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Sechs Tage, die die Region veränderten

Vor 50 Jahren überraschte Israel seine arabischen Nachbarn, deren Armeen aufmarschiert waren – mit weitreichenden Folgen

Das Jahr 1967 veränderte Israels Position im Nahen Osten: Innerhalb kürzester Zeit vernichtete die Armee Ägyptens Luftwaffe, drang in den Sinai vor und im Osten bis nach Ostjerusalem und ins Westjordanland. Es war auch der Beginn der Besatzung, die bis heute anhält.

Von Tim Assmann
Am 05.06.2017

Dieses Lied war ein Hit in Israel im Mai 1967: „Nasser wartet auf Rabin“, heißt es da und weiter: „Er soll ruhig warten und sich nicht bewegen, denn er wird hundertprozentig kommen.“ Das Lied war eine Reaktion auf die Aussage des ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abdel Nasser, er würde auf Jitzchak Rabin warten, Israels Generalsstabschef. Eigentlich warteten die Israelis aber eher auf Nasser beziehungsweise auf seine Armee.

 

Israel rechnete mit einem Angriff Ägyptens

Ägypten hatte rund 100.000 Mann mit 1000 Panzern auf der Sinai-Halbinsel zusammengezogen und Verteidigungspakte mit Syrien, Jordanien und dem Irak geschlossen. Nasser ließ auch die Straße von Tiran am Eingang zum Roten Meer für israelische Schiffe sperren und erklärte in einer Rede am 26. Mai 1967, sein Ziel sei die Zerstörung Israels. Der Historiker und Schriftsteller Tom Segev war damals 22 Jahre alt und rechnete mit einem Angriff Ägyptens.

Wir erwarteten, wie alle Israelis, eine Invasion der ägyptischen Armee. Wir waren auch, wie viele andere, von der Angst besessen.

— Tom Segev, Historiker und Schriftsteller

Nahezu umzingelt von aufmarschierten arabischen Armeen in Ägypten, Syrien und Jordanien befahl dann Israels Ministerpräsident Levi Eschkol den Überraschungsangriff. Am 5. Juni 1967 bombardierten israelische Kampfflugzeuge alle ägyptischen Militärflugplätze – danach existierte Nassers Luftwaffe de facto nicht mehr.  Auch die syrischen und jordanischen Jets wurden weitgehend ausgeschaltet. Nur 18 Stunden nach Kriegsbeginn verkündete General Motti Hod, der Oberbefehlshaber der israelischen Luftwaffe, in den Radionachrichten die Zerstörung von rund 400 feindlichen Maschinen.

Soldaten der Luftwaffe, unsere Aufgabe ist noch nicht beendet. Die Luftwaffe ist frisch und stark in Geist und Kraft und ist bereit für den weiteren Einsatz, der den Sieg der israelischen Armee garantieren wird.

— General Motti Hod im Juni 1967

Die vollständige Lufthoheit war Voraussetzung, für das, was folgte. Drei israelische Panzerdivisionen schlugen die ägyptischen Truppen auf dem Sinai vernichtend, eroberten den Gazastreifen und standen schon nach vier Tagen am Suezkanal. Am 7. Juni bereits drangen israelische Einheiten in die Jerusalemer Altstadt ein. Von einem Hügel am Rande befahl – live übertragen im Radio – ein Kommandeur: „Los geht’s! Bewegt Euch!“ Die Truppen sollten bis zum Platz vor der Klagemauer vorstoßen, befahl der Offizier noch. Kurz darauf wurde über Funk schon gemeldet: „Der Tempelberg ist in unserer Hand.“ Um die Welt gingen dann die Bilder israelischer Fallschirmjäger an der Klagemauer und das des obersten Armeerabbiners, der das jüdische Schofarhorn blies.

