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Meister im Wassersparen

In Israel, wo nur selten Regen fällt, bewässern Landwirte ihre Pflanzen tröpfchenweise

Das israelische Pionierunternehmen Netafim hat mit seinem ausgefuchsten Bewässerungssystem die Landwirtschaft in der Wüste möglich gemacht. Manche setzen dabei auf einen salzigen Wassermix.

Von Tim Assmann
Am 13.08.2018

Die Sonne brennt auf den Kibbutz Chazerim in der Negev-Wüste im Süden Israels. Naty Barak steht in einer Plantage mit Jojoba-Sträuchern. Aus dem Wachs der Pflanzen wird Öl gewonnen, zum Beispiel für Haut- und Haarpflegeprodukte. Naty zeigt auf den Boden neben den Sträuchen. Es geht ihm um etwas, das man nicht direkt sehen kann: „Die Schläuche sind circa 30 Zentimeter tief im Boden und dieser runde nasse Fleck zeigt genau, wo gerade bewässert wird.“ Die Jojoba-Sträucher im Kibbutz werden durch Tröpfchen-Bewässerung versorgt. Chazerim ist die Heimat von Netafim – einem Pionierunternehmen der Branche, das mittlerweile weltweit expandiert hat. An Plastikpressen in einer der Hallen im Kibbutz laufen sogenannte Tropfer vom Band. Die kleinen Plastikdüsen, aus denen das Wasser zur Pflanze kommt, stellt Netafim nur in Israel her, die dazugehörigen Schläuche auch in mehreren Werken im Ausland. Naty Barak gehört zur Gründergeneration von Netafim. Man könnte ihn Veteran der Tröpfchenbewässerung nennen – einer Technologie, die den 74-Jährigen bis heute hörbar begeistert. In Israel hatten wir gar keine andere Wahl, sagt Naty.

60 Prozent des Landes sind Wüste. Wir mussten Tröpfchenbewässerung einführen. Heute erfolgen 75 Prozent der Bewässerung so. Weil Landwirtschaft der größte Wasserverbraucher ist, hat die Tröpfchenbewässerung eine zentrale Rolle in unserer Philosophie vom Wassersparen.

— Naty Barak, Veteran der Tröpfchenbewässerung

Der Wasserverbrauch lasse sich um 50 Prozent senken und die Erträge könnten gesteigert werden, durch gezielte Bewässerung an der Wurzel und durch exakte Beigabe von Dünger, erklärt Naty Barak. Das Hauptgeschäft mache Netafim mittlerweile mit Tröpfchenbewässerung beim Anbau von Zuckerrohr und Mais. Wenn Regen als natürliche Bewässerung weniger werde oder ganz ausfalle, sei Tröpfchenbewässerung ohne Alternative glaubt Naty.

 Um in Zeiten des Klimawandels trotz Wasserknappheit höhere Erträge zu bekommen, braucht man Tröpfchenbewässerung.

— Naty Barak, Veteran der Tröpfchenbewässerung

In einem anderen Gewächshaus, eine halbe Stunde vom Kibbutz Chazerim entfernt und unweit der ägyptischen Grenze, forschen Wissenschaftler zur Landwirtschaft in der Wüste. Ofer Guy steht zwischen Reihen von Gurken- und Tomatensträuchern: „Hier bauen die Landwirte Kirschtomaten, Auberginen oder Paprika an, auch Zucchini und Gurken. All das wächst hier gut. Wir haben ganzjährig sehr gutes Klima für Gemüse.“ Doch die Pflanzen brauchen alle viel Wasser. Die Bauern in der Negev setzen bei der Bewässerung auf Tröpfchen, um den Verbrauch niedrig zu halten. Versorgt werden sie mit einem Wassermix, erklärt Agrarwissenschaftler Ofer Guy.

Jeder Landwirt bekommt vom Wasserversorger zwei Anschlüsse. Aus einem kommt entsalztes Meerwasser, das recht teuer ist, und aus dem anderen günstiges salzhaltiges Grundwasser. Der Landwirt kann beides miteinander mischen und so seine Wasserqualität bestimmen.

— Agrarwissenschaftler Ofer Guy

Pflanzen, die recht salziges Wasser vertragen, bekommen einen anderen Wassermix als Gewächse, die es eher süß mögen. Außerdem setzt Israel in der landwirtschaftlichen Bewässerung noch auf ein weiteres Instrument. 60 Prozent des landesweiten Verbrauchs werden mit teils aufbereitetem Abwasser gedeckt.

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