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Seine letzte Saison

Der Dirigent Zubin Mehta kehrt nach seiner Krebsbehandlung für kurze Zeit noch einmal zurück auf die Bühne

Zubin Mehta ist einer der bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart und in Tel Aviv längst eine Legende. Im kommenden Jahr wird er abtreten –nach genau 50 Jahren beim Israel Philharmonic Orchestra. Ein Beitrag von Benjamin Hammer.

Von Studio Tel Aviv
Am 12.10.2018

Beitrag: Mike Lingenfelser | Kamera: Michael Shubitz | Schnitt: Amir Tal

Das Charles Bronfman Auditorium in Tel Aviv ist ausverkauft, als die israelische Nationalhymne ertönt. Vieles ist besonders an diesem Abend. Die Rückkehr des Dirigenten Zubin Mehta nach seiner Krebserkrankung. Aber auch der Chor, der die Hymne singt. Die HaTikva, die von der erfüllten Hoffnung der Juden auf einen eigenen Staat handelt. Der Chor stammt aus Deutschland – und das ist auch über 70 Jahre nach dem Holocaust keine Selbstverständlichkeit.

Das ist eine unglaubliche Ehre für uns als deutschen Chor, dass wir das hier mitgestalten dürfen.

— Salek Kutschinski, Münchener Bach-Chor

Salek Kutschinski ist Vorstandsmitglied im Münchener Bach-Chor und hat den Kontakt für die Konzerte in Israel vermittelt. Kutschinski ist Jude, seine Beziehung zu Israel eng. Zubin Metha erlebte er während eines Konzertes in Tel Aviv zum ersten Mal, als er noch ein Kind war. „Wir sind ganz kurzfristig gefragt worden, die HaTikva, also die Hoffnung, so heißt es ja, zu singen. Und das Israel Philharmonic Orchestra eröffnet immer mit der HaTikva orchestral die Saison. Und das Publikum steht auf und singt die HaTikva. Und es ist nun wirklich eine besondere Situation, dass ein Chor, noch dazu ein deutscher, singt und den Text dazu spricht.“ Und dann wird der Münchener Chor auch noch von Zubin Mehta dirigiert. Einer der bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart und in Tel Aviv längst zur Legende geworden. Seit fast 50 Jahren arbeitet er für das Israel Philharmonic Orchestra, die längste Zeit davon als Direktor. Mehta ist 82 Jahre alt. Das ist dem Maestro auf der Bühne anzusehen – es ist in seiner Musik aber nicht zu hören. Der Dirigent musste wegen der Krebsbehandlung fast ein Jahr aussetzen.

Ich bin sehr froh, zurück zu sein. Ich habe das Orchester sehr vermisst. Ich habe das Dirigieren vermisst. Aber: Diese Saison ist nun sehr voll. Und ich bin dabei.

— Zubin Mehta, Dirigent
Byebye Zubin Mehta: Im kommenden Jahr hört der Dirigent auf. Foto: dpa | picture alliance

Der Auftritt des Bach-Chores mit dem Maestro wurde vom Goethe-Institut in Tel Aviv unterstützt. Zum Auftakt der Saison erweist Zubin Mehta auch Martha Argerich die Ehre. Sie ist eine Freundin von Mehta und spielt das Klavierkonzert a-Moll von Robert Schumann. Auch Argerich ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen ihres Berufsstandes. Und dann: Mozarts Krönungsmesse, gesungen vom Bach-Chor aus München. Geleitet wird der Chor von Hansjörg Albrecht.

Es ist das erste Mal, dass ich das Ensemble für einen anderen Dirigenten vorbereitet habe, weil ich normalerweise das Ensemble selbst dirigiere. Aber für Zubin Mehta stand das außer Frage, weil er einfach ein unglaublicher Künstler ist.

— Hansjörg Albrecht, Chorleiter

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1 thought on “Seine letzte Saison”

    Lotte, Freitag, 12.10.18, 10:15 Uhr

    Danke für den Bericht ! Refuah Shlema !!!

    Danke für den Bericht !
    Refuah Shlema !!!