 

Auch das Westjordanland wurde von israelischen Truppen eingenommen, die schließlich auch noch die syrischen Golanhöhen eroberten. Nach sechs Tagen Krieg hatte Israel die gegnerischen Armeen geschlagen und die Landkarte in der Region entscheidend zu seinen Gunsten verändert. Schon kurz nach Kriegsende wurden die ersten jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten gegründet und die Radiosender spielten auch schon einen neuen Hit, der vorwegnahm, was den Nahostkonflikt bis heute prägt: Vom vereinigten Eretz Israel wird gesungen und weiter heißt es: „Befreites Gebiet wird nicht zurückgegeben. Nicht heute und nicht morgen.“

Frieden mit Ägypten

Die Sinai-Halbinsel wurde dann 1982 doch zurückgegeben – als Preis für einen Frieden mit Ägypten. Und den Gazastreifen räumte Israel 2005. Die Besatzung des Westjordanlandes und des mittlerweile annektierten arabischen Ostteils von Jerusalem aber besteht weiter und ist Kern des Nahostkonfliktes zwischen Israelis und Palästinensern. So dauern die Folgen jener sechs Tage im Juni 1967 bis heute an.

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Kommentare

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13 thoughts on “Sechs Tage, die die Region veränderten”

    gunther, Sonntag, 11.06.17, 15:35 Uhr

    @ Herr K. Ich warte immer noch auf Ihren Vorschlag fuer ein islamisches Land, in dem die Menschen in Freiheit leben, Mann und Frau gleichberechtigt sind und Homosexuelle nicht verfolgt werden. Faellt ...

    @ Herr K.

    Ich warte immer noch auf Ihren Vorschlag fuer ein islamisches Land, in dem die Menschen in Freiheit leben, Mann und Frau gleichberechtigt sind und Homosexuelle nicht verfolgt werden.
    Faellt Ihnen etwa keiner ein?

    Michael K., Donnerstag, 08.06.17, 20:10 Uhr

    Hildebrand Embke, vor 1870 gab es kaum Juden im heutigen Israel/Palästiana, 1947 waren es 300000 und 800000 Juden bzw. Araber/ arabische Palästinenser. Danach nahm die Besiedlung Fahrt auf. Du beziehs ...

    Hildebrand Embke, vor 1870 gab es kaum Juden im heutigen Israel/Palästiana, 1947 waren es 300000 und 800000 Juden bzw. Araber/ arabische Palästinenser. Danach nahm die Besiedlung Fahrt auf.

    Du beziehst dich auf ein Urteil ohne weitere Quellenangabe. Internationale Rechtsauffassung spricht eine andere Sprache. Hast du schon einmal von UN-Resolutionen gehört?

      gunther, Samstag, 10.06.17, 18:39 Uhr

      Herr K. moslemische Massaker an Juden vor 1948: Jaffa 1921 Damaskus 1925 Hebron 1929 Jerusalem 1929 Safed 1929 Bagdad 1941 Tripoli 1945 Aleppo 1947 Aden 1947 Diese Tatsachen widersprechen Ihrer einsei ...

      Herr K.

      moslemische Massaker an Juden vor 1948:
      Jaffa 1921
      Damaskus 1925
      Hebron 1929
      Jerusalem 1929
      Safed 1929
      Bagdad 1941
      Tripoli 1945
      Aleppo 1947
      Aden 1947

      Diese Tatsachen widersprechen Ihrer einseitigen, unwahren Behauptung, alles sei durch die Juden bzw. Zionisten verursacht.
      Sie koennen auch noch weiter zurueckgehen, um zu sehen, dass islamische Massaker an Juden vor dem Aufkommen des Zionismus stattgefunden haben.

      Ihr Anti-Israelismus ist bemerkenswert.

      Gleichzeitig sollte auch Marek sich unbedingt fuer Tatsachen interesssieren.

      ariel, Samstag, 10.06.17, 21:21 Uhr

      unsinn. zur diesem zeitpunkt, waren die meisten einwohnern jerusalems juden. es gab gemeinden in gaza, hebron und zfat. 1870 gab es ueberhaupt kaum bevoelkerung in palaestina. waehrend des britischen ...

      unsinn. zur diesem zeitpunkt, waren die meisten einwohnern jerusalems juden. es gab gemeinden in gaza, hebron und zfat.

