Foto: dpa | picture alliance

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Die unorthodoxe Art Schawuot zu feiern

Kibbuze begehen das jüdische Wochenfest traditionell– relativ frei von religiöser Konnotation – als Erntedankfest

Besonders idyllisch feiert sich Schawuot auf dem Land, in einem der annähernd 270 Kibbuze. Die Kibbuze werden heute in Israel weniger mit der sozialistischen Idee ihrer Gründerjahre assoziiert, umso mehr aber mit der Landwirtschaft. Obwohl ihre Bewohner nur ein knappes Prozent der Bevölkerung darstellen, produzieren sie nämlich die Mehrheit aller Agrarprodukte des Landes. Wir haben den Kibbuz En haSchofet in Nordisrael besucht, um einen Eindruck von dem klassischen Kibbuz-Fest zu gewinnen.

Von Studio Tel Aviv
Am 31.05.2017

Die Kibbuze feiern zu Schawuot nicht nur den Beginn der Ernte auf den Feldern, sondern auch die Fruchtbarkeit der Gemeinschaft. In den letzten Jahren erleben die Kibbuze eine regelrechte Verjüngungskur und bauen fleißig neue Nachbarschaften.  Viele erwachsene Kinder der Mitglieder kehren mit ihren jungen Familien zurück, aber auch Israelis ohne Kibbuz-Anbindung zieht es in diese Ruheoasen, die mit einem ausgeprägten Gemeinsinn, guten Schulen und einem gesunden Abstand zu Israels sonstiger Intensität punkten können. An Schawuot ist das Highlight für die Gemeinde daher der Kibbuz-Nachwuchs, besonders die seit dem letzten Erntedankfest geborenen Babies, die zum Feiertag stolz präsentiert werden.

 

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Beitrag: Karolina Toren – Kamera: Michael Shubitz – Schnitt: Amir Tal

Während in den meisten Kibbuzen ohne religiöse Riten gefeiert wird, pilgern gleichzeitig tausende gläubige Israelis Richtung Tempelberg und Klagemauer.  Denn das Wochenfest gehört zu den drei jüdischen Pilgerfesten und hat auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung. In biblischen Zeiten wurde die erste Ernte als Dankopfer nach Jerusalem in den Tempel gebracht. Zudem erinnert Schawuot an den Bund Gottes mit den Israeliten, d.h. daran, dass Moses laut Überlieferung im Sinai von Gott die Thora empfing. Daher begehen gläubige Juden vom Schawuot-Vorabend an „die Nacht des Lernens“ und treffen sich in Synagogen und Talmudschulen, um die Thora zu studieren.

Die meisten Israelis huldigen diesem Feiertag jedoch auf einfacherem Weg: Sie essen Milchprodukte, und darunter besonders prominent: Käsekuchen. Diese Praxis, den Glauben bzw. die Liebe zur Thora durch den Magen zu feiern, beruht auf  der jüdischen Tradition, nach der die Thora mit Milch verglichen wird, die ein Kind begierig trinkt. So ist letztlich der landesweite Konsens unter Religiösen wie Nicht-Religiösen, Schawuot als großes Milch- Festessen zu feiern.

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