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Proteste gegen den ESC

Während Israel dem Song Contest entgegenfiebert, rufen die Palästinenser zum Boykott auf 

Viele Palästinenser lehnen den ESC in Israel ab: Die BDS-Bewegung plant Protestaktionen. Auch lesbische und schwule Aktivisten machen gegen den Song Contest Stimmung, obwohl es in der schwulen Community sonst viele Eurovision-Fans gibt. Ein Beitrag von BR-Reporter Björn Dake. 

Von Studio Tel Aviv
Am 10.05.2019

Die Palästinenserin Haneen Maikey sitzt in einem Büro in einem Hinterhaus im Osten Jerusalems. Die genaue Adresse gibt sie erst kurz vorher am Telefon durch. Das Treppenhaus ist schummerig, ein Klingelschild gibt es nicht. Maikey arbeitet für die Organisation alQaws – übersetzt: der Regenbogen. Sie setzt sich für Schwule und Lesben in den palästinensischen Gebieten und in der arabischen Bevölkerung in Israel ein. Als ich sie nach dem Eurovision Song Contest in Tel Aviv frage, verdreht sie die Augen.

Das ist Teil des ‚Pinkwashing‘. Sie wollen von den israelischen Kriegsverbrechen gegen Palästinenser ablenken, indem sie sagen: Wir sind eine schwulen-freundliche, offene, spaßige, großartige Stadt.

— Haneen Maikey, alQaws
In der LGBT-Szene kommt der Song Contest für gewöhnlich gut an – nicht aber in den palästinensischen Gebieten. Foto: dpa | picture alliance

Pinkwashing bedeutet, etwas rosa zu färben. Tel Aviv macht gezielt Werbung in der schwulen Community. Dort gibt es auch besonders viele Eurovision-Fans. Die Stadt rechnet damit, dass mehr als 10.000 ausländische Touristen extra zum ESC kommen. Aktivistin Maikey wünscht sich, dass sie nicht nur an die Partynächte am Strand denken, sondern auch an die Probleme der Region.

Ignoranz ist heutzutage inakzeptabel. Die Nachrichten über Israel und Palästina, ‚Pinkwashing‘ – wir leben in einer Zeit, in der Informationen darüber verfügbar sind.

— Haneen Maikey, alQaws

Omar Barghouti empfängt in einem Kellergeschoss in Ramallah im Westjordanland, dem Sitz palästinensischer Nicht-Regierungsorganisationen. Barghouti ist einer der Gründer von BDS. Das steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen. Die Bewegung will Israel wirtschaftlich, politisch und kulturell isolieren. Sie hat schon einige internationale Künstler dazu gebracht, ihre Auftritte in Israel abzusagen. Barghouti betont: Er habe grundsätzlich nichts gegen den ESC. Seiner Meinung nach wird er aber politisch benutzt.

Eurovision in Tel Aviv während einer jahrzehntelangen Militärbesatzung ist ein politisches Statement. Es ergreift Partei für die Besatzer, nicht für die Besetzten. Eurovision wäre ja auch nicht in Südafrika während der Apartheid veranstaltet worden. Warum ist es in Apartheids-Tel-Aviv in Ordnung?

— Omar Barghouti, BDS-Gründer
Omar Barghouti ist der Gründer der BDS Bewegung und hält den Boykott des ESC in Tel Aviv für richtig. Foto: dpa | picture alliance

Barghouti findet, man könne den ESC in diesem Umfeld nicht als harmlosen Musikwettbewerb sehen. Er ruft die Künstler deshalb auf, Tel Aviv fernzubleiben. Seit zwei Jahren gibt es in Israel ein Gesetz, dass ausländischen Unterstützern der BDS-Bewegung die Einreise verbietet. Barghouti rechnet aber trotzdem mit Protesten.

