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Rotstift aus Washington

Die Streichung der finanziellen Hilfen der USA trifft die Palästinenser, vor allem im Gazastreifen

Die UN-Lebensmittelhilfen werden im neuen Jahr zum Teil gestrichen – und auch Entwicklungshilfeprojekte, die bisher von USAID unterstützt wurden, sind 2019 von Kürzungen betroffen.

Von Tim Assmann
Am 30.12.2018

Matthias Schmale wusste, dass er keinen leichten Job annahm, als er 2017 Direktor des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen für die Palästinenser im Gazastreifen wurde. Aber damit, dass die USA ihre Zahlungen an das Hilfswerk einstellen würden, hatte Schmale nicht gerechnet.

Dass der größte Geldgeber mehr oder weniger von heute auf morgen wegbricht, das ist eine Herausforderung, die ich so nicht vorhergesehen habe.

— Matthias Schmale, UNRWA-Direktor im Gazastreifen
Schwere Zeiten für den UNRWA-Chef im Gazastreifen, Matthias Schmale. Foto: dpa | picture alliance

Das Hilfswerk, abgekürzt UNRWA, ist im abgeriegelten und verarmten Gazastreifen der Rettungsanker für einen Großteil der Bevölkerung. Es versorgt palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen mit Lebensmitteln, betreibt Gesundheitszentren und Schulen und beschäftigt rund 13.000 Menschen – die meisten Lehrer. Das alles geht nur mit Spendengeldern der internationalen Staatengemeinschaft. Anfang 2018 gaben die USA ihren Rückzug aus der Finanzierung des Hilfswerks bekannt. Schon wenige Monate später musste Matthias Schmale im Gazastreifen erste Konsequenzen ziehen und rund 100 Mitarbeiter entlassen. 500 weitere können nur noch in Teilzeit beschäftigt werden. Stolz ist Schmale darauf, dass die Lebensmittelhilfe für mehr als eine Million Menschen aufrechterhalten werden konnte – auch weil andere Geldgeber einsprangen.

Uns ist im Juni das Geld komplett ausgegangen und wir haben es geschafft, diese Hilfe weiterzuführen bis Ende des Jahres, über neue Mittel und Umschichtungen und ein internes Darlehen. Das ist wichtig im gegenwärtigen Kontext hier in Gaza.

— Matthias Schmale, UNRWA-Direktor im Gazastreifen

Doch nun müssen die Lebensmittelhilfen der Vereinten Nationen im Gazastreifen und im Westjordanland doch gekürzt und zum Teil sogar gestrichen werden. Das Welternährungsprogamm der UN wird im neuen Jahr 27.000 bedürftigen Palästinensern gar keine Lebensmittelgutscheine mehr geben können. 165.000 weitere Betroffene bekommen künftig weniger Unterstützung, erklärt Stephen Kearney, der Leiter des Welternährungsprogramms in den palästinensischen Gebieten.

In diesem Jahr zahlten wir pro Person zehn Dollar im Monat, damit die nötigsten Lebensmittel gekauft werden konnten. Das lag unter dem Durchschnitt des Armutsniveaus, aber es half, durchzuhalten. Wir kürzen nun um 20 Prozent auf acht Dollar. Ein erheblicher Einschnitt, der nicht nur die Empfänger trifft, sondern auch die örtliche Wirtschaft.

— Stephen Kearney, Leiter des Welternährungsprogramms in den palästinensischen Gebieten

Die Einschnitte sind nötig, weil die USA und andere Geldgeber ihre Unterstützung zurückgefahren haben. Es drohen weitere Kürzungen. Nach Angaben des Welternährungsprogramms fehlen 57 Millionen US-Dollar, um die Lebensmittelhilfe im neuen Jahr aufrechterhalten zu können.

Die Menschen, die wir versorgen, sind die Schwächsten in Palästina und wir wissen, dass wir sie nun neuen Ängsten aussetzen und ihre Verzweiflung steigern. Das Welternährungsprogramm wird alles versuchen, um die Finanzierungslücke zu schließen.

— Stephen Kearney, Leiter des Welternährungsprogramms in den palästinensischen Gebieten

Das Programm verteilt Lebensmittelgutscheine, mit denen die betroffenen Palästinenser in lokalen Geschäften einkaufen können. Auch dieser arbeitslose Vater von drei Kindern aus dem Gazastreifen bekommt die Gutscheine: „Bei der aktuellen Wirtschaftslage bin ich zu 70 bis 80 Prozent davon abhängig. Es gibt nirgendwo Jobs und sehr viele Arbeitslose in der Stadt. Deshalb hilft mir das Programm, die nötigsten Bedürfnisse zu decken.“ Nicht nur die Programme der Vereinten Nationen in den Palästinensergebieten sind vom Finanzierungsrückzug der USA betroffen. Weil sich auch die staatliche Entwicklungshilfebehörde USAID zurückzieht, sind Entwicklungsprojekte betroffen, die von der Behörde unterstützt wurden. Im neuen Jahr werden sich auch diese Kürzungen auswirken.

