Foto: BR | Benjamin Hammer

Neue Mauer im Norden

Israel will sich vor Angriffen der Hisbollah schützen – und baut derzeit eine Mauer entlang der Grenze zum Libanon

An der Grenze zu Ägypten steht bereits ein hochmoderner Zaun. Am Gazastreifen wird der Zaun durch eine Mauer ersetzt. Eine weitere Mauer trennt Israel vom Westjordanland. 70 Jahre nach seiner Staatsgründung schottet sich Israel immer mehr von seinen Nachbarn ab.

Von Benjamin Hammer
Am 08.09.2018

Von den Bergen über dem israelischen Städtchen Rosch Hanikra aus könnte man eigentlich weit in den Libanon blicken. Doch neben einer staubigen Straße versperrt eine hohe, graue Mauer die Sicht. Planierraupen fahren auf und ab. Direkt auf der anderen Seite der Mauer stehen Soldaten der libanesischen Armee auf einem Wachturm und rauchen Zigaretten. Das ist Routine und macht die israelischen Soldaten nicht nervös. Der wahre Feind der Israelis –  die Kämpfer der schiitischen Miliz Hisbollah – würde sich hier niemals so offen zeigen.

Wir leben mit der Bedrohung durch die Terrororganisation Hisbollah. Die haben mehr Waffen als manche europäische Armee. Die Hisbollah droht offen damit, israelische Bürger zu terrorisieren, sie plant Entführungen, sie will töten. Und wir müssen unser Land verteidigen.

— Jonathan Conricus, Armeesprecher

Bisher trennte Israel und den Libanon ein ziemlich dünner Zaun. Israel will das ändern und baut nun eine 130 Kilometer lange Mauer. Sie ist neun Meter hoch und besteht aus Beton und Stacheldraht. Elf Kilometer der Mauer stehen bereits. Das Ziel: Vorfälle wie der im Jahr 2006 sollen sich nicht wiederholen. Damals griffen Kämpfer der Hisbollah im Grenzgebiet zwei gepanzerte Fahrzeuge der israelischen Armee an. Fünf israelische Soldaten wurden getötet. Es war der Auslöser für einen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, der viele Opfer forderte – auf beiden Seiten. Nach Angaben der israelischen Armee hat die Hisbollah in den vergangenen Jahren deutlich aufgerüstet – unterstützt durch Iran. Israelische Militärexperten betonen, es sei nicht die Frage, ob es zu einem neuen Krieg kommt, sondern wann. Der israelische Historiker Eyal Zisser sieht das anders. Er lehrt an der Universität von Tel Aviv.

Niemand im Libanon und niemand in Israel hat Interesse an einem Krieg. Aber manchmal begehen die Menschen Fehler. Dann sind es kleine Vorfälle, die zu einem großen Konflikt führen.

— Eyal Zisser, Historiker

Deshalb, so sieht es Zisser, sei die Mauer zwischen Israel und dem Libanon eine gute Sache. Gegen das riesige Raketenarsenal der Hisbollah kann die Mauer zwar nichts anrichten. Aber, so das Kalkül, sie verhindert, dass es an der Grenze zu Vorfällen kommt, die einen Krieg auslösen können. Die libanesische Regierung wirft Israel übrigens vor, den Sperrwall auch auf libanesischem Territorium zu bauen. Israel verneint: Man halte die von den Vereinten Nationen festgelegte „blaue Linie“ penibel ein. 70 Jahre nach seiner Staatsgründung schottet sich Israel immer mehr von seinen Nachbarn ab, nicht nur im Norden des Landes. An der Grenze zu Ägypten steht ein hochmoderner Zaun. Am Gazastreifen wird der Zaun durch eine Mauer ersetzt.  Und dann ist da noch die Sperranlage am und im palästinensischen Westjordanland. Sie sorgt international für heftige Kritik, weil sie teilweise tief in das von Israel besetzte Gebiet hineinragt. Der Historiker Eyal Zisser hält diese Abschottung seines Landes für sinnvoll: Gute Mauern führten zu einem guten Verhältnis mit den Nachbarn, findet er. Von einer guten Nachbarschaft kann zwischen Israel und dem Libanon aber keine Rede sein. Alle Verbindungen zwischen den Ländern sind seit Jahrzehnten gekappt. Offiziell wurde der Kriegszustand nie beendet.

