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So reagiert Israel auf das Wahlergebnis

Die AfD wird drittstärkste Partei – und Israelis rätseln, wie sich die deutsche Politik nun verändern wird

Israels Premier Benjamin Netanjahu gratulierte Angela Merkel auf Twitter, nannte sie eine wahre Freundin Israels. Ansonsten hielt sich der Regierungschef zurück. Den Wahlerfolg der AfD betrachten viele Israelis mit Sorge. Ein Beitrag von BR-Reporter Julio Segador.

Von Studio Tel Aviv
Am 26.09.2017

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel in Siegerpose lächelt auf dem Titelbild der weitverbreiteten israelischen Tageszeitung „Jediot Achronot“.  Darunter steht in dicken Lettern: „Radikale Rechte im deutschen Parlament“. Die AfD hat es auf so ziemlich alle Titelseiten der israelischen Tageszeitungen geschafft. Was es dagegen mit der rechtspopulistischen Partei auf sich hat, wie sehr sie die deutsche Politik verändern wird – darüber rätseln die Menschen in Israel. Diese Frau in Tel Aviv kann ihr Unbehagen nicht verbergen.

Ich habe dieses Ergebnis nicht gern gehört und es ist schon beängstigend. Scheinbar gibt es Ängste und Sorgen, auf die nur diese Partei Antworten kannte.

— Passantin in Tel Aviv

Dieser Mann im hektischen Geschäftsviertel von Tel Aviv, fühlt sich an längst vergangene dunkle Zeiten erinnert. Er sieht die Gefahr, dass mit dem Einzug der AfD in den Bundestag antisemitische Extremisten nun erst recht Auftrieb erhalten.

 

Ich glaube, es ist der Anfang des Weges, und er ist vergleichbar mit 1928, als der Aufstieg des Nationalsozialismus begann. Ich glaube, dass die Partei ziemlich radikal ist, und diese Radikalität jetzt deutlich nach außen tritt.

— Passant im Geschäftsviertel von Tel Aviv

Dass 72 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder eine Partei im deutschen Parlament sitzt, die aktiv die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis zu relativieren versucht, macht viele buchstäblich sprachlos. So vermied es Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bislang, detailliert Stellung zu beziehen zum Wahlausgang. In einer kurzen Twitter-Mitteilung gratulierte er lediglich Bundeskanzlerin Angela Merkel und bezeichnete sie als wahre Freundin Israels.

 

Bekanntes Verhaltensmuster

Für Nachman Shai, den Vorsitzenden der israelisch-deutschen Parlamentariergruppe von der oppositionellen Zionistischen Union, ist der Einzug der AfD in den Bundestag dagegen ein Warnsignal. Deren Wahl sei der Beleg, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Extremismus einen beträchtlichen Teil der deutschen Gesellschaft erobert hätten. Zugleich zeige sich, dass die demokratische Basis in Deutschland brüchig und verletzlich sei. Auch der renommierte israelische Historiker Moshe Zimmermann sieht im Auftreten der AfD und ihres Spitzenkandidaten Alexander Gauland ein bekanntes Verhaltensmuster. Im israelischen Parlamentsfernsehen erklärt er:

Erst geben sie vor, gute Freunde Israels zu sein und beteuern, dass sich Israel keine Sorgen machen müsse. Einmal antwortete Gauland sogar, er wüsste nicht, warum man sich in Israel vor ihm fürchte, schließlich seien auch dort radikale Rechte vertreten. Man sieht, die haben auf jede Frage eine Antwort. Ich würde diesen Herrn Gauland nicht in einer dunklen Gasse antreffen wollen, nicht als Jude und auch nicht als Demokrat.

— Moshe Zimmerman, Historiker

Noch sind sich die Menschen in Israel nicht einig, wie sie die AfD einordnen sollen. Viele hoffen, dass es sich bei ihr lediglich um eine konservativ-nationale Protestpartei handelt, die den Ärger und die Empörung in verschiedenen Teilen der Gesellschaft für sich genutzt hat. Eine Einschätzung, die auch Avi Primor, der frühere israelische Botschafter in Deutschland, teilt. Er zieht den Vergleich zu Österreich und sieht die AfD nicht als Partei von Neonazis, sondern als Protestpartei, die erfolgreich von der Unzufriedenheit jener profitiere, die in eine soziale Schieflage geraten sind.

