Foto: BR | Tim Aßmann

Sehnsucht auf Farsi

Die israelische Musikerin Liraz Charhi hat ein neues Album auf Farsi aufgenommen – mit Kollegen aus Teheran 

Treffen konnten sie sich nicht – und auch die Namen der Künstler aus dem Iran kann Liraz Charhi nicht nennen. Es wäre zu gefährlich. Doch sie gibt die Hoffnung nicht auf. 

Von Tim Assmann
Am 06.11.2020

Die traditionelle iranische Gitarre, die hinter Liraz Charhi an der Wand ihres Tel Aviver Studios hängt, ist jetzt auch zu hören: auf „Zan“ – dem zweiten Farsi-Album der iranisch-stämmigen Sängerin. In ihrer Heimat Israel ist Charhi unter anderem als Fernsehschauspielerin bekannt, zuletzt in der Actionserie „Teheran“. Sie spricht dort zum Teil auch Farsi – die Sprache der gefühlten Heimat, in der sie noch nie war und die für sie zu einem Sehnsuchtsort geworden ist. Auf „Zan“ erfüllte sie sich nun einen Traum: die Zusammenarbeit mit iranischen Musikern, die sie über einen Aufruf in den sozialen Medien im Internet fand. Die erste Freude wich schnell großer Sorge, erzählt Liraz.

Ich begriff, welchen Preis dieses Album für mich haben würde. Da war die Sorge um meine iranischen Freunde. Denn ihnen ist Kontakt zu israelischen Sängern und zu Israelis überhaupt verboten.

— Liraz Charhi, Musikerin
Das Cover des neuen Albums mit Liedern auf Farsi. Foto: Glitterbeat Records

Aufgenommen wurden Songs wie „Joon, Joon“ in getrennter Studioarbeit in Tel Aviv und Teheran und immer geprägt von der Sorge um die iranischen Musiker, von denen manche absprangen.

Einige zogen sich zurück, weil sie mittendrin Angst bekamen. Andere gingen, kamen wieder und sagten, ich kriege die Songs, wenn ich ihren Namen nicht nenne. Wieder andere waren mutig und erlaubten mir, sie zu nennen. Natürlich mache ich das nun nicht – um sie zu schützen.

— Liraz Charhi, Musikerin

Liraz schrieb die Texte auf Hebräisch und eine iranische Musikerin half bei der Übersetzung. Die Rolle der Frauen in der iranischen Gesellschaft ist zentral in der Arbeit von Liraz. Das Lied „Zan Bezan“ hat sie starken Frauen im Iran von heute gewidmet.

Der Sound sollte nach Underground klingen, denn so kam er zustande. Es sollte sich nicht nach höchster Qualität oder sogar steril anhören, sondern so, wie wir es über Skype oder Telegram bekommen haben.

— Liraz Charhi, Musikerin
Es geht um starke Frauen - und klingt nach Underground. Foto: Shai Franco

Elektro-Beats treffen nun auf Gesang, inspiriert von iranischen Künstlerinnen der 70er und traditionelle Instrumente und Klänge. Liraz sagt, ihre Musik helfe ihr dabei, den Kontakt zu ihren iranischen Wurzeln zu vertiefen und die Sehnsucht zu stillen.

Einerseits spüre ich meine Herkunft nun und kann sie weiter ergründen. Andererseits ist die Mission vielleicht unerfüllbar, denn ich werde möglicherweise nie mit ihnen auftreten können. Einen anderen Weg als diesen gibt es für mich aber nicht.

— Liraz Charhi, Musikerin

An ihrem nächsten Ziel will Liraz festhalten – mit den Musikern, die sie bisher nur aus der Ferne kennt, die gemeinsam produzierte Musik auch eines Tages gemeinsam auf einer Bühne zu spielen.

Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.