Foto: BR | Katharina Kerzdörfer

Shabus

Der Bus, der auch am Sabbat fährt

Am Ruhetag Sabbat fahren keine öffentlichen Busse oder Züge. Wer dennoch von Jerusalem aus nach Tel Aviv möchte, muss auf (Sammel-)Taxis oder das eigene Auto zurückgreifen. Eine andere Möglichkeit ist ein Minibus namens Shabus: Manche sind begeistert, andere sehen ihn kritisch.

Von Studio Tel Aviv
Am 19.10.2019

Samstag, kurz vor 12 Uhr mittags in Tel Aviv: Ein Minibus hält unweit vom Frishman Beach. Sechs Frauen und Männer steigen aus. Mit dabei haben sie Strandtücher, Badematten und einen E-Scooter. Ihr Ziel ist der Strand, denn da wollen sie heute einen entspannten Tag verbringen. Der Minibus Shabus hat sie von Jerusalem hierhergebracht.

Für Ziv Mor Regev wäre es zu teuer, mit dem Auto von Jerusalem nach Tel Aviv zu fahren, um einfach nur ein paar Runden mit dem E-Scooter zu drehen. Sie schätzt, das Benzin und das Ticket fürs Parkhaus würden rund 250 Schekel (etwa 65 Euro) kosten. Für die Fahrt mit dem Shabus hat sie 50 Schekel (etwa 13 Euro) bezahlt.

Es ist schnell, bequem, preisgünstig und umweltfreundlich. Ich spare Benzin und erspare mir eine endlose Suche nach einem geeigneten Parkplatz. Die Bushaltestelle vom Shabus ist nur ein paar Meter von mir zu Hause entfernt und fährt mich hier direkt zum Strand.

— Ziv Mor Regev
Foto: BR | Katharina Kerzdörfer

Preisgünstige Alternative zu Taxis

Am Sabbat, also von Freitagabend nach Sonnenuntergang bis Samstagabend, fahren keine öffentlichen Busse oder Züge. Diese Vereinbarung hat Israels Staatsgründer David Ben-Gurion damals mit ultra-orthodoxen Juden getroffen. Der Shabus wurde 2015 von einer Genossenschaft ins Leben gerufen und gilt somit als eine private Initiative. Die Idee dahinter war, Menschen eine preisgünstige Alternative zu (Sammel-)Taxis zu bieten, sagt Rachelli Gresser.

Die Realität ist, dass die, die ein Auto haben, ihr Wochenende genießen können. Sie können ihre Familie besuchen oder im Land herumfahren. Alle anderen haben abgesehen von überteuerten Taxis keine Chance, Unternehmungen zu machen, außer sie sind in Gehweite. Diese Tatsache hat uns dazu bewogen, nach einer Lösung zu suchen, damit diese Menschen auch am Sabbat vor die Tür gehen und ihr Wochenende genießen können.

— Rachelli Gresser

Kritik von Strengreligiösen

Freitagabend und Samstagmorgen gibt es Verbindungen von Jerusalem nach Tel Aviv. Strenggläubige Juden sehen das kritisch. Ihrer Ansicht nach würde mit dem Shabus der Sabbat unterlaufen. Rachelli Gresser verweist darauf, dass die Genossenschaft nicht gegen geltendes Recht verstoße.

Wir sind eine private Organisation und handeln nicht rechtswidrig. Unser Bus ist weder laut, noch aufdringlich. Es gibt Menschen die Möglichkeit, die einfach nur etwas unternehmen wollen, genau das zu tun.

— Rachelli Gresser

Punkt 12 Uhr ist Ziv Mor Regev am Frishman Beach angekommen. Mit ihrem E-Scooter möchte sie jetzt erstmal der Promenade entlang in Richtung Süden. Vor sechs Monaten hat sie erfahren, dass es den Shabus gibt. Seitdem nutzt sie ihn regelmäßig. Sie hofft, dass der Minibus künftig noch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft findet.

Ich glaube an leben und leben lassen. Ich respektiere die religiöse Gemeinschaft und hoffe, dass sie die säkulare Gemeinschaft ebenfalls respektieren.

— Ziv Mor Regev

Ziv Mor Regev ist froh, dass sie jetzt auch am Sabbat ohne Auto mobil ist. Denn erst nach Sonnenuntergang fahren wieder öffentliche Busse oder Züge.

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