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Schweigen in Jerusalem

Warum aus Israel zum Fall Khashoggi nichts zu hören ist und was das mit der Gefahr aus dem Iran zu tun hat

Kanzlerin Merkel hat nach dem gewaltsamen Tod des Journalisten Khashoggi die Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien infrage gestellt. Und Israel? Längst hat das Land enge Verbindungen zum Königshaus – hält sich derzeit aber mit Kritik zurück.

Von Benjamin Hammer
Am 23.10.2018

Im Nahen Osten gibt es Geheimnisse, die längst keine Geheimnisse mehr sind. Und Israels Premier Benjamin Netanjahu gibt sich in letzter Zeit immer weniger Mühe, ein Geheimnis zu wahren: dass es im Verborgenen einen engen Kanal zwischen Israel und Saudi-Arabien gibt.

Es gibt eine Allianz zwischen Israel und anderen Ländern des Nahen Ostens, die bis vor ein paar Jahren unvorstellbar gewesen wäre. Wenn Iran eine Atombombe baut, dann werden das viele Länder verhindern. Wir werden das verhindern. Und es gibt arabische Staaten, die ich hier nicht nenne, die meiner Meinung sind.

— Premier Benjamin Netanjahu

Israel und Saudi-Arabien haben einen gemeinsamen Erzfeind: Iran. Laut Medienberichten tauschen die Geheimdienste beider Länder Informationen aus. Im Frühjahr sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, Palästinenser und Israelis hätten das Recht auf ein eigenes Land. Für viele war das eine indirekte Anerkennung von Israels Existenzrecht durch das saudische Königshaus. Wenn sich Israels Politiker nun – nach dem mutmaßlichen Mord am saudischen Journalisten Khashoggi – merklich zurückhalten, dann hat das einen einfachen Grund: Die Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien soll nicht gefährdet werden.

Saudi-Arabien ist die einzige Macht im Nahen Osten, die in der Lage ist, Länder zu verbünden und Iran aufzuhalten. Für Netanyahu ist es noch ein Schattenbündnis, wie er sagt. Für andere ist es längst eine offene Allianz. Für die USA zum Beispiel, die in Iran eine Gefahr für die Region sehen, ist das Bündnis mit Saudi-Arabien ein wertvoller Schatz. Das Land könnte auch bei einem Friedensprozess mit den Palästinensern helfen.

— Shaul Yanai, Politikwissenschaftler der Universität Haifa

Israel und die USA hoffen, dass die Saudis Druck auf die Palästinenser ausüben. Saudi-Arabien, so die Hoffnung, soll die Palästinenser zu Zugeständnissen zwingen, die bisher als Tabu gelten, zum Beispiel auf Ost-Jerusalem als eigene Hauptstadt zu verzichten. Auch der getötete saudische Journalist Khashoggi beschäftigte sich mit diesen Themen. Die israelische Journalistin Smadar Perry von der Zeitung Jediot Acharonot kannte ihn persönlich.

Er war sehr an Israel interessiert. Damals war er noch Teil des saudischen Regimes. Er hatte immer einen Chef dabei, mal war es ein saudischer Prinz, mal ein Minister. Er hat sich mit mir unterhalten, um Informationen für sie zu gewinnen. Dann musste er Saudi-Arabien verlassen. Und die Dinge änderten sich.

— Smadar Perry, israelische Journalistin
Der getötete saudische Journalist Jamal Khashoggi: Seinetwegen überdenken einige Staaten ihren Umgang mit den Saudis. Foto: dpa | picture alliance

Smadar Perry glaubt, dass der Grund für die zögerliche Haltung der Israelis in Washington liegt. „Ich wird nicht Israel unabhängig agieren. Es braucht die Amerikaner. Trump berät sich mit Netanjahu. Dann entscheidet sich Trump. Und das wird dann passieren.“ Israel hat kein Interesse daran, dass der saudische Kronprinz bin Salman in dessen Heimat wegen der Affäre um den getöteten Journalisten unter Druck gerät. Das Land setzt fest auf stabile Verhältnisse und immer engere Verbindungen zum Königshaus. Vor einer Woche bekräftigte Israels Verkehrsminister Katz ein wahrhaft historisches Vorhaben: eine Zuglinie, die Saudi-Arabien Zugang zu Israels Häfen geben würde. Jamal Khashoggi, der saudische Journalist, war da bereits dreizehn Tage tot.

