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Schlupfloch für die Liebe

Erstmals hat Israel per Internet geschlossene Zivilehen anerkannt – doch das Innenministerium will das nun unterbinden

Schon lange kämpfen säkulare Israelis dafür, in ihrem Land zivil heiraten zu können. Bislang mussten sie dafür ins Ausland fahren und die Ehe dann zu Hause registrieren lassen. Ein digitales Schlupfloch könnte die Reise nun überflüssig machen – zum Ärger der Religiösen.

Von Benjamin Hammer
Am 08.01.2021

Zwischen Israel und dem US-Bundesstaat Utah liegen über 11.000 Kilometer. Dennoch ließen sich zwei israelische Frauen dort im November trauen – und zwar vom Sofa aus – über das Internet. Die Beamtin war in Utah. Dort können Ehen auch digital geschlossen werden. Die beiden Israelinnen reichten die Hochzeitsurkunde aus den USA bei der zuständigen israelischen Behörde ein. Und die erkannte die zivile Ehe an – obwohl die beiden Frauen Israel für die Eheschließung gar nicht verlassen hatten. Yael Shilo, eine der beiden Frauen, war im Sender KAN voller Optimismus.

Ich erwarte, dass eines Tages auch in Israel zivile Eheschließungen möglich sein werden, die auch auf israelischem Boden geschlossen werden.

— Yael Shilo, säkulare Israelin

Im Jahr 1948 verkündete David Ben-Gurion die Gründung des Staates Israel. Ben-Gurion war ein Vertreter des säkularen Judentums. Doch der Premierminister war auch auf die Unterstützung der orthodoxen Rabbiner angewiesen. Und so sicherte er ihnen zu, dass der Status quo gewahrt bleiben würde. Dass die Rolle, die Religion in der Verwaltung des britischen Mandatsgebietes Palästina gespielt hatte, im Staat Israel nicht verändert werden würde. Und so sind Eheschließungen in Israel bis heute eine Sache der Religion. Sie können nur über das Oberrabbinat, in Moscheen oder in von Israel anerkannten Kirchen erfolgen. Die Konsequenzen sind für viele Israelis enorm: Gleichgeschlechtliche Ehen können in Israel nicht geschlossen werden. Gleiches gilt für Hochzeiten zwischen zwei Menschen, die verschiedenen oder gar keinen Religionen angehören. Eine Zivilehe gibt es nicht. Der einzige Ausweg führte viele Israelis bisher ins Ausland. Sie heirateten zum Beispiel auf Zypern. Die Zivilehe aus dem Ausland konnte dann in Israel registriert werden. In Zukunft könnte alles einfacher werden. Das ist zumindest die Hoffnung von jenen Israelis, die in ihrer Heimat nicht heiraten können oder wollen. Denn drei Internet-Eheschließungen wurden in den vergangenen Wochen von israelischen Behörden bereits anerkannt. Doch dann hat Innenminister Arye Dehri die Anerkennung gestoppt:

Ich bin auf diese Internetseite gestoßen und über die haben wir dann geheiratet. Die israelische Behörde hat dann unsere Unterlagen geprüft und gesagt, dass wir unsere israelische Eheurkunde im Amt abholen können. Aber als ich dort erschien, hieß es plötzlich, dass das doch nicht gehe.

— Shira Chofesh, säkulare Israelin

Das Innenministerium teilte mit, die Bearbeitung der entsprechenden Anträge sei ausgesetzt. Minister Dehri ist ein Vertreter des ultraorthodoxen Judentums. Dessen Rabbiner lehnen zivile Ehen in Israel ab. So äußerte sich zum Beispiel der Rabbiner Chaim Druckmann im Jahr 2017.

Ich hoffe, dass es hier niemals zivile Eheschließungen geben wird. Das wäre eine Katastrophe für das Volk Israels. Die Tatsache, dass Eheschließungen und Scheidungen seit Staatsgründung gemäß der Thora durchgeführt werden, stellt die Basis für die Besonderheit und Einheit des Volkes Israel sicher.

— Chaim Druckmann, Rabbiner

Innenminister Dehri ließ mitteilen, dass der Sachverhalt der Online-Ehen nun geprüft werde. Dann werde er eine Entscheidung treffen. Die Befürworter der Online-Eheschließungen ahnen nichts Gutes, weil Dehri einer ultra-orthodoxen Partei angehört. Und sie argumentieren, dass Dehri eine Anerkennung der Online-Ehen gar nicht verbieten darf.

Die Ehe-Urkunden des Staates Utah unterscheiden sich in keiner Weise von denen anderer US-Bundesstaaten. Hunderte von Paaren haben sich bereits bei uns registriert. Wir werden diese Paare trauen und es gibt keinen rechtlichen Grund, uns davon abzuhalten.

— Anwalt einer Agentur für Ehen im Ausland

Aus Sicht des Anwalts ist es nicht relevant, ob die Paare für die Eheschließung physisch im Ausland sind oder über das Internet in Israel getraut werden. Und so ist die Hoffnung bei vielen groß, dass das Schlupfloch für Zivilehen offen bleibt. Das Thema könnte auch im gerade anlaufenden Wahlkampf eine Rolle spielen. Säkulare Parteien wollen sich dafür einsetzen, dass auch ganz regulär Zivilehen in Israel möglich werden. Das wiederum lehnen die religiösen Parteien ab. Und die ultra-orthodoxen haben ein jahrzehntealtes Argument: Das Versprechen von Ben Gurion aus dem Jahr 1948, dass der Status quo gewahrt bleibt.

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1 thought on “Schlupfloch für die Liebe”

    Petra Leeb, Montag, 11.01.21, 18:22 Uhr

    Liebes Ard-Tel Aviv Team, könnt ihr mir bitte zur Sendung "Hummus für alle" mitteilen, von welchem Hummus-Stand aus Mike Lingenfelser die Sendung gemacht hat? Außerdem erwähnt er einen guten Hummus-La ...

    Liebes Ard-Tel Aviv Team,

    könnt ihr mir bitte zur Sendung „Hummus für alle“ mitteilen, von welchem Hummus-Stand aus Mike Lingenfelser die Sendung gemacht hat? Außerdem erwähnt er einen guten Hummus-Laden in Jaffo. Wie heißt der noch mal?

    Danke für die Tipps und die tolle Sendung,
    Petra