      1870 gab es ueberhaupt kaum bevoelkerung in palaestina. waehrend des britischen mandates gab es hundert tausende araber die nach palaestina gekommen sind, die damals durch juden und britten einen aufschwung erlebt hatte. die palaestinensischen araber sagen selbst, dass die meisten von ihnen aus aegypten oder saudi arabien stammen.

      die in jaffo lebenden araber stammen z.b. aus maghreb ab. die einzigen arabischen gemeinden, welche tatsaechlich alte wurzeln in der gegend haben, sind juedischer abstammung und haben immer noch fuer islam untypische braeuche. es gibt solche gemeinden z.b. in gaza.

      die meisten arabischen einwohner welche 1870 da gelebt haben, waren nomaden, welche durch die gegend (sinai, palaestina, syrien, jordanien, saudiarabien und lebanon) gewandert sind. daher ist es laecherlich, wenn man von ihren pal. wurzeln oder rueckkehrrecht spricht,

    martina, Mittwoch, 07.06.17, 23:34 Uhr

    hallo. an alle hier. schaut euch die doku, vorab in der mediathek, des zdf an. sie heißt: hebronn - die zerissene stadt. seht euch das an. eine traurige doku für mich. lg

    hallo. an alle hier. schaut euch die doku, vorab in der mediathek, des zdf an. sie heißt: hebronn – die zerissene stadt. seht euch das an. eine traurige doku für mich. lg

      martina, Mittwoch, 07.06.17, 23:43 Uhr

      keiner ist mehr glücklich dort. alle haben angst :(

      keiner ist mehr glücklich dort. alle haben angst 🙁

    Lotte, Dienstag, 06.06.17, 11:58 Uhr

    Die Besatzung des Westjordanlandes ... die Annexion von Ost-Jerusalem ... ist Kern des Nahostkonflikts zwischen Israelis und Palästinensern. Wirklich, das ist der KERN ? Keinerlei Vorgeschichte und Zu ...

    Die Besatzung des Westjordanlandes … die Annexion von Ost-Jerusalem … ist Kern des Nahostkonflikts zwischen Israelis und Palästinensern.

    Wirklich, das ist der KERN ?

    Keinerlei Vorgeschichte und Zusammenhänge, weder vor 1948, noch 1947-1949, noch vor 1967, noch nach 1967 ?

    P.S. Warum haben Sie meinen Beitrag vom 4.6. betr. „Das Hungern hat ein Ende“ nicht freigegeben, wegzensiert?
    Michael Wolffsohn aus „Deutschjüdische Glückskinder“ zitiert …
    Kibbuze … Kibbuz / Kibbuzim korrigiert …

    benno.salz, Dienstag, 06.06.17, 10:11 Uhr

    Ägypten und Syrien wurden von ehemaligen deutschen SS Männern und ihren Freunden, auch aus Deutschland tatkräftig unterstützt um den jüdischen Staat zu vernichten. In diesem Krieg ging es, von arabisc ...

    Ägypten und Syrien wurden von ehemaligen deutschen SS Männern und ihren Freunden, auch aus Deutschland tatkräftig unterstützt um den jüdischen Staat zu vernichten. In diesem Krieg ging es, von arabischer Seite um nichts anderes als den jüdischen Staat zu vernichten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Man braucht nur die Hamas Charta durchzulesen um zu wissen was die Palästinenser wollen.

      Marek, Dienstag, 06.06.17, 12:00 Uhr

      Und was waren die Pläne der Zionisten? Warum sprechen sie nur von einer Seite? Warum verheimlichen Sie die Pläne der radikalen Zionisten die Palästinenser zu vertreiben oder zu ermorden, um einen mögl ...