Es wird in Tel Aviv sicherlich einige Aktivitäten geben. Wir kennen die Pläne unserer israelischen Partner nicht und wollen sie auch gar nicht kennen. Aber es wird verschiedene Arten des Protests geben.

— Omar Barghouti, BDS-Gründer

Die israelische Regierung hat nach eigenen Angaben vor wenigen Tagen ein Netzwerk von Bots und gefälschten Twitter-Konten aufgespürt. Darüber seien Boykott-Aufrufe verbreitet worden. Israels Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad  Erdan, sagte, BDS versuche jede betrügerische Methode, um Israel anzugreifen. Immer wieder wird der Bewegung Antisemitismus vorgeworfen. Omar Barghouti weist das zurück.

BDS ist verankert in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Wir lehnen alle Formen des Rassismus ab – auch Antisemitismus. Die meisten BDS-Unterstützer in Berlin sind zum Beispiel Juden. Sie sind Teil der Bewegung, weil sie sich nicht gegen irgendjemanden wendet, sondern gegen Unterdrückung und für Menschenrechte.

— Omar Barghouti, BDS-Gründer

Haneen Maikey kämpft mit ihrer Organisation alQaws dafür, dass Schwule und Lesben in der konservativen palästinensischen Gesellschaft eine Stimme bekommen. Ihrer Community sei der Eurovision Song Contest vor alle eins: ziemlich egal. „Ich kenne den ESC nicht, ich habe ihn nie gesehen und kennen keinen, der das tut. Weiter geht’s.“

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Kommentare

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11 thoughts on “Proteste gegen den ESC”

    sonic kid, Donnerstag, 23.05.19, 14:52 Uhr

    Hat die palästinensische Queer-Aktivistin tatsächlich den Eurovision als Pinkwashing bezeichnet? Also mindestens aus dieser zivilgesellschaftlichen Richtung hätte ich (wenigstens partielle) Israelsymp ...

    Hat die palästinensische Queer-Aktivistin tatsächlich den Eurovision als Pinkwashing bezeichnet? Also mindestens aus dieser zivilgesellschaftlichen Richtung hätte ich (wenigstens partielle) Israelsympathien erwartet. Aber wenn die israelische Regierung anders als diejenigen Palästinas solch einen Event unterstützt und auch sonst immerhin in Tel Aviv ausgesprochen queer-positiv ist, ist das wohl alles ein perfider Trick, um die Weltbevölkerung irre zu führen? Mag sie meinetwegen Kritik an israelischer Vergrößerung des Staatsgebiets äußern, aber zumindest auf dem Gebiet von LGBTTIQ*-Rechten ist Israel doch wirklich weiter als der größte Teil der restlichen Welt. Nicht ohne Grund flüchten etliche Lesben und Schwule aus den palästinensichen Gebieten nach Israel.

    Lotte, Sonntag, 12.05.19, 12:54 Uhr

    Die eindeutigen Verknüpfungen von arabischen Nationalismus-Bewegungen incl. Großmufti und deutschem Nationalsozialismus kann man recht gut bei Tom Segev (auch weder rechtsnational noch ultrareligiös) ...

    Die eindeutigen Verknüpfungen von arabischen Nationalismus-Bewegungen incl. Großmufti und deutschem Nationalsozialismus kann man recht gut bei Tom Segev (auch weder rechtsnational noch ultrareligiös) nachlesen.
    Erlaubt sei auch die Frage, warum bei palästinensischen Protesten in der heutigen Zeit immer wieder Hakenkreuze auftauchen.

    BDS muss man einfach mal im Verlauf ihres Auftretens insbesondere weiteren Agumentation erlebt haben.
    Es klingt anfänglich so harmlos und berechtigt (z.B. „Kennzeichnungspflicht, damit der Endverbraucher entscheiden kann“ … gegen Kennzeichnungen von Produkten habe ich in der Regel auch nichts, im Gegenteil), bis … letztendlich Israels „so“ Dasein.
    Meine persönliche Erleuchtung war das Benutzen/Missbrauchen einer anderen Veranstaltung; eine harmlose „Pace“-Fahne wurde ausgerollt, Flugblätter mit Angabe von Produkten/Firmen wurden verteilt, alles ganz „softig und friedensbewegt“ im Ton, knallhart und ohne jede Diskussionsmöglichkeit in der Sache.