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Kommentare

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13 thoughts on “Rotstift aus Washington”

    martina, Mittwoch, 09.01.19, 16:25 Uhr

    hallo. man kann sich bürgerkrieg wünschen, damit die hamas von der regierung wegkommen. das kann "gut enden" südafrika, oder nicht, syrien..... und jeder hier weiß, das die hamas diktatorisch regiert ...

    hallo.
    man kann sich bürgerkrieg wünschen, damit die hamas von der regierung wegkommen. das kann „gut enden“ südafrika, oder nicht, syrien…..
    und jeder hier weiß, das die hamas diktatorisch regiert und nicht fragt, für was das geld ausgegeben werden soll. und es auch keine wahlen gibt.
    es fordern hier alle einen bürgerkrieg oder flucht. denn freiwillig wird die hamas nicht abtreten.
    und jordanien sieht gazaner nicht als eigene landsleute. deswegen finde ich das
    zynisch.
    und ich frage mich, ob alle, die hier einen bürgerkrieg fordern, klar ist, das sie direkt daneben wohnen.
    gruß

    Alexander, Freitag, 04.01.19, 11:30 Uhr

    Ist das nicht insgesamt eine gute Entwicklung? Die Menschen sollen spüren, was Ihnen die Hamas bringt.

    Ist das nicht insgesamt eine gute Entwicklung? Die Menschen sollen spüren, was Ihnen die Hamas bringt.

    norbert, Mittwoch, 02.01.19, 8:10 Uhr

    vieleicht sollten die palästinenser einfach mal damit aufhören,den usa und den amerikaner den tod zu wünschen.herr trump hat nicht in deutschland sozialpädagogik studiert,und hat für ein solches verha ...

    vieleicht sollten die palästinenser einfach mal damit aufhören,den usa und den amerikaner den tod zu wünschen.herr trump hat nicht in deutschland sozialpädagogik studiert,und hat für ein solches verhalten nun mal kein verständnis.

    Michael K., Mittwoch, 02.01.19, 0:36 Uhr

    Wenn man die Kommentare hier liest, dann kann man nur sagen "Hier wendet sich der Gast(-leser) mit Grausen". Selten von so viel Abgestumpftheit gelesen.- Und das die Amerikaner die benötigten finanzie ...

    Wenn man die Kommentare hier liest, dann kann man nur sagen „Hier wendet sich der Gast(-leser) mit Grausen“. Selten von so viel Abgestumpftheit gelesen.- Und das die Amerikaner die benötigten finanziellen Mittel für eine unterdrückte Bevölkerung streichen, welche sie auf Grund ihrer Unterdrückung nicht selbst erbringen kann, aber der brutalen Besatzungsmacht und ihrer illegalen Besiedlung palästinensischen Landes grosszügige und unkritische Hilfsleistungen militärischer Art zukommen lassen, das ist ganz einfach pervers, ja ungeheuerlich.

    Alexander, Montag, 31.12.18, 18:11 Uhr

    Man könnte ja den Palästinensern dort den Rat geben, die Raketen der Hamas zu verkaufen und dafür Lebensmittel zu kaufen. Für Raketen und Essen reichen nun mal die UN-Hilfen nicht.

    Man könnte ja den Palästinensern dort den Rat geben, die Raketen der Hamas zu verkaufen und dafür Lebensmittel zu kaufen. Für Raketen und Essen reichen nun mal die UN-Hilfen nicht.

    Christoph, Montag, 31.12.18, 13:03 Uhr

    Das Elend der Palästinenser zu zementieren indem man sie füttert, während die Hamas ihr Geld in Tunnelbauten steckt, ist Antisemitismus, wie er direkter kaum geht! Als Erstes gehört die UNRWA aufgelös ...

    Das Elend der Palästinenser zu zementieren indem man sie füttert, während die Hamas ihr Geld in Tunnelbauten steckt, ist Antisemitismus, wie er direkter kaum geht! Als Erstes gehört die UNRWA aufgelöst der UNHCR unter deren Regeln zugeschlagen werden. Es gibt (so gut wie keine) keine Flüchtlinge von 1948 mehr, das ist die größte Lüge der UNRWA, das man einen Flüchtlingsstatus vererben kann. Und es sind alles Ägypter, Syrer und LIbanesen, die da wohnen und ihren Hass auf Israel mit EU-finanzierten Terror-Schulheften pflegen! Der jordanische König hat mal gesagt, dass das eigentliche Palästina in Jordanien liegt. Auf, auf, liebe Palästinenser, DAS ist euer Land. Der Rest der ehemaligen Wüste mit ein paar Beduinen ist seit 100 Jahren vom Völkerbund den Israelis versprochen (eigentlich auch Jordanien, aber das sind Feinheiten, die die Engländer zu verantworten haben).
    Wer was Anderes sagt, agitiert gezielt gegen die deutsche Regierung und offizielle Festlegungen.

    ariel, Sonntag, 30.12.18, 16:46 Uhr

    man kann entweder raketen oder brott haben. beides geht nicht.

    man kann entweder raketen oder brott haben. beides geht nicht.

