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Olympia 72: Erinnerung an Israels Sportler

Heute vor 45 Jahren starben elf Israelis bei der Geiselnahme in München – wie erinnert das Land heute?

Die Olympischen Spiele 1972 in München: Bei einer Geiselnahme durch palästinensische Terroristen werden elf israelische Sportler getötet. Der Vorfall auf deutschem Boden ist für viele Israelis eine schmerzhafte Erfahrung. Die Tochter eines der Opfer hat deshalb eine besondere Form der Erinnerung an einer Schule in Cholon begründet.

Von Benjamin Hammer
Am 05.09.2017

Kleine, eiserne Olympiaringe stehen auf den fünf Grabsteinen, die sich hier auf dem Friedhof Kirjat Schaul im Norden von Tel Aviv in einer Reihe befinden. Hier liegen fünf von elf israelischen Todesopfern der Geiselnahme von München. Michal Schachar schaut auf das Grab ihres Vaters. „Kehat Schor“ steht dort, er war der Trainer der Sportschützen. Michal Shachar war 21 Jahre alt, als ihr Vater starb.

Bevor mein Vater getötet wurde, haben die olympischen Ringe bei mir große Freude ausgelöst. Mein Vater liebte den Wettbewerb, er liebte seinen Sport. Aber wenn ich die Ringe heute sehe, dann sehe ich sofort München.

— Michal Shachar, Tochter eines der Opfer

Am Morgen des 5. September 1972 dringen palästinensische Terroristen in die Unterkünfte des israelischen Olympiateams in München ein. Bei einem desaströs gescheiterten Befreiungsversuch rund 20 Stunden später sterben alle elf israelischen Geiseln und ein deutscher Polizist. Michal Schachar ringt um Fassung, als sie davon erzählt. Jahrelang habe sie nachts nicht schlafen können. Es fällt ihr sehr schwer, über den September des Jahres 1972 zu sprechen. Und doch hat Michal Schachar das Gedenken ihres Landes mitgeprägt. Jahrelang war sie die Schulleiterin eines Gymnasiums in Cholon, einer Stadt südlich von Tel Aviv. Das Navon-Gymnasium ist eines von mehreren israelischen Schulen, die sich intensiv mit den sogenannten „Elf von München“ beschäftigen. Die Schule ist stolz auf ihren Sportzweig. Einmal im Jahr gibt es hier Turniere. Sie werden im Namen der verstorbenen Sportler von München ausgetragen.

Wir wollen nicht, dass sie nur als Opfer gesehen werden. Wir wollen daran erinnern, dass sie in Israel die Besten in ihrer Sportart waren. Deshalb fuhren sie zu Olympia. Die Botschaft an die junge Generation ist klar: Versuche, in Deinem Bereich der Beste zu sein. Und erinnere Dich: Sie waren die Besten.

— Michal Shachar, Tochter eines der Opfer

Noam Yadid geht in die elfte Klasse der Navon-Schule. Einmal im Jahr nimmt er in dem Gymnasium an einem Fußballwettbewerb teil. Der Name des Turniers: „München“. Für die ganze Welt sei Olympia eine gute Sache. Für Israelis bedeute das Trauer, sagt Noam.

Wenn wir, die jungen Leute, die Ereignisse von damals ignorieren, dann geben wir unsere Werte auf. Diese Geschichte erzählt uns doch, dass die Dinge irgendwann einmal enden können und dass wir sehr aufmerksam sein müssen.

— Noam Yadid, Schüler der Navon-Schule
Der Schüler Noam Yadid nimmt jedes Jahr an dem Fußballturnier seiner Schule teil, das im Namen der verstorbenen Olympia-Sportler ausgetragen wird. Foto: BR | Benjamin Hammer

1972 werden elf jüdische Israelis in Deutschland getötet, nur rund 30 Jahre nach dem Holocaust. Für viele Israelis war das eine traumatische Erfahrung, auch, weil die Sportler wohlmöglich durch schwere Pannen der deutschen Polizei starben. Der Schüler Noam Yadid sagt: Das tut auch uns noch weh. Die frühere Schulleiterin Michal Schachar sagt: Ich habe jahrelang einen Riesenbogen um Deutschland gemacht. Und doch haben beide heute enge Kontakte in das Land. Die Navon-Schule in Cholon hat gleich zwei Austauschprogramme mit deutschen Schulen ins Leben gerufen. Wenn sich die israelischen Schüler mit ihren Austauschpartnern treffen, dann erinnern sie gemeinsam an die verstorbenen israelischen Sportler von München.

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1 thought on “Olympia 72: Erinnerung an Israels Sportler”

    gunther, Mittwoch, 06.09.17, 9:33 Uhr

    Die Israelis sind in München 1972 nicht gestorben, sie wurden nicht getötet. Sie wurden ermordet, hingerichtet. Zur Lektüre empfohlen: Bertolt Brecht: Die List, die Wahrheit unter vielen zu verbreiten

    Die Israelis sind in München 1972 nicht gestorben, sie wurden nicht getötet.
    Sie wurden ermordet, hingerichtet.

    Zur Lektüre empfohlen:
    Bertolt Brecht: Die List, die Wahrheit unter vielen zu verbreiten