    Florian, Sonntag, 12.05.19, 7:35 Uhr

    Der "taz" wird niemand unterstellen wollen, besonders israelfreundlich zu sein. Immerhin hat die "taz" jetzt festgestellt, dass BDS eindeutig antisemitisch ist. BDS verwendet SS-Runen! Die Nähe von ma ...

    Der „taz“ wird niemand unterstellen wollen, besonders israelfreundlich zu sein. Immerhin hat die „taz“ jetzt festgestellt, dass BDS eindeutig antisemitisch ist. BDS verwendet SS-Runen! Die Nähe von manchen Arabern zum Nationalsozialismus ist offensichtlich. Manch einem hier würde es gut tun, die Geschichte des Großmufti von Jerusalem und seiner Beziehungen zu den Nazi-Größen nachzulesen. Hitler war in seinen Kontakten mit dem Großmufti sehr angetan von dessen Vernichtungsvorstellungen gegen Juden.

    Das ist die Tradition von BDS und Omar Barghouti. Manchmal lohnt es sich, wissenschaftliche Literatur zur Kenntnis zu nehmen.

    Könnte es sein, dass die sog. Palästinenser wissen, dass sie unfähig sind, einen eigenen Staat zu führen? Da ist es doch besser, Israel zu vernichten. Was danach kommt, ist Elend. Dann gibt es wieder Millionen Dollars.

    arievl, Sonntag, 12.05.19, 6:51 Uhr

    Omar Barghouti hat sich mehrmals gegen eine zwei staaten loesung ausgesprochen. Seiner meineung nach verdienen juden keinen staat, da sie keinen volk sind. seine ehrlichste aussage ist, dass er nicht ...

    Omar Barghouti hat sich mehrmals gegen eine zwei staaten loesung ausgesprochen. Seiner meineung nach verdienen juden keinen staat, da sie keinen volk sind. seine ehrlichste aussage ist, dass er nicht nur gegen besatzung, sondern auch gegen israels existenz an sich ist.

      Axel Stolpe, Sonntag, 12.05.19, 14:53 Uhr

      Lieber arievl, was den Palästinensern nicht gesagt wird, dass der Koran den Juden sehr viel mehr Land zugesteht. Weite Teile von Syrien, Jordanien und Ägyptens. Doch in den Moscheen wird man davon nix ...

      Lieber arievl, was den Palästinensern nicht gesagt wird, dass der Koran den Juden sehr viel mehr Land zugesteht. Weite Teile von Syrien, Jordanien und Ägyptens. Doch in den Moscheen wird man davon nix hören. Und auch nicht von Hamas und Fatah und den ganzen anderen Selbstbereicherern. Aber es gibt zu diesen Thema Videos auf Youtube, dessen Links ich hier aber nicht schreiben darf.

    Lotte, Samstag, 11.05.19, 14:03 Uhr

    Die Verquickung von Nakba-Gedenktagen (ohne jegliche Reflektion des Eigenanteils) und BDS-Aktivitäten fällt immer wieder auf. Zuletzt mal wieder diese Woche, mal wieder in Berlin "Palästinenser attack ...

    Die Verquickung von Nakba-Gedenktagen (ohne jegliche Reflektion des Eigenanteils) und BDS-Aktivitäten fällt immer wieder auf.
    Zuletzt mal wieder diese Woche, mal wieder in Berlin „Palästinenser attackieren israelischen Musiker“.

    Lotte, Freitag, 10.05.19, 17:55 Uhr

    Beschämend ! Omar Barghouti sollte man nicht noch eine Plattform geben. Es spricht auch für sich, daß alle "Israelkritischen" (i. Blog), die immer und überall, aber an allererster Stelle in Bezug auf ...