    Lotte, Sonntag, 30.12.18, 14:13 Uhr

    Die verschiedenen Blog-Beiträge der ARD über die Weihnachtsfeiertage habe ich mitgelesen ... und fand sie auch interessant (auch weil sie hintereinander beim Thema blieben). Doch habe ich mich gefragt ...

    Die verschiedenen Blog-Beiträge der ARD über die Weihnachtsfeiertage habe ich mitgelesen … und fand sie auch interessant (auch weil sie hintereinander beim Thema blieben).
    Doch habe ich mich gefragt:
    Hoffentlich predigt nicht wieder jemand das Jesuskind als „Palästinenser“ bzw. „palästinensisches Füchtlingskind“ ?!
    Wie kommt es an, wenn Jesus als „jüdisches Baby“ und „Jude“ (was er definitiv war) gepredigt und wahrgenommen wird ?
    Und:
    Wenn man, die ARD aus dem einzig jüdischen Staat der Welt mit Mehrheitsreligion „Judentum“ berichtet und zur Kenntnis nimmt, dass die meisten Deutschen kaum bis gar keinen Kontakt zu Juden oder Wissen über die jüdische Religion (und Schattierungen/Strömungen) hat sowie der Antisemitismus mit erschreckend alten Vorurteilen (Lügen) weltweit wieder salonfähig aufblüht: wäre eine solche Reihe ausführlicher Berichterstattung (Wissensvermittlung) an den zurückliegenden jüdischen Feiertagen von Rosh Hashana über Jom Kippur bis Hanukkah nicht dran gewesen?

      gunther, Dienstag, 01.01.19, 11:14 Uhr

      Woran das wohl liegt, dass nichts kam? Frei nach Tucholsky: Will man nicht oder ...?

      Woran das wohl liegt, dass nichts kam?
      Frei nach Tucholsky: Will man nicht oder …?

      Lotte, Mittwoch, 02.01.19, 14:41 Uhr

      "Im Bett soll man nur leichte und unterhaltende Lektüre zu sich nehmen, sowie spannende und beruhigende, ferner ganz schwere, wissenschaftliche und frivole sowie mittelschwere und jede sonstige, ander ...

      „Im Bett soll man nur leichte und unterhaltende Lektüre zu sich nehmen,
      sowie spannende und beruhigende, ferner ganz schwere,
      wissenschaftliche und frivole sowie mittelschwere und jede sonstige,
      andere Arten aber nicht“

      (Kurt Tucholsky)
      (bei mir neben Bett und über Bücherstapel … lache fast jeden Abend)

      „Weiter Blick“/1.Schritt und „Unterscheidung der Geister“/2.Schritt … was jeder für sich selbst verantwortet.
      „Schweigen/Totschweigen“ (oder nach Elie Wiesel „Gleichgültigkeit“) war für mich noch nie eine Lösung.

    Lotte, Sonntag, 30.12.18, 13:48 Uhr

    Doch, doch, Herr Schmale, genau das war abzusehen. Wie wäre es damit, dass die Palästinenser ihre korrupten, undemokratischen, machtversessenen Führer endlich "in die Wüste" schicken - ohne noch schli ...

    Doch, doch, Herr Schmale, genau das war abzusehen.
    Wie wäre es damit, dass die Palästinenser ihre korrupten, undemokratischen, machtversessenen Führer endlich „in die Wüste“ schicken – ohne noch schlimmere Führer danach zu wählen – und unter Anerkennung des Existenzrechtes Israels, unter Anerkennung des Existenzrechtes von Juden weltweit, in echte Friedensverhandlungen eintreten würden.
    Zum Wohle ihrer Bevölkerung.
    Mit Terrortunnel, Raketenbeschuss, verbrannte Erde und Selbstmordattentaten gegen Zivilisten, lebenslangen Zahlungen an die Familien der Attentäter verspielt man die Zukunft der eigenen Kinder.

    gunther, Sonntag, 30.12.18, 10:24 Uhr

    Vorschlag: Hamas steckt Geld nicht mehr in Raketen und Tunnel. UNRWA bekommt genauso viel Geld pro "Flüchtling" wie UNHCR, die 50 Millionen Flüchtlinge betreut. Die Renten für Terehrroristen und ihre ...

    Vorschlag: Hamas steckt Geld nicht mehr in Raketen und Tunnel.
    UNRWA bekommt genauso viel Geld pro „Flüchtling“ wie UNHCR, die 50 Millionen Flüchtlinge betreut.
    Die Renten für Terehrroristen und ihre Familien werden gestrichen. Wären dann 300 Mio. Dollar mehr für Gaza.

    Alexander, Sonntag, 30.12.18, 9:39 Uhr

    Hat die Hamas nicht genug Geld?

    Hat die Hamas nicht genug Geld?