Screenshot Google Maps

„Keine Route gefunden“

Google Maps versagt oft auf Strecken in palästinensische Orte – Kritiker sehen dahinter ein politisches Problem

Die Navigations-App von Google orientiere sich an den Bedürfnissen israelischer Siedler, kritisieren Palästinenser. Sie setzten längst auf eine andere Karten-App, bei der Nutzer Infos ergänzen können.

Von Benjamin Hammer
Am 21.01.2019

Auf dem Weg von Tel Aviv in Richtung Haifa hat die Smartphone-App Google Maps die Route innerhalb von Israel in weniger als einer Sekunde berechnet. „Der Standort Haifa ist bei starkem Verkehr zwei Stunden und acht Minuten mit dem Auto Standort Tel Aviv-Jaffa entfernt. Dies ist deine Route.“ Auf seiner Homepage schreibt der Google-Konzern von einer Mission: „Die Informationen dieser Welt organisieren“, steht dort, „sie allgemein zugänglich und nutzbar machen.“ Das klingt erst einmal gut. Doch im von Israel besetzten Westjordanland scheitert Google an diesem Anspruch.

Problemose Navigation in Siedlungen

Die Schnellstraße 60 im Zentrum des Westjordanlandes verbindet die beiden palästinensischen Städte Nablus und Ramallah. Entfernung: Gerade einmal 35 Kilometer. Wer Google nach dieser einfachen Strecke fragt, bekommt eine Fehlermeldung. „Keine Route gefunden“, steht in der App. Nun ist es so, dass Google Maps auch im Westjordanland durchaus funktioniert. Jedenfalls immer dann, wenn man nach einer Route zwischen zwei israelischen Siedlungen fragt: zwischen Elon Moreh und Karnei Schomron zum Beispiel. Hierfür berechnet die App bei wenig Verkehr 54 Minuten mit dem Auto. Nadim Nashif glaubt nicht, dass das ein Zufall ist. Er ist arabischer Israeli und leitet die Organisation „7amleh“, die sich für digitale Rechte von Palästinensern einsetzt.

Wir haben den Eindruck, dass Google die Perspektive der Israelis übernimmt. Die App geht davon aus, dass man ein israelischer Siedler ist. An deren Bedürfnissen orientiert sich Google, obwohl Siedlungen gegen das Völkerrecht verstoßen. Die Bedürfnisse und die Realität der Palästinenser werden hingegen ignoriert.

— Nadim Nashif, Leiter von „7amleh“
Nadim Nashif setzt sich als Leiter von "7amleh" für digitale Rechte der Palästinenser ein. Foto: BR | Benjamin Hammer

Für Navigationssysteme ist das Westjordanland kein einfaches Terrain. Es gibt verschiedene Zonen, die entweder von Israel oder von den Palästinensern verwaltet werden. Manche Straßen dürfen nur mit Autos mit israelischem Nummernschild befahren werden. Jüdische Israelis wiederum machen sich nach israelischem Recht strafbar, wenn sie in die sogenannten A-Gebiete fahren, die von der palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet werden. Wer mit der Navi-App Waze, die zu Google gehört, in so ein Gebiet fahren will, wird von der App eindringlich gewarnt. Man betrete ein Gebiet mit erhöhter Kriminalität. „Ihre Fahrt führt in eine Region, in der Gefahr besteht oder in eine Region, in der der Zutritt für Israelis verboten ist.“

Gefährliches Westjordanland?

In der Vergangenheit kam es vor, dass sich jüdische Israelis verfuhren und zum Beispiel mitten in der palästinensischen Stadt Ramallah landeten. Es kam zu Unruhen und die Israelis mussten von der palästinensischen Polizei aus der Stadt geleitet werden. Warum aber erklärt die Navi-App Waze die palästinensischen Städte dermaßen pauschal zu Gebieten mit erhöhter Kriminalität? Auf eine entsprechende Frage des ARD-Studios Tel Aviv ging die PR-Agentur von Waze nicht ein. Das Unternehmen verweist nur darauf, dass die Gebiete von israelischen Sicherheitskräften als gefährlich eingestuft würden. Google, dessen App ohne Probleme Routen zwischen israelischen Siedlungen findet, nicht jedoch zwischen palästinensischen Städten, antwortete nur schriftlich. Dort heißt es:

Wir versuchen immer, unseren Nutzern die besten Routenhinweise zu geben. Es ist aber möglich, dass falsche Daten oder andere Fehler zu schlechten Navigationshinweisen führen. Ein breites Spektrum von Faktoren wird berücksichtigt, um die beste Route zu liefern. Wir schauen zum Beispiel auf die Größe der Straße, wie direkt die Route ist, die berechnete Reisezeit und andere Faktoren. Wie immer, ermuntern wir unsere Nutzer, uns über ein Tool in der App Bescheid zu geben, wenn etwas nicht stimmt.