    Beschämend !
    Omar Barghouti sollte man nicht noch eine Plattform geben.
    Es spricht auch für sich, daß alle „Israelkritischen“ (i. Blog), die immer und überall, aber an allererster Stelle in Bezug auf Israel die universalen Menschenrechte einklagen: bei den massiven Raketenangriffen des letzten Wochenendes zu 100% geschwiegen haben.

    Axel Stolpe, Freitag, 10.05.19, 17:05 Uhr

    Ich weiß immer nicht so genau was die Palästinenser wirklich wollen. Einen eigenen Staat oder Israel vernichten. Beides hängt nicht zusammen. Einen eigenen Staat hätten sie schon längst haben können, ...

    Ich weiß immer nicht so genau was die Palästinenser wirklich wollen. Einen eigenen Staat oder Israel vernichten. Beides hängt nicht zusammen. Einen eigenen Staat hätten sie schon längst haben können, sicherlich mit einer Menge Kompromisse. Diese wollten sie nicht eingehen. Es ist die Staatsdoktrin der Fatah Israel zu vernichten. Der ewige Kampf gegen Israel. Wie sagte einmal ein Politiker, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Israel hat 9 Millionen Einwohner, vielleicht wird man in der Zukunft das Westjordanland nicht als Palästina geben können, weil man dieses Land selber benötigt für die eigenen Bevölkerung.

    Florian, Freitag, 10.05.19, 14:45 Uhr

    Ausgerechnet Omar Barghouti als Kronzeugen für Kritik an Israel zu nehmen, ist wohl ein Scherz. BDS ist ein palästinensisches Projekt zur Vernichtung Israels. BDS ist in Deutschland mehrfach als einde ...

    Ausgerechnet Omar Barghouti als Kronzeugen für Kritik an Israel zu nehmen, ist wohl ein Scherz. BDS ist ein palästinensisches Projekt zur Vernichtung Israels. BDS ist in Deutschland mehrfach als eindeutig antisemitisch gekennzeichnet worden. Omar Barghouti ist so korrupt wie seine palästinenschen Funktionäre. Es geht ihm nur um die eigene Kohle. Steuerhinterzieher.

    Florian, Freitag, 10.05.19, 10:41 Uhr

    Die Eskalation aus Gaza, jawohl, aus Gaza, war Kalkül. Denn es war zu erwarten, dass Israel wegen des ESC nür mäßig zurückschlagen würde. Im übrigen ist es die übliche Masche, Raketen auf Zivilisten z ...

    Die Eskalation aus Gaza, jawohl, aus Gaza, war Kalkül. Denn es war zu erwarten, dass Israel wegen des ESC nür mäßig zurückschlagen würde. Im übrigen ist es die übliche Masche, Raketen auf Zivilisten zu schießen, um dann einen Waffenstillstand zu verkünden. Durch wen auch immer vermittelt. Es wird 4 Wochen dauern, bis die nächsten Raketen fliegen. Denn dann ist Ramadan vorbei.

    Florian, Freitag, 10.05.19, 7:42 Uhr

    Omar Barghouti, Gründer von BDS. Ein palästinensisches Projekt. Dient der Propaganda gegen Israel. Mehrfach in Deutschland als eindeutig antisemitisch eingestuft. Kein Problem für das Studio. Omar Bar ...

    Omar Barghouti, Gründer von BDS. Ein palästinensisches Projekt. Dient der Propaganda gegen Israel. Mehrfach in Deutschland als eindeutig antisemitisch eingestuft. Kein Problem für das Studio. Omar Barghouti als Kronzeuge für objektive Berichterstattung. Auch Barghouti wie so viele Palästinenserfunktionäre ein Mann, dem es um die eigene Kohle geht. Steuerhinterziehung.