Kommentare

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft.
Mehr in den Kommentarrichtlinien

5 thoughts on “Neue Mauer im Norden”

    Knut, Freitag, 14.09.18, 22:35 Uhr

    Auch wenn Israel an nahezu allen Ecken des Landes Freizeit-/Vergnügungsparks direkt an die Grenze (ehem.) Feinde gesetzt hat - El Hamat Gader an der jordan. Grenze nahe des See Genezareth, das Ozeaneu ...

    Auch wenn Israel an nahezu allen Ecken des Landes Freizeit-/Vergnügungsparks direkt an die Grenze (ehem.) Feinde gesetzt hat – El Hamat Gader an der jordan. Grenze nahe des See Genezareth, das Ozeaneum südlich von Eilat nahezu in Laufweite zur ägyptischen Grenze, der Skizirkus am Hermon-Massiv nördlich von Madjal Shams oder eben die Blaue Grotte in den Kreidefelsen von Rosh haNiqra – ist eine solche Mauer letztlich steingewordenes Dokument einer Angst des (übergeordnet eigentlich) Stärkeren in der Region.

    Doch bevor gängige Schlaumeier diese Gefahrenlage aus Gründen der Unkenntnis dieser sehr kleinräumig verdichteten, geopolitisch aber doch weiterreichenden Gefahrenlage m. irgendwelchen Ratschlägen vom PC aus interpretieren, möchte ich doch sehr empfehlen, auch nur 1/2 Tag in dieser (gewiss alles andere als schönen) „Frontsituation“ zu verbringen, mit Hezbollah u. vielen anderen Irren in direkter Sichtweite. Die Hand kann näml. nur gereicht werden, wenn sie nicht abgeschlagen wird.

    gunther, Freitag, 14.09.18, 12:25 Uhr

    Die Grenzanlagen Israels dienen dem Schutz der eigenen Bevölkerung. Damit wurden die Terrorüberfälle eindeutig reduziert. Aber auch diese Tatsachen werden von den Israelkritkern verschwiegen. Denn es ...

    Die Grenzanlagen Israels dienen dem Schutz der eigenen Bevölkerung.
    Damit wurden die Terrorüberfälle eindeutig reduziert.
    Aber auch diese Tatsachen werden von den Israelkritkern verschwiegen. Denn es geht ja um die Verurteilung Israels. Kein Wort über die militärischen Angriffe der arabischen Staaten, der Hamas, der Hisbollah.
    Wer hier Krieg betreibt, ist eindeutig. Dabei geht es nicht um Freiheit. Wo gibt es die in arabischen Staaten und muslimischen Staaten?
    Es geht um die Vernichtung Israels.
    Der Judenhass hat im Islam eine Tradition von 1400 Jahren.

    Gerd, Donnerstag, 13.09.18, 15:37 Uhr

    "Und dann ist da noch die Sperranlage am und im palästinensischen Westjordanland. Sie ..." ...hat mit dem Thema des Artikels nix zu tun, ihre Erwähnung ist aber eine kleine "Spitze" gegen Israel. Ein ...

    „Und dann ist da noch die Sperranlage am und im palästinensischen Westjordanland. Sie …“

    …hat mit dem Thema des Artikels nix zu tun, ihre Erwähnung ist aber eine kleine „Spitze“ gegen Israel. Ein von täglich vielen, die gegen Israel gerichtet ist.

    Michael K., Dienstag, 11.09.18, 13:45 Uhr

    Gute Mauern führten zu einen guten Verhältnis mit den Nachbarn. Ein ziemlich durchgeknalleter Gedanke. Gott sei Dank haben die Gründungsväter einer europäischen Idee und. Vereinigung anders gedacht. A ...

    Gute Mauern führten zu einen guten Verhältnis mit den Nachbarn. Ein ziemlich durchgeknalleter Gedanke. Gott sei Dank haben die Gründungsväter einer europäischen Idee und. Vereinigung anders gedacht. Aber es gibt eben Gegenden, da hat man vergessen aus der Vergangenheit zu lernen. Man will erst noch einmal das Zeitalter des Kolonialismus durchleben.

      ariel, Mittwoch, 12.09.18, 9:17 Uhr

      die meisten familienhaeuser in deutschland haben zaeune. die israelische armee geht davon aus, dass hezbollah beim naechsten konflikt versuchen wird grenzdoerfer kurzzeitig einzunehmen. was stoert dic ...

      die meisten familienhaeuser in deutschland haben zaeune.

      die israelische armee geht davon aus, dass hezbollah beim naechsten konflikt versuchen wird grenzdoerfer kurzzeitig einzunehmen. was stoert dich dabei, dass diese nun durch mauern geschuetzt sein werden.