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Leben im Raketenhagel 

Mehr als 400 Geschosse wurden auf Israel abgefeuert – für die Bewohner nahe dem Gazastreifen eine Ausnahmesituation

Nach den heftigsten Angriffen, die der Süden Israels je erlebt hat, wurde am Dienstagabend eine Waffenruhe verkündet. Doch viele Israelis, vor allem im Süden, sehnen sich nach einer langfristigen Lösung.

Von Benjamin Hammer
Am 13.11.2018
Kontroverse Waffenruhe

Beitrag:  Bernhard Niebruegge | Kamera:  Michael Shubitz | Ton: Moshe Lubliner

Die vierköpfige israelische Familie Alscheich hat die Nacht im Schlafzimmer des zehnjährigen Sohnes verbracht. Denn dieses Zimmer hat verstärkte Wände. Die Alscheichs leben im Kibbuz Nir Am, an der Grenze zum Gazastreifen, wo es in der Nacht mehrfach Raketenalarm gab. Militante Palästinenser schossen mehr als 400 Raketen in Richtung Israel – so viele wie noch nie. Bei Alarm bleiben den Alscheichs etwa zehn Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen.

Am meisten verstört mich der Moment, in dem die Kinder im Badezimmer duschen. Wir hatten schon Momente, da waren meine Kinder im Badezimmer und es gab einen Alarm. Wir überlegen also immer: Warte ich mit dem Duschen, bis die nächste Angriffswelle vorüber geht? Das ist wirklich dämlich. Und auch sehr traurig.

— Vater Alon Alscheich

Im Kibbuz Nir Am ist es idyllisch. Aber von oben sind Kampfjets der israelischen Luftwaffe zu hören. Als Reaktion auf die Raketen griff die israelische Armee Dutzende Stellungen und Einrichtungen der Hamas an, die Gaza kontrolliert. Die Hamas wiederum begründet ihre Angriffe mit dem Einsatz einer israelischen Spezialeinheit mitten im Gazastreifen, bei dem ein israelischer Soldat und sieben palästinensische Kämpfer starben. Jonathan Conricus, der Sprecher der israelischen Armee, will nicht verraten, was die israelische Spezialeinheit im Gazastreifen machte. Die Schlussfolgerung der Hamas, man reagiere nur auf den Einsatz, weist er zurück.

Seit dem Vorfall sind nun mehr als 36 Stunden vergangen und noch immer wird Israel mit Raketen angegriffen. Es geht gar nicht darum, ob unsere Operation ein Auslöser war. Die Hamas will gezielt israelische Zivilisten töten und Schäden anrichten, wie wir hinter mir sehen können.

— Armeesprecher Jonathan Conricus

Der Armeesprecher steht vor einem mehrstöckigen Haus in Aschkelon, einer Stadt, die etwas nördlich vom Gazastreifen liegt. In der Nacht schlug hier eine Rakete ein. Eine Wand des Hauses ist verschwunden, die Wohnungen sind total verwüstet. Ein palästinensischer Gastarbeiter starb, zwei Israelinnen wurden schwer verletzt. Der Armeesprecher sagt, es liege nun in der Hand der Hamas, ob die Lage weiter eskaliere. Ähnliche Äußerungen kommen von der Hamas – die zeigt mit dem Finger auf Israel.

Israel verwirft sämtliche Bemühungen der internationalen und regionalen Vermittler. Sollte Israel diesen Weg und die Aktionen gegen die palästinensischen Fraktionen weiter verfolgen, werden wir unsere Antwort erweitern.

— Ein Sprecher der Hamas

Mehrfach hat die Hamas damit gedroht, Raketen auch in Richtung von Tel Aviv zu schießen – einer Stadt, in der es aktuell noch ruhig ist. Am frühen Abend verkündeten mehrere Fraktionen der Palästinenser, dass man sich unter Vermittlung Ägyptens mit Israel auf eine Waffenruhe geeinigt habe. Alon Alscheich, der mit seiner Familie im Kibbuz am Gazastreifen lebt, bleibt skeptisch. Er ist die ständige Ungewissheit leid. Die Konfliktparteien spielten Pingpong über den Köpfen der Zivilbevölkerung. Der Israeli sehnt sich nach einer langfristigen Lösung. Ein Krieg sei immer traurig, sagt er. Doch wenn sich seine Regierung dafür entscheiden sollte, würde Alon Alscheich das unterstützen.

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2 thoughts on “Leben im Raketenhagel ”

    gunther, Freitag, 16.11.18, 12:51 Uhr

    Wer lebt im Raketenhagel? Wer exportiert Lebensmittel nach Israel? Wer lebt in Gaza in Reichtum und exorbitanten Villen? Wer kann sein Geld in Auslandskonten anlegen? Wer verweigert in Gaza grundlegen ...

    Wer lebt im Raketenhagel?
    Wer exportiert Lebensmittel nach Israel?
    Wer lebt in Gaza in Reichtum und exorbitanten Villen?
    Wer kann sein Geld in Auslandskonten anlegen?
    Wer verweigert in Gaza grundlegende Menschenrechte?
    Wer führt in Gaza öffentliche Hinrichtungen durch?
    Wer hat im politischen Programm die weltweite Tötung der „Anderen“?
    Wer will die „Anderen“ vertreiben und einen Genozid?
    Wer betreibt Terror?
    Wer lässt sich vom Iran bezahlen?

    Knut, Mittwoch, 14.11.18, 21:28 Uhr

    Wer macht eigentlich der Gaza-Bevölkerung klar, dass jeder Dollar, der in sinnlose Raketen investiert wird, für Nahrung, Bildung und Infrastruktur NICHT mehr zur Verfügung stehen kann? So es der Bevöl ...

    Wer macht eigentlich der Gaza-Bevölkerung klar, dass jeder Dollar, der in sinnlose Raketen investiert wird, für Nahrung, Bildung und Infrastruktur NICHT mehr zur Verfügung stehen kann? So es der Bevölkerung insgeheim nicht ohnehin längst klar ist. Und wie gefährlich mögen wohl jene selbstlosen Menschen im Küstenstreifen leben, die im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten versuchen, einen überfälligen Bewusstseinswandel herbeizuführen? Dies könnte sie übrigens mit so einigen „auf der anderen Seite“ verbinden…