— Stellungnahme von Google 

Das ARD-Studio Tel Aviv hakte bei Google nach, ob das wirklich erklärt, warum die App im Westjordanland versagt. Die Bitte um ein Telefonat wurde jedoch abgelehnt. Nadim Nashif, der arabisch-israelische Digitalaktivist, kauft Google nicht ab, dass falsche Daten zu den Problemen der App führen.

Schöne Fotos von Googles Hauptquartier im Silicon Valley, das ist die eine Sache. Aber hier geht es um ein Konfliktgebiet. Um die Besatzung. Google sollte Instrumente entwickeln, damit umzugehen.

— Nadim Nashif, Leiter von „7amleh“

Wenn Palästinenser durch das Westjordanland fahren, behelfen sie sich mittlerweile mit einer anderen Karten-App. Die kann von den Nutzern ergänzt werden, ein bisschen so wie Wikipedia. Google Maps ist für viele Palästinenser keine Option. Weil es da viel zu häufig heißt: Die Route wurde nicht berechnet.

Kommentare

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11 thoughts on “„Keine Route gefunden“”

    martina, Sonntag, 27.01.19, 3:18 Uhr

    hallo michael. wo ist für dich noch ein unterschied zu antisemitismus bei deinen beiträgen? ich mein das sehr ernsthaft. weil gerade schreibst du, das über tote palästinenser geschwiegen wird. redest ...

    hallo michael.
    wo ist für dich noch ein unterschied zu antisemitismus bei deinen beiträgen?
    ich mein das sehr ernsthaft.
    weil gerade schreibst du, das über tote palästinenser geschwiegen wird. redest von unterdrückung der palästinenser und verschweigst, das hamas ihr eigenes volk unterdrückt, insuniierst es sind nur die juden.
    unterstellst juden, sie würden keinen frieden wollen. sondern sagst, sie seien egoistisch, nationalistisch.
    sagst, juden drohe in ramallah keine gefahr. dass es an deinem kennzeichen vom auto gelegen ist, das dir nix passiert ist. daran denkst du nicht.
    den holocaust vergleichst du immer wieder mit palästinensern. komisch. würdest du dich schämen als palästinenser, welche attentate ausüben?
    du sagst sicher, das du nicht antisemitisch denkst. wo ist für dich der unterschied?
    gruß

    PeterM, Donnerstag, 24.01.19, 9:54 Uhr

    Ja, dann denkt mal darüber nach, warum Menschen in Gaza demonstrieren. Kann es auch damit zusammenhängen, dass hunderte Millionen Dollar in Waffen und Tunnelbau geflossen sind? Wäre dieses Geld den mi ...

    Ja, dann denkt mal darüber nach, warum Menschen in Gaza demonstrieren. Kann es auch damit zusammenhängen, dass hunderte Millionen Dollar in Waffen und Tunnelbau geflossen sind? Wäre dieses Geld den missbrauchten Menschen in Gaza zugute gekommen, wäre vieles besser. Zu dem Apartheitsvorwurf muss hier nichts mehr gesagt werden, er ist einfach Unsinn.
    Interessant ist, was eine arabische Politikerin des Likud vor kurzen dazu gesagt hat.

    Alexander, Dienstag, 22.01.19, 13:26 Uhr

    Ich empfehle den werten Lesern einfach mal "Lynchmord von Ramallah" in Wikipedia zu suchen.

    Ich empfehle den werten Lesern einfach mal „Lynchmord von Ramallah“ in Wikipedia zu suchen.

      Michael K., Mittwoch, 23.01.19, 1:51 Uhr

      Alexander, ich würde einmal darüber nachdenken was in Gaza passiert, warum Menschen protestieren. ûber 200 Tote und fast 20000 Verletzte Palästinenser. Und dazu wird geschwiegen. Da wo Unterdrückung h ...

      Alexander, ich würde einmal darüber nachdenken was in Gaza passiert, warum Menschen protestieren. ûber 200 Tote und fast 20000 Verletzte Palästinenser. Und dazu wird geschwiegen. Da wo Unterdrückung herrscht, wird es keine Jubelstimmung geben. Das ist nicht schwer zu verstehen. Frieden ist nun einma der beste Garant für Sicherheit. Deutschland und Frankreich legen dieser Tage durch ihren Freundschaftsvertrag Zeugnis davon ab. Wer lieber den Egoismus und Nationalismus einem Frieden vorzieht, der reist durch die Lande und liiert sich mit den merkwürdigsten Gestalten um Zwiespalt zu sähen und Anerkennung zu erheischen. Nicht Frieden interessiert, sondern ein paar Botschaften von Ländern übelster Sorte in Jerusalem unterzubringen. Eine ziemlich armselige Zielsetzung, was Google nicht sonderlich interessiert. Google zeigt sich denen gefügig, die die grösseren Muskeln haben. Gute Aussichten sind das nicht.

