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Sehnsuchtsort Iran

Die israelische Sängerin Liraz Charhi schafft durch ihre Musik eine Verbindung zur unzugänglichen Heimat ihrer Eltern

Erst der Weg von Tel Aviv nach Los Angeles führte die israelische Sängerin Liraz Charhi zu ihren persischen Wurzeln. Als Israelin darf sie den Iran nicht betreten, schafft aber durch ihre Musik einen Zugang – auch zu den Menschen. Nächstes Jahr tourt sich durch Europa.

Von Tim Assmann
Am 20.10.2018

Es war im Jahr 2006 bei einem Aufenthalt in Los Angeles, der Heimat vieler Exiliraner, als Liraz Charhi merkte, was ihr im Leben fehlte. Charhi, Tochter iranischer Juden, wurde 1978 in Israel geboren. Gleich nach der Schauspielschule hatte sie Erfolg beim Film, versuchte sich auch damals schon als Sängerin – mit hebräischen Texten. Die Reise an die Westküste weckte ihre Sehnsucht nach der Heimat ihrer Eltern:

 Es war wirklich wie Teheran. Die Leute sprachen mich auf Farsi an und gaben mir das Gefühl, mein Land zu entdecken. Ich kann den Iran nicht besuchen, meine Wurzeln dort nicht finden. Das war meine Gelegenheit, danach zu greifen.

— Liraz Charhi 

In Los Angeles begann sie auch wie besessen, CDs mit iranischer Musik zu kaufen. In ihr reifte die Idee von einem Album auf Farsi, angelehnt an Stücken iranischer Sängerinnen aus der Zeit vor der islamischen Revolution: „Die Sängerinnen dieser Musik aus den Siebzigern, kurz vor der Revolution hatten etwas Besonderes in ihren Stimmen, das ich meinte herauszuhören – sowas Unverschämtes, Mutiges, Freches.“ Besonders die Sängerin Googoosh hat Liraz Charhi inspiriert. Googoosh verließ den Iran der Mullahs, um weiter singen zu können. Ihr Song „Hala Bavar“ ist nun als Coverversion auf Liraz Charhis Album „Naz“. Der Begriff „Naz“ steht für ein bestimmtes Verhaltensmuster iranischer Frauen, erzählt Liraz Charhi: Immer freundlich und nett sein und mit dieser Strategie gleichzeitig sehr bestimmt die eigenen Ziele erreichen. Darum geht es auch im Song „Nozi, Nozi“. Die Rolle der Frau im Iran ist ein zentrales Thema der Sängerin. Sie setzt sich hier auch mit der eigenen Familiengeschichte auseinander. Das Heimatland der Eltern war in Liraz Charhis Leben immer präsent – und doch für sie unerreichbar. Als ich sie darauf anspreche, fragt Charhi, ob ich sie zum Weinen bringen will.

 Es ist sehr hart. Als die ersten iranischen Kommentare kamen, schrie ich. Und selbst jetzt wo tausende am Tag kommen, mache ich von jedem einen Screenshot. Diese Verbindung ist so bewegend. Sie sehen meine Instagram-Geschichten und ich sehe sie kochen oder tanzen und das macht mich fertig.

— Liraz Charhi

In Israel erschien das Album „Naz“ bereits 2016 und obwohl es im Iran natürlich nicht offiziell erhältlich ist, hat Liraz Charhi dort mittlerweile viele Fans. Sie hat erreicht, was sie wollte: über die Musik einen Weg in das Land zu finden, das sie nicht bereisen kann: „Das war mein Traum. Ich wollte die Verbindung zu den Menschen im Iran und ihnen meine Geschichte erzählen und was meine Familie durchmachte.“ Im nächsten Jahr wird Liraz Charhi in Europa auf Tournee gehen und die Hoffnung eines Tages im Iran zu singen, gibt sie nicht auf.

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