      Und was waren die Pläne der Zionisten? Warum sprechen sie nur von einer Seite?
      Warum verheimlichen Sie die Pläne der radikalen Zionisten die Palästinenser zu vertreiben oder zu ermorden, um einen möglichst araberfreien Judenstaat zu gründen?

      Hätten die Zionisten nicht geplant die Araber zu vertreiben und zu ermorden, hätte es auch keinen Widerstand gegen jüdische Einwanderung nach Palästina gegeben.

      Überlegen sie nochmal wann die Hamas gegründet wurde und wann zionistische Extremisten damit anfingen die Palästinenser zu vertreiben.

      Mit Zitaten wie: „Palästina so jüdisch machen wie England englisch ist“ oder „Das Land ohne Volk für das Volk ohne Land“ hat man sich bei der einheimischen arabischen Bevölkerung keine Freunde sondern nur Feinde gemacht. Wer von Anfang an plant andere zu vertreiben und zu ermorden darf sich nicht wundern, wenn man sich dagegen wehrt.

      Also betrachten sie beide Seiten! Ohne rassistische Zionisten wäre es nie so weit gekommen!

    Cori Gallo, Montag, 05.06.17, 19:35 Uhr

    Warum wurde zwischen 1948-1967 keinen 2. Staat neben Israel gegründet. Wie ist diese Idee entstanden und die heute bekannte Bezeichnung Palästina dafür definiert.

    Warum wurde zwischen 1948-1967 keinen 2. Staat neben Israel gegründet. Wie ist diese Idee entstanden und die heute bekannte Bezeichnung Palästina dafür definiert.

    Lavendercat, Montag, 05.06.17, 18:40 Uhr

    Die besagten Gebiete wurden von der widerrechtlichen jordanischen Besetzung befreit!

    Die besagten Gebiete wurden von der widerrechtlichen jordanischen Besetzung befreit!

      martina, Freitag, 16.06.17, 15:37 Uhr

      lavendercat. stimmt die besatzung vom westjordanland von jordanien war illegal. aber jetzt von einer befreiung sprechen, weil jetzt israel das westjordanland illegal besatzt hält?????

      lavendercat. stimmt die besatzung vom westjordanland von jordanien war illegal. aber jetzt von einer befreiung sprechen, weil jetzt israel das westjordanland illegal besatzt hält?????

    Hildebrand Embke, Montag, 05.06.17, 16:07 Uhr

    Die Darstellung in Ihrem Beitrag, dass kurz nach Kriegsende die ersten jüdischen Siedlungen im "Westjordanland" (Judäa und Samaria) gegründet worden seien, suggerieren - fälschlicherweise, dass es vor ...

    Die Darstellung in Ihrem Beitrag, dass kurz nach Kriegsende die ersten jüdischen Siedlungen im „Westjordanland“ (Judäa und Samaria) gegründet worden seien, suggerieren – fälschlicherweise, dass es vorher keine jüdischen Siedlungen in der Region gegeben hätte. Richtig ist jedoch, dass schon immer, bis zum arabischen Überfall auf das gerade erst neu eutstandene und unabhängige Israel im Jahre 1948, Juden dort gelebt haben. Im zusammenhang mit dem vorgenannten Überfall („Israelischer Unabhängigkeitskrieg“) wurden alle Juden aus Judäa und Samaria, einem östlichen Teil Jerusalems sowie dem Gazastreifen vertrieben – und dern Häuser und Synagogen wurden zerstört.

    Ich weise auch auf folgendes Urteil hin, dass weithin leider ignoriert wird:
    In einem von den „Palästinensern“ angestrengten Verfahren vor dem Pariser Schwurgericht wurde entschieden, dass Israel zu Recht Judäa und Samaria besetzt und dort Wohnungen bauen darf – und die „Palästinenenser“ KEIN Anrecht auf diese Gebiete haben.