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Peres nach Schlaganfall im Krankenhaus

Der ehemalige Präsident Shimon Peres liegt nach einem Schlaganfall im Krankenhaus

Die Medien stehen bereit und berichten kontinuierlich über den Gesundheitszustand von Shimon Peres. Schließlich ist er für viele fast wie ein Großvater der Nation.

Von Peter Kapern
Am 14.09.2016

Die israelischen Fernsehstationen haben ihre Kameraleute vor dem Sheba-Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv postiert. Dort, wo Ex-Präsident Shimon Peres nach seinem gestrigen Schlaganfall behandelt wird. Heute früh lieferten sie gute Neuigkeiten. Der 93-Jährige schwebe nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr, berichtete Professor Rafi Walden, Leibarzt und Schwiegersohn des Politikers. Und als die Narkosemittel vorübergehend reduziert wurden, da habe er sogar mit einem Händedruck auf Fragen reagiert.

Alle verfolgen die Nachrichten

Israel wird kontinuierlich über Peres Gesundheitszustand auf dem Laufenden gehalten. Er ist doch wirklich eine besondere Person, sagt Adva, eine junge Frau auf dem Weg zur Arbeit. Peres stehe für das Gute in Israel, und sie verfolge jetzt die ganze Zeit die Nachrichten, in der Hoffnung, dass es ihm besser geht. Und Baruch, ein Mann in den 50ern und ein weiterer Bewunderer des schwer kranken Politikers, fürchtet, dass sich der 93-Jährige, dem erst in der vergangenen Woche ein Herzschrittmacher eingesetzt worden war, nicht noch einmal erholen kann.

Er ist einfach ein ausgezeichneter Mann, der viel für Israel getan hat. Leider ist er in einer Situation, aus der ein Ausweg wohl nur noch in eine Richtung führt. Er ist einer der Menschen, die in die Geschichtsbücher des israelischen Volkes eingehen werden.

— Baruch, israelischer Bürger

Viele Israelis sehen in Peres vor allem den Mann, der sich seit Jahrzehnten für eine Aussöhnung mit den Palästinensern einsetzt. Erfolglos und längst als Stimme einer politischen Minderheit. Dass Peres aber auch an der Wiege der israelischen Siedlungspolitik stand, das mag in diesen Stunden niemand thematisieren. Stattdessen rufen die beiden Oberrabbiner des Landes zu Gebeten auf, Politiker aller Parteien senden Genesungswünsche. Und Zachi Hanegbi, ein Likud-Abgeordneter, der seit fast 30 Jahren der Knesset angehört, erzählt im Radio, was ihm seine Mutter, die ebenfalls Abgeordnete war, damals mit auf den Weg gegeben hat, als er das erste Mal ins Parlament einzog:

Als ich in die Knesset kam, da nahm mich meine Mutter an die Seite und ermahnte mich: Auch wenn Du mal eine Auseinandersetzung mit Peres hast, Du musst ihn immer respektvoll behandeln.

— Zachi Hanegbi, Knessetabgeordneter

Er zähle schließlich zu den Politikern, die das Land aufgebaut und für seine Sicherheit gesorgt haben. Eine Mahnung, die sich derzeit alle Israelis zu Herzen zu nehmen scheinen. Kritik an der an Wendungen und Widersprüchen nicht armen Karriere von Shimon Peres sind nicht zu hören. Almag, die ihr Auto gerade in einer Werkstatt abliefert, bringt es so auf den Punkt: „Ich denke alle im Land lieben ihn. Irgendwie ist er doch unser aller Großvater.“