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Rasende Gefahr

E-Bikes sind in Tel Aviv im Trend – doch die Zahl der Unfälle steigt. Sogar der Premierminister schaltet sich nun ein.

Mit bis zu 25 Kilometern pro Stunde düsen Tel Aviver auf ihren E-Bikes durch die Stadt: meist ohne Helm, manchmal auf Gehwegen, und oft ohne sich an die Verkehrsregeln zu halten. Die israelische Politik will die E-Bikes nun besser regulieren.

Von Benjamin Hammer
Am 15.10.2018

Die Staus von Tel Aviv können für Autofahrer nervtötend sein. Ein klassisches Fahrrad ist im langen, extrem heißen Sommer von Israel aber auch oft keine Alternative. Viele Israelis fahren deshalb ohne große Anstrengung mit E-Bikes durch die Stadt – und durch den Stau. „Das ist super praktisch“, sagt ein Jugendlicher im israelischen Fernsehen. „Ich bin damit selbstständig“. Ein anderer Junge fügt hinzu: „Mit dem E-Bike bin ich viel schneller als der Bus.“ In Israel gibt es laut Schätzungen 200.000 E-Bikes, Tendenz: steigend. Einmal angeschafft, sind die Betriebskosten sehr niedrig. Und die Umweltbilanz ist auch noch gut. Doch die Verkehrsmittel sorgen bei den Israelis längst nicht mehr nur für Begeisterung.

16 E-Biker kamen dieses Jahr bereits ums Leben

Ein Internetvideo zeigt, was alles schiefgehen kann: Ein E-Biker fährt bei Rot über eine Kreuzung. Ein Auto biegt ab und kommt nur kurz vor dem Fahrradfahrer zum Stehen. Später im Video wird ein E-Bike-Fahrer von einem Taxi erfasst. Er bleibt unverletzt. Doch für viele Fahrer geht es nicht so glimpflich aus. Manchmal liegt es am riskanten Fahrstil der E-Biker, manchmal an rücksichtslosen Autofahrern. Nach Zahlen der israelischen NGO „Grünes Licht“ – die sich für Verkehrssicherheit einsetzt – wurden im vergangenen Jahr bei Unfällen mit E-Bike-Beteiligung 2185 Menschen verletzt, vier Mal mehr als drei Jahre zuvor. Und auch das ist eine traurige Bilanz: In diesem Jahr kamen in Israel bereits 16-E-Bike-Fahrer ums Leben. Einer von ihnen ist der Sohn eines bekannten israelischen Regisseurs. Der 17-Jährige wurde von einem Auto überfahren, als er mit dem E-Bike unterwegs war. Der Vorfall wurde zum großen Thema in den israelischen Medien. Und sogar der israelische Premierminister reagierte: Die E-Bikes und der Verkehr müssten besser reguliert werden. Aber ob das was bringt? Yaniv Yaakov von der Verkehrs-NGO „Grünes Licht“ fordert mehr Radwege.

Wenn die Radfahrer ihre eigenen Wege haben, gibt es keine Konflikte, keine Unfälle mit Autos. Und dann fahren die E-Biker auch nicht mehr auf den Gehwegen und gefährden Fußgänger. Der Staat muss das Fahrradfahren fördern. Aber statt neue Fahrradwege zu bauen, schieben die Politiker die Verantwortung hin und her.

— Yaniv Yaakov, Verkehrs NGO „Grünes Licht“
Klein und flott: Bis zu 25 Stundenkilometer fahren die E-Bikes in Israel. An jeder Ecke in Tel Aviv findet man Shops, die solche Räder anbieten. Foto: BR | Jakob Mayr

Die Stadt Tel Aviv will nun weitere Radwege bauen. Ein neues Gesetz sieht vor, dass Jugendliche, die E-Bikes fahren, ein Verkehrssicherheitstraining absolvieren. Gehwege sind für die E-Biker laut Gesetz ohnehin tabu. Aber manche Fahrer ignorieren die Regel und heizen mit Tempo 25 über den Bürgersteig. Immerhin: Seit einiger Zeit verteilen Mitarbeiter der Stadt Tel Aviv Knöllchen, wenn sie einen E-Biker auf dem Gehweg erwischen. Mit Erfolg: Die Zahl der Bürgersteig-Raser ist deutlich zurückgegangen.

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2 thoughts on “Rasende Gefahr”

    Heinz, Dienstag, 16.10.18, 10:19 Uhr

    Ich finde es auch unheimlich störend, dass die Fahradfahrer (elektrisch oder analog) meistens auf dem Gehweg fahren. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das selbst auch mache. Die meisten Israelis s ...

    Ich finde es auch unheimlich störend, dass die Fahradfahrer (elektrisch oder analog) meistens auf dem Gehweg fahren. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das selbst auch mache. Die meisten Israelis sind einfach schlechte Autofahrer und ich fahre lieber einen Fußgänger um, als von einem Bus erwischt zu werden, der mit 80 Sachen durch die Innenstadt brettert. Das ist zwar nicht sehr nett dem Fußgänger gegenüber, aber wenigstenst stirbt dabei keiner.
    Ich kann mich daher Renates Kommentar uneingeschränkt anschließen, es braucht mehr Radwege.

    Renate, Montag, 15.10.18, 13:24 Uhr

    Ich bin bis 2017 immer mit meinem normalen Fahrrad in Tel Aviv unterwegs gewesen. Mehrmals hatte ich Beinahe-Zusammenstöße mit Autos oder mit EBikern. Seit letztem Jahr bin ich wieder auf den Bus umge ...

    Ich bin bis 2017 immer mit meinem normalen Fahrrad in Tel Aviv unterwegs gewesen. Mehrmals hatte ich Beinahe-Zusammenstöße mit Autos oder mit EBikern. Seit letztem Jahr bin ich wieder auf den Bus umgestiegen bzw laufe viel, weil es mir zu gefährlich geworden ist. Allerdings als Fußgänger auf dem Gehweg vom EBike angefahren zu werden ist schon auch sehr wahrscheinlich. Ja, Fahrradwege wären wirklich sehr sehr hilfreich.