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Mehr Touristen für Eilat?

Eilat setzt auf Billigflieger aus Europa – und übernimmt zusammen mit dem Staat sogar einen Teil der Flugkosten

Eilat, das war mal ein beliebter Urlaubsort – bis die Intifada ausbrach. Davon hat sich die Stadt am Roten Meer nicht mehr richtig erholt. Um die Zahlen wieder steigen zu lassen, werden die Flüge nun subventioniert. Doch wie viele Touristen bleiben nach der Landung tatsächlich in Eilat?

Von Torsten Teichmann
Am 19.05.2017

Die Temperaturen steigen langsam auf 35 Grad. Und damit beginnt in Eilat, ganz im Süden des Landes, die Saison für israelische Touristen. Für die übrige Zeit des Jahres setzt der Badeort mittlerweile ganz auf Billigflieger aus Europa. „Israel ist dem Open-Sky-Abkommen im Jahr 2013 beigetreten. Das gibt uns Zugang zum internationalen Verkehr. Die Veränderungen geschehen nicht über Nacht. Aber wir sehen ein gesundes Wachstum bei den Verkehrszahlen“, erklärt Shabtai Shay, Chef des Hotelverbands in Eilat. Im obersten Stockwerk einer Unterkunft mit Blick über das Rote Meer zählt er zehn neue Verbindungen der irischen Ryanair auf. Sie sollen ab kommendem Herbst starten. Angekündigt sind zum Beispiel Flüge von Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin oder Baden-Baden. Tickets zum Flughafen Uvda, nördlich von Eilat, gibt es ab 29,99 Euro. Doch für Israel ist das Geschäft mit den Billigfliegern teuer:

Die Regierung bietet 45 Euro für jeden Passagier, der in Uvda landet. Wir geben 15 Euro dazu. Auch die Flughafensteuern fallen weg, noch einmal rund 20 Euro. Das heißt: Ryanair bekommt 80 Euro für jeden Passagier, egal ob der hierbleibt oder weiterreist.

— Shabtai Shay, Chef des Hotelverbands in Eilat

Das heißt: Jeder Flug eines Passagiers wird mit 80 Dollar subventioniert. Erlaubt ist das nicht, aber alle tun es. Für Israel insgesamt ist die Zahl der Besucher in den ersten Monaten des Jahres zum ersten Mal wieder höher als 2014, dem Jahr des letzten Gazakriegs. Für April verkündet die Sprecherin des Tourismusministeriums gar Historisches: 349.000 Touristen – das sei die höchste Zahl in einem Monat seit 1948 – also seit Staatsgründung, so Lydia Weitzman. Shabtai Shay hat Zweifel, dass davon tatsächlich schon Hotels, Restaurants und Tourbetreiber profitieren. Zumindest im Fall Eilat gibt es ab Herbst wieder ein großes Problem:

Es gibt einen Bus, der wartet auf jeden Ryanair-Flug nach Uvda und nimmt Passagiere direkt mit rüber nach Akaba, nach Jordanien. Wir wissen das. Das ist kein Geheimnis. Wir sehen sie. Aber wir haben keine andere Wahl.

— Shabtai Shay, Chef des Hotelverbands in Eilat

Eilat hat sich zu einem recht schrillen Ort entwickelt. Dabei war die Stadt, durch die Wüste getrennt vom Rest des Landes, einmal ein Ziel für Hippies und dem internationalen Jetset. Das „Red Rock“ war das Hotel mit dem besten Nachtclub. Später entdeckten Touristen aus Skandinavien Israels Badeort als Sonnenziel im Winter. Der Staat investierte. Doch zu Beginn der zweiten Intifada, des gewaltsamen Aufstands der Palästinenser, brach alles ein. Von 45 wöchentlichen Flügen aus Europa blieben über Nacht nur noch sechs. Shabtai Shay hofft, mithilfe der Subvention für Billigflieger an frühere Erfolge anknüpfen zu können.

Ich bin überzeugt: Wenn Besucher kommen aus Baden-Baden und aus der Mitte Deutschlands, aus Frankfurt und aus dem Osten, aus Berlin, und dann kommendes Jahr vielleicht aus Hannover, Hamburg oder Köln, dann werden das nicht nur Reisende sein, die nach Akaba wollen. Das sind Leute, die in Eilat bleiben.

— Shabtai Shay, Chef des Hotelverbands in Eilat

Die Hoffnung, Eilat könne Touristen aufnehmen, die aus Angst vor Gewalt nicht mehr in die Türkei fliegen, auf den Sinai oder nach Nordafrika, habe sich bisher nicht bestätigt, sagt Shay. Im Vergleich zu diesen Zielen sind die Flüge billig, aber die Preise für Hotel und Verpflegung in Eilat einfach zu teuer.

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