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Kommentare

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10 thoughts on “Schweigen in Jerusalem”

    gunther, Montag, 29.10.18, 12:01 Uhr

    Immerhin hat Abbas die Saudis gelobt. Am Tag nach dem Eingeständnis des Mordes an Koshoggi ließ Abbas erklären, Saudi Arabien sei ein Land der Gerechtigkeit, der Werte und Prinzipien. Ebenso unterstüt ...

    Immerhin hat Abbas die Saudis gelobt. Am Tag nach dem Eingeständnis des Mordes an Koshoggi ließ Abbas erklären, Saudi Arabien sei ein Land der Gerechtigkeit, der Werte und Prinzipien.
    Ebenso unterstützen Ägypten, Jemen, VAE, Bahrain, Oman, Kuwait, Dschibuti, Mauretanien und die Arabische Liga das Vorgehen der Saudis.

    martina, Freitag, 26.10.18, 0:38 Uhr

    hallo und wieder lese ich hier aussagen, die früher, sehr viel früher stimmten. gunther schreibt er war. tja. war wird hier von gunther genutzt um khashoggi in den dreck zu ziehen. aber selbst wenn er ...

    hallo und wieder lese ich hier aussagen, die früher, sehr viel früher stimmten. gunther schreibt er war.
    tja. war wird hier von gunther genutzt um khashoggi in den dreck zu ziehen.
    aber selbst wenn er heute noch der ansicht wäre, was nicht stimmt. wird hier wieder mal das deutsche gesetz missachtet. so nach dem motto, er war. das ist der einzigste kommentar auf die folterung und die hinrichtung von khashoggi.

    michael schreibt von häme bei alexander. selbst wenn das so ist, was widerlich ist. michael schreibt auf einmal dann von palästinensischer angelegenheit. für die palästinenser soll sich die ganze welt einsetzen. aber folter der hamas ist eine palästinensische angelegenheit. über israelische urteile soll sich die welt aufregen.

    was ist das für eine kommentierung?????

      Knut, Freitag, 26.10.18, 16:43 Uhr

      Hallo Martina, war diese Kommentierung jemals anders? Glaubenskrieger mit selektiver Wahrnehmung und autoritärer Argumentation halt. Empfahlst Du mir nicht einst, am besten gar nicht mehr darauf zu re ...

      Hallo Martina,

      war diese Kommentierung jemals anders? Glaubenskrieger mit selektiver Wahrnehmung und autoritärer Argumentation halt. Empfahlst Du mir nicht einst, am besten gar nicht mehr darauf zu reagieren…;-) ?

      Gruß

      gunther, Dienstag, 30.10.18, 10:57 Uhr

      Es ist eine Frage der Sprache. Wenn ein Mensch tot ist, kann ich nicht schreiben: er ist. Deshalb: er war. Ist das zu hoch?

      Es ist eine Frage der Sprache.
      Wenn ein Mensch tot ist, kann ich nicht schreiben: er ist.
      Deshalb: er war.
      Ist das zu hoch?

    gunther, Mittwoch, 24.10.18, 10:01 Uhr

    Khashoggi war Mitglied der Muslimbruderschaft. Er war ein großer Verehrer von bin Laden. Mit den Muslimbrüdern hat er gegen Saudi Arabien agitiert. Korrupte Geister spielen im Westjordanland, in Gaza ...

    Khashoggi war Mitglied der Muslimbruderschaft. Er war ein großer Verehrer von bin Laden.
    Mit den Muslimbrüdern hat er gegen Saudi Arabien agitiert.

    Korrupte Geister spielen im Westjordanland, in Gaza und im Iran ein ziemlich deckiges Spiel. Der Iran rüstet die Hisbollah auf, die ca. 100.000 Raketen und Geschosse auf Israel gerichtet hat.
    Nach deutschen Verfassungsschutzbehörden betreibt der Iran weiterhin den Einkauf von Technologie zur Herstellung von Atomwaffen.

    Die Verurteilung von Israel gemeinsam mit Antiamerikanismus ist Merkmal des Antisemitismus im 21. Jahrhundert.

