000 Schekel, umgerechnet etwas mehr als 2500 Euro. Das ist für die meisten im Gazastreifen ein Vermögen und daher müssen sie weiter auf Dieselgeneratoren und die wenigen Stunden Strom am Tag aus dem öffentlichen Netz setzen.

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