Foto: reuters

Merkel und die Männer

Dass beim Wirtschafts-Round-Table nur Männer dabei waren, fiel nicht nur der Kanzlerin auf – Israelinnen haben reagiert

Mit einer Merkel-Pappfigur ließen sich Wirtschaftsvertreterinnen in Tel Aviv ablichten, um ein Zeichen zu setzen: Die Start-up-Welt ist keine reine Männerwelt. Und doch gibt es für die Frauen noch Luft nach oben. 

Von Benjamin Hammer
Am 17.10.2018

Ein paar Tage nach ihrem Besuch in Jerusalem kam Angela Merkel noch mal nach Israel. Nicht persönlich, sondern als Pappfigur. Dutzende Frauen standen auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv und holten das nach, was wenige Tage zuvor eben nicht geschehen war: ein Treffen zwischen Merkel und Wirtschaftsvertreterinnen. Die israelische Unternehmerin Nava Swersky-Sofer war entsetzt, als sie das Foto sah: Merkel in Jerusalem – umgeben von einer reinen Männerrunde.

Niemand kam auf die Idee, dass es im Jahr 2018 einfach keinen Raum voller Männer mehr geben darf. Das ist ein Problem.  Es ist mir peinlich, als Frau und als Israelin und es ist bedauernswert, dass die Bundeskanzlerin uns darauf aufmerksam machen muss.

— Nava Swersky-Sofer, Unternehmerin

Anfang des Monats reiste Angela Merkel nach Jerusalem. Ein Tagesordnungspunkt war der sogenannte Wirtschafts-Round-Table, bei dem Unternehmer aus Deutschland und Israel mit Merkel und Israels Premier Netanjahu diskutierten. Es war ein langer Tisch. Mit vielen Teilnehmern. Angela Merkel war die einzige Frau. Das fiel auch der Kanzlerin auf.

Ich freue mich, dass sie alle zusammen sind. Wenn beim nächsten Mal noch irgendwo eine Frau darunter wäre unter den vielen hoffnungsvollen Zukunftslenkern, wäre auch kein Fehler. Es scheint noch eine sehr männliche Domäne zu sein, das Start-up.

— Kanzlerin Angela Merkel

Benjamin Netanjahu pflichtete ihr bei: Merkel habe Recht. Die Start-up-Branche in Israel als männliche Domäne? Israels Unternehmerinnen ärgert, dass Merkel nach ihrem Treffen zu diesem Urteil kam. So geht es auch Efrat Fenigson, einer Managerin des israelischen Drohnenherstellers Airobotics. „Die Sache hat einen falschen Eindruck erweckt“, sagte sie im israelischen Fernsehen. „Das passiert in unserem Land aber leider immer wieder. Wir müssen zeigen, wie die Realität heutzutage aussieht. Denn, solche Bilder haben eine unheimliche Macht.“ 35 Prozent der Mitarbeiter von Israels Hightech-Branche sind laut israelischen Medienberichten weiblich. In Führungspositionen sinkt dieser Anteil auf 25 Prozent. In einem Gleichberechtigungs-Index der Vereinten Nationen nimmt Israel Platz 21 von 189 Ländern ein. Das Land liegt hinter Ländern wie Schweden und Deutschland. Aber vor Ländern wie den USA und Großbritannien. Der israelischen Regierung ist die Sache von dem Foto von Merkel in der reinen Männerrunde ziemlich peinlich.

Die Sache hat unsere Augen geöffnet. Wir haben nicht genug darauf geachtet, dass Frauen besser repräsentiert werden.

— Emmanuel Nachshon, Sprecher des israelischen Außenministeriums

Das israelische Außenministerium verspricht: So etwas komme nicht wieder vor. Und die deutsche Seite? Ist an dem Fauxpas, nicht ganz unbeteiligt.  Laut der Liste eines Regierungssprechers wurde Angela Merkel von elf Managern aus Deutschland begleitet. Alles Männer.