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Kommentare

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6 thoughts on “So reagiert Israel auf das Wahlergebnis”

    gunther, Sonntag, 01.10.17, 8:16 Uhr

    Doris, haben Sie Belege für Ihre Behauptungen? Sie verlangen doch immer Quellen. Wo sind Ihre? Nichts als anti-israelische Propaganda. Macht sich gut. Der Antisemitismus ist inzwischen Mainstream. Sie ...

    Doris, haben Sie Belege für Ihre Behauptungen? Sie verlangen doch immer Quellen. Wo sind Ihre? Nichts als anti-israelische Propaganda. Macht sich gut. Der Antisemitismus ist inzwischen Mainstream.
    Sie wissen schon, dass die Affinität von vielen Arabern zum Nazismus groß ist. Vgl. Großmufti von Jerusalem in den dreißiger Jahren.
    Ach, das wussten Sie nicht?

    Simon, Dienstag, 26.09.17, 11:45 Uhr

    Merkel wird in Israel von sehr vielen sehr kritisch gesehen. Mit Blick auf den Islam haben sehr viele Israelis sogar sehr ähnliche Ansichten wie die afd. Das kann ich bei einem Blick auf die Kommentar ...

    Merkel wird in Israel von sehr vielen sehr kritisch gesehen. Mit Blick auf den Islam haben sehr viele Israelis sogar sehr ähnliche Ansichten wie die afd. Das kann ich bei einem Blick auf die Kommentarspalten israelischer Tagesszeitungen („warum soll diese Partei denn *extrem* rechts sein?“) nur unterstreichen. Auch Arbeitskollegen äußern sich ähnlich. Ich finde Ihre Darstellung daher unvollständig, to say the least…

      Doris, Mittwoch, 27.09.17, 15:36 Uhr

      Vielleicht sollte sich die Israelis auch mal um ihre rechtsradikale Regierung sorgen machen. Von Rechtsstaatlichkeit ist Israel auf jeden Fall weit entfernt. Rassismus ist an der Tagesordnung und die ...

      Vielleicht sollte sich die Israelis auch mal um ihre rechtsradikale Regierung sorgen machen.
      Von Rechtsstaatlichkeit ist Israel auf jeden Fall weit entfernt. Rassismus ist an der Tagesordnung und die Unterdrückung von Nicht-Juden wird tagtäglich praktiziert.

      Gerade gelesen, dass die Haftstrafe von Elor Azaria um vier Monate verkürzt werden wird. Also 1 Jahr Gefängnis für kaltblütigen Mord? Die Doppelmoral in Israel ist nicht auszuhalten. Selbst unschuldige Palästinenser bekommen mehrere Jahre Gefängnis und Folter dank Administrativhaft.
      Einfach nur lächerlich. Man sollte mit Elor Azaria genauso umgehen wie mit palästinensischen Mördern. Lebenslänglich und die Häuser seiner Verwandten zerstören und sein Dorf unter Hausarrest stellen. Aber leider ist das israelische Besatzungsregime noch Lichtjahre von Rechtstaatlichkeit entfernt. Doppelmoral ohne Ende. Dazu noch die Dämonisierung und Delegitimierung der Palästinenser. Antisemiten nach Definition der drei D oder wieder Doppelmoral?

      Simon, Donnerstag, 28.09.17, 14:34 Uhr

      Verstehe gerade den unmittelbaren Zusammenhang nicht (?) Ich habe den Eindruck, dass man sich in Israel was Ausland angeht 'lieber' über die UNO oder BDS aufregt als so eine afd. Mich hat damals schon ...

      Verstehe gerade den unmittelbaren Zusammenhang nicht (?)

      Ich habe den Eindruck, dass man sich in Israel was Ausland angeht ‚lieber‘ über die UNO oder BDS aufregt als so eine afd. Mich hat damals schon die Unterstützung vieler für Marine Le Pen gewundert…

      gunther, Donnerstag, 28.09.17, 17:24 Uhr

      Doris, Rassismus allerdings auch in Form von Antijudaismus. Oder nicht? Also bitte nicht nur anti-israelisch polemisieren.

      Doris, Rassismus allerdings auch in Form von Antijudaismus. Oder nicht?
      Also bitte nicht nur anti-israelisch polemisieren.

      gumther, Donnerstag, 28.09.17, 17:30 Uhr

      Doris, schon mal im Netz Hisbollah-Kämpfer mit Hitlergruß gesehen? Na? Und nu?

      Doris, schon mal im Netz Hisbollah-Kämpfer mit Hitlergruß gesehen? Na? Und nu?