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Pilgern zum „Wunderwein“

Bei einer Hochzeit soll Jesus Wasser zu Wein verwandelt haben – heute erneuern Christen an jenem Ort ihr Ehegelöbnis

In Kfar Kana, einem Dorf in Galiläa, soll Jesus einer Hochzeitsgesellschaft aus der Patsche geholfen haben. Heute steht dort die Hochzeitskirche – und im Souvenirshop nebenan gibt es angeblich heiligen „wedding wine“ zu kaufen. Ein Beitrag von BR-Reporter Julio Segador.

Von Studio Tel Aviv
Am 22.12.2018

Andächtig singen die Gläubigen in der Hochzeitskirche in Kfar Kana. Es sind peruanische Pilger, die in der trutzigen sandsteinfarbenen Kirche im Zentrum der Stadt ihr Ehegelöbnis erneuern. Hier in Kana soll Jesus bei einer Hochzeit sein erstes Wunder vollbracht haben, als er Wasser in Wein verwandelte. Der Evangelist Johannes berichtet von „sechs steinernen Wasserkrügen, und in jeden gingen hundert Liter“. Es war die Mutter Jesu, Maria, die der Überlieferung nach ihren Sohn bat, der Hochzeitsgesellschaft aus der Patsche zu helfen, als ihr der Wein ausgegangen war. Daran erinnert der Priester die peruanischen Pilger in seiner Predigt. Kfar Kana, eine vorwiegend arabisch geprägte Stadt unweit von Nazareth, lebt von der Weinstory aus dem neuen Testament. Und die frommen Besucher, deren Busse sich rund um die Hochzeitskirche stauen, greifen gerne zu.

Ach, ich fühle mich wie am Tag meiner Hochzeit. Nur ist hier in Kana, am Ort des Weinwunders, die Freude viel größer. Ich hatte das Gefühl, Jesus ist hier bei uns. Wunderschön.  

— Besucherin

Wir sind tief bewegt. Wir wandeln auf den Spuren des Herrn, dort wo er wirkte. Dass wir hier unser Ehegelöbnis erneuern, wo er sein erstes Wunder tat, ist eine wundervolle Sache. Und glauben sie mir: Der beste Wein kommt erst noch. 

— Besucher

Gleich nebenan, im Kirchenshop, wird der „wedding wine“, der Hochzeitswein aus Kana, verkauft. Ob die Pilger schon den Wein probiert hätten, will der Priester wissen und verteilt eilig Rotwein in kleinen Bechern aus Plastik. Bewegt vom gerade aufgefrischten Ehegelöbnis und auch vom Alkohol lassen die peruanischen Männer ihre Frauen hochleben. Jetzt oder nie könnten sie den Hochzeitswein hier kaufen, insistiert der Priester. Den Vergleich mit dem südamerikanischen Malbec-Wein wehrt er ab. Der Malbec sei ein gewöhnlicher Wein, der hier dagegen heilig, meint der Geistliche und macht ganz große Augen. Vielleicht hat er recht, vielleicht auch nicht. Fest steht nur: Der angeblich heilige Wein aus Kana ist ziemlich teuer: 50 US-Dollar für die drei Flaschen in dem roten Gebinde. In Kana in Galiläa, wo der biblischen Geschichte nach Jesus einst Wasser zu Wein verwandelte, wird der Wein 2000 Jahre später jedenfalls in gutes Geld verwandelt. Und berechtigte Zweifel an der Qualität des Roten auf dem Verkaufstisch lässt der Verkäufer gar nicht erst aufkommen.

Dieser Wein heißt „Hochzeit“. Das ist zurückzuführen auf die Hochzeit, die es vor 2000 Jahren zu Zeiten Jesu gab. Mit dem Wein erinnern wir an die Hochzeit und an das Wunder von Jesu. Und deshalb nennen wir ihn „den Wein der Hochzeit“ – wedding wine. 

— Verkäufer