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Ohne Umwege nach Tel Aviv

Zum ersten Mal darf eine Airline auf dem Weg nach Israel saudischen Luftraum durchqueren – nicht alle sind begeistert

Seit der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren verweigern viele arabische Staaten allen Flugzeugen von und nach Israel den Überflug. Saudi Arabien macht für Air India nun eine Ausnahme. Doch ausgerechnet aus Israel kommt Kritik.

Von Benjamin Hammer
Am 05.04.2018

Feuerwehrautos begrüßten die Boeing 787 von Air India am Flughafen von Tel Aviv. Weil es ein Erstflug war, sprühten sie im hohen Bogen mit Wasserfontänen auf das Flugzeug. Seit Kurzem verbindet der Flug 139 von Air India Dehli und Tel Aviv.

Das ist ein wunderbares Ereignis. Ich hoffe, dass dies zum guten Verhältnis zwischen Israel und Indien beiträgt.

— indischer Botschafter in Israel
Nasse Begrüßung: Die Boeing 787 wird in Tel Aviv von der Feuerwehr mit Wasserfontänen empfangen. Es war ihr erster Flug nach Tel Aviv durch saudischen Luftraum. Foto: reuters

Die Flugzeit beträgt sieben Stunden und 35 Minuten – ein neuer Rekord. So schnell ist noch kein Linienflugzeug von Südasien nach Israel geflogen. Denn bisher mussten Piloten zwischen Israel und dem Süden Asiens einen weiten Umweg fliegen. Seit der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren verweigern viele arabische Staaten allen Flugzeugen von und nach Israel den Überflug. Auch Saudi-Arabien, ein Land, mit dem Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Doch das arabische Königreich macht für Air India eine Ausnahme. Ihre Flugzeuge dürfen nun einen direkten Kurs zwischen Dehli und Tel Aviv fliegen – und der führt über Saudi-Arabien. Der israelische Verkehrsminister Israel Katz ist begeistert.

Das ist ein historisches Ereignis. Es ist das erste Mal, dass der Himmel des jüdischen Staates Israel verbunden ist mit dem Himmel des wichtigsten arabischen Landes, Saudi-Arabien, verbunden durch den Flug von Air India.

— Verkehrsminister Israel Katz
Ein glücklicher Verkehrsminister: Israel Katz mit Mitarbeiterinnen von Air India. Foto: reuters

Bei El Al, der größten Fluggesellschaft des Landes, sind sie absolut nicht begeistert. Denn die israelische Airline darf weiterhin nicht über Saudi-Arabien fliegen. Wenn Piloten von El Al von Tel Aviv nach Mumbai oder Bangkok fliegen, erwartet sie ein Zickzack-Kurs. Statt direkt nach Osten, müssen sie zunächst in Richtung Süden fliegen. Sie fliegen über das Meer und umrunden die arabische Halbinsel. Der Flug nach Bangkok verlängert sich so um drei, der Flug nach Mumbai um zwei Stunden. Bisher mussten auch ausländische Fluggesellschaften diesen Umweg in Kauf nehmen. Dass es nun eine Ausnahme für Air India gibt, sorgt bei Eli Defes, dem Vorsitzenden von El Al, für Entsetzen. Denn die Inder können so schneller und günstiger fliegen.

Wir haben Klage eingereicht vor dem Obersten Gerichtshof in Israel gegen den Verkehrsminister, die Flughafengesellschaft und Air India. Das ist ein Präzedenzfall von weltweiter Bedeutung. Ein bestimmtes Land darf also über Saudi-Arabien von und nach Israel fliegen. El Al darf das aber nicht. So etwas gab es bisher nicht und dies verstößt gegen das Abkommen für die internationale Zivilluftfahrt.

— Eli Defes, Vorsitzender von El Al

El Al war schon immer eine außergewöhnliche Fluggesellschaft. Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem hoch. Außerdem bleiben die El-Al-Flugzeuge am Schabbat, also von Freitag- bis Samstagabend, am Boden. Damit nimmt die Fluggesellschaft Rücksicht auf Kunden, die dem ultraorthodoxen Judentum angehören. Doch Flugzeuge, die am Boden bleiben, verdienen einfach kein Geld. Im vergangenen Jahr konnte El Al nur knapp einen Nettoverlust abwenden. El Al fordert nun, dass sich die israelische Regierung für sie einsetzt. Der israelische Verkehrsminister Katz:

Wir hoffen jetzt, dass sich nun der ganze Himmel öffnet. Und das bedeutet, dass El Al und andere israelische Fluggesellschaften über Saudi-Arabien und anderen arabische Länder fliegen dürfen.

— Verkehrsminister Israel Katz
Annäherungen zwischen Israel und Saudi-Arabien: Kronprinz Mohammed bin Salman hat den Israelis das Recht auf einen eigenen Staat zugesprochen. Foto: reuters

Was der Minister nicht sagt: Im Grunde hat seine Regierung nur wenig Handlungsspielraum. Denn offiziell gibt es ja gar keine Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien. Allerdings nähern sich beide Länder an. Der saudische Kronprinz sprach den Israelis vor Kurzem das Recht auf einen eigenen Staat zu. Vielleicht öffnet sich ja auch für El Al die Tür in den saudischen Luftraum.

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