    Michael K., Dienstag, 23.10.18, 23:02 Uhr

    Korrupte Geister spielen ein ziemlich dreckiges Spiel. Gute Beziehungen zu Saudi-Arabien (SA) sind gut für die Wirtschaft in den USA und sind nützlich für die Familie Trump. Der neue Diktator in SA br ...

    Korrupte Geister spielen ein ziemlich dreckiges Spiel. Gute Beziehungen zu Saudi-Arabien (SA) sind gut für die Wirtschaft in den USA und sind nützlich für die Familie Trump. Der neue Diktator in SA braucht gute Unterstützung vom Westen (USA) gegen Iran. u. um die Wirtschaft in SA zu reformieren. Israel braucht die USA gegen Iran u. um den Frieden mit den Palästinensern und pal. Vorteile abzuschaffen (UNWRA, usw). Amerikaner (Kutschner, Greenblatt, Halay, Bolton) fühlen sich berufen, jüdischer Aufschrift folgend (Netanyahu, Kutschner, Greenblatt), Frieden herzustellen. Also verbindet Kutschner und Co Israel mit SA. SA wirbt um die Gunst der USA, eine offene Tür nach Israel auch.Israel ist stolz auf diese Verbindung. Aber spielen Freiheit der Menschen, Gleichheit und Gerechtigkeit, Menschenrechte, Würde des Menschen eine Rolle? Unterdrückung, Herrschen statt Dienen ist der einigende Nenner. Die brutale Beseitigung eines Kritikers kommt ungelegen. Visionen und Moral fehlen

      ariel, Mittwoch, 24.10.18, 11:44 Uhr

      tja, die zeit spielt gegen die Palästinenser. die frage ist, warum die Palästinenser zur dieser Angelegenheit schweigen?

      tja, die zeit spielt gegen die Palästinenser.

      die frage ist, warum die Palästinenser zur dieser Angelegenheit schweigen?

    Alexander, Dienstag, 23.10.18, 16:01 Uhr

    Ich bin mal gespannt, ob dieser Blog über die Veröffentlichung des Human Rights Watch (HRW) zu Folter in Gaza und der Westbank berichtet.

    Ich bin mal gespannt, ob dieser Blog über die Veröffentlichung des Human Rights Watch (HRW) zu Folter in Gaza und der Westbank berichtet.

      Michael K., Mittwoch, 24.10.18, 13:11 Uhr

      Alexander, der HRW - Bericht ist eine berechtigte Kritik und Anklage gegen eine autokratische Führung der Palästinenser. Die Frage ist doch was man dagegen tut und tun kann. Du erfreust dich der Häme, ...

      Alexander, der HRW – Bericht ist eine berechtigte Kritik und Anklage gegen eine autokratische Führung der Palästinenser. Die Frage ist doch was man dagegen tut und tun kann. Du erfreust dich der Häme, die dieser Bericht erzeugt. das ist ziemlich billig. An sich ist es eine palästinensische Angelegenheit. Die sicherlich plausible Anklage ist keinesfalls Berechtigung ein Volk zu ignorieren, es zu vertreiben. es zu entrechten. Und das eine hat viel mit dem Anderen zu tun. Bedenke alleine die Anzahl der Palästinenser, die in die,Rolle eines israelischen Informanten getrieben werden und die Probleme die daraus entstehen. Da wo Menschen über andere Menachen bestimmen. entwickeln sich Brutstätten des Unrechts. Ein Sinn für die Entwicklung eines Gemeinwohls, dass Freiheit und freie Meinungsäußerung gewährt, wird dadurch unterbunden.

      Alexander, Mittwoch, 24.10.18, 14:39 Uhr

      Ich erfreue mich keiner Häme ob des Leides irgenjener Menschen, warum sagen Sie soetwas! Ich weise nur auf eine, aus meiner Sicht, etwas voreingenommene Themenauswahl dieses Bloges hin. Diese zeigt si ...

      Ich erfreue mich keiner Häme ob des Leides irgenjener Menschen, warum sagen Sie soetwas! Ich weise nur auf eine, aus meiner Sicht, etwas voreingenommene Themenauswahl dieses Bloges hin. Diese zeigt sich darin, dass in diesem Blog Israel-kritische Nachrichten eher aufgegriffen werden, als jene, die die palästinensische Autonomiebehörde kritisieren.