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Rätselhafte Pilgerstätte

In Beit Schemesch sind Bauarbeiter auf einen byzantinischen Kirchenkomplex gestoßen

Vor 1500 Jahren besuchten Pilger die Kirche zwischen Jerusalem und Tel Aviv, die Archäologen nun ausgegraben haben. Gewidmet wurde sie einem glorreichen, aber rätselhaften Märtyrer. 

Von Tim Assmann
Am 02.11.2019

Vorsichtig schabt ein Archäologe mit einem speziellen Werkzeug über den Steinboden. Immer deutlicher treten Form und Farbe eines Mosaiks hervor. Vor 1500 Jahren schritten Pilger über diesen Boden und bewunderten, die damals wahrscheinlich noch kräftigen Farben. Am Rande des großflächigen Mosaiks steht Benjamin Storchan, der Leiter der Ausgrabungen.

Wir haben in den vergangenen drei Jahren außerordentliche Reste eines byzantinischen Kirchenkomplexes entdeckt. Er bestand aus einer Basilika, einem Atrium und einem zusätzlichen Hof.

— Benjamin Storchan, Ausgrabungsleiter
Vor 1500 Jahren gingen Pilger über dieses Mosaik. Foto: dpa | picture alliance

All das war über hunderte von Jahren im Boden verborgen und wurde nur durch Zufall entdeckt. Am Rande von Beit Schemesch, zwischen Jerusalem und Tel Aviv, stießen Bauarbeiter auf die ersten Funde. Dann kamen die Experten rund um Benjamin Storchan für sogenannte Rettungsgrabungen. Archäologische Funde sind in Israel nicht ungewöhnlich. Diese Entdeckung aber ist wirklich besonders, sagt Storchan.

Die Geschichte dieser Kirche beginnt im sechsten Jahrhundert. Eine Inschrift, die wir im Hof entdeckten, besagt, dass die Stätte einem glorreichen Märtyrer gewidmet war. Seinen Namen haben wir nicht gefunden. Die Identität des Märtyrers ist noch ein Rätsel.

— Benjamin Storchan, Ausgrabungsleiter
Archäologische Funde sind in Israel nicht ungewöhnlich. Diese in Beit Schemesch allerdings schon. Foto: dpa | picture alliance

Das byzantinische Gotteshaus von Beit Schemesch war also eine Pilgerkirche, da sind sich die Archäologen sicher. Auch die außerordentliche große und gut erhaltene Krypta der Kirche spricht für diese These. Eine für ihre Zeit ungewöhnliche breite Treppe führt hinunter und ist Indiz dafür, dass die Kirche für viele Pilger ausgelegt war.

Wir sind jetzt am heiligsten Platz der Kirche, der Krypta unterhalb des Altars. Der Zugang führt über eine Doppeltreppe, um Pilger hinein und hinaus zu lassen, ohne die religiösen Abläufe zu stören. So eine Konstruktion ist sehr selten. Wir kennen nur vier Kirchen mit dieser Art von Krypta.

— Benjamin Storchan, Ausgrabungsleiter
Die Krypta der Kirche ist bis heute gut erhalten. Sie ist ein Beweis, dass die Kirche für Pilger gedacht war. Foto: dpa | picture alliance

Die Archäologen fanden rund 300 intakte Öllampen aus Ton und gehen davon aus, dass es sich um Opfergaben der Pilger handelt. Die Lampen stammen wahrscheinlich aus dem neunten Jahrhundert. Mindestens so lange wurde also zu der Kirche gepilgert. In der byzantinischen Epoche war das Heilige Land Mittelpunkt des Christentums im Römischen Reich, erzählt Yehuda Kaplan. Er ist Kurator im Museum des Biblischen Landes in Jerusalem. Dort ist ein Teil der Funde aus Beit Schemesch ausgestellt.

Es ist das Phänomen, das wir auch heute sehen. Es begann im vierten, fünften Jahrhundert und dauert an. Viele Touristen, die hierher kommen, versuchen, an einer religiösen Erfahrung teilzunehmen.

— Yehuda Kaplan, Kurator im Museum des Biblischen Landes

Die Rettungsgrabungen in Beit Schemesch sind beendet. Auf Basis der Funde wollen die Forscher nun herausfinden, welchem Märtyrer die Pilgerkirche gewidmet war.

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