    Alexander, Montag, 21.01.19, 13:58 Uhr

    Wenn ich als Israeli mit dem Auto nach Ramallah fahren würde, so würde ein agressiver Mob mich aus dem Auto zerren und in Stücke reißen. Es ist unredlich von der Redaktion, diese reale Lebensgefahr (s ...

    Wenn ich als Israeli mit dem Auto nach Ramallah fahren würde, so würde ein agressiver Mob mich aus dem Auto zerren und in Stücke reißen. Es ist unredlich von der Redaktion, diese reale Lebensgefahr (siehe youtube videos) zu verschweigen. Da bin ich froh, dass mich Waze oder googlemaps davor schützt. Bitte bloß nichts daran ändern!

      Michael K., Montag, 21.01.19, 23:27 Uhr

      Ein unterdrücktes Volk wird einfa ch als agressiver Mob abgestempelt. Wie sollte man auch anders Unmenschlichkeit, Rassismus und Apartheid als notwendiges Übel begründen. Google steht also auf der Sei ...

      Ein unterdrücktes Volk wird einfa ch als agressiver Mob abgestempelt. Wie sollte man auch anders Unmenschlichkeit, Rassismus und Apartheid als notwendiges Übel begründen. Google steht also auf der Seite von Unrecht und Unterdrückung. Ich bin nie aus dem Auto gerissen worden als ich in den besetzten Gebieten herumgefahren bin, da ich durchaus als Jude hätte angesehen werden können. Menschen wird ihre Freiheit genommen. Sie werden táglich unterdrückt und gedemütigt. Wer mit dem Stiefel der Unterdrückung auf dem Boden gehalten wird, von dem soll Gefahr ausgehen, wenn er sich erhebt? Ist das das Menschenbild eines Rechtsstaates, von rechtschaffenen Personen. Ich würde mich schämen und Google gehört auf die Anklagebank. Anklage wegen Unterstützung von Rassismus.

      martina, Dienstag, 22.01.19, 7:15 Uhr

      hallo alexander. in dem artikel steht : In der Vergangenheit kam es vor, dass sich jüdische Israelis verfuhren und zum Beispiel mitten in der palästinensischen Stadt Ramallah landeten. Es kam zu Unruh ...

      hallo alexander.
      in dem artikel steht : In der Vergangenheit kam es vor, dass sich jüdische Israelis verfuhren und zum Beispiel mitten in der palästinensischen Stadt Ramallah landeten. Es kam zu Unruhen und die Israelis mussten von der palästinensischen Polizei aus der Stadt geleitet werden.
      was ist an unruhen nicht zu verstehen? wenn ich das höre, das unruhen aufkommen, wenn ich in der stadt bin. heißt das für mich, es ist sehr sehr gefährlich. und ich benötige auf jeden fall die hilfe der polizei.
      wie verstehst du das ?
      viele grüße

      martina, Dienstag, 22.01.19, 7:22 Uhr

      und alexander. die warnung erfolgt wohl pauschal nur für palästinensische gebiete. öhm. und wohl für alle menschen, egal welcher religion usw. umgedreht aber nicht. darum geht es in dem artikel. der a ...

      und alexander. die warnung erfolgt wohl pauschal nur für palästinensische gebiete. öhm. und wohl für alle menschen, egal welcher religion usw.
      umgedreht aber nicht.
      darum geht es in dem artikel. der artikel.
      und die lebensgefahr für juden in ramallah wird nicht außer acht gelassen.
      liebe grüße

      Doris, Dienstag, 22.01.19, 7:53 Uhr

      Jaja Apartheid finden Sie also gut? Bloß nichts an der Unterdrückung ändern. Bloß keine gleichen Rechte für alle. Hauptsache die Israelis dürfen alles und die Palästinenser dürfen nichts. Jeder der de ...

      Jaja Apartheid finden Sie also gut? Bloß nichts an der Unterdrückung ändern. Bloß keine gleichen Rechte für alle. Hauptsache die Israelis dürfen alles und die Palästinenser dürfen nichts.

      Jeder der den Palästinensern das Recht auf deren eigenen Staat und das Recht zur Selbstverteidigung gegen die zionistischen Besatzer und Unterdrücker verwehrt ist meiner Meinung nach Rassist!

      Und ihre Behauptungen sind sowas von Unwahr. Ich habe selbst mit israelischen und amerikanischen Juden in Palästinensischen Dörfern gegen die Besatzung demonstriert. Wir waren bei den Palästinensern herzlich eingeladen. Aber klar auf rassistische Besatzer sind die Palästinensern nicht gut zu sprechen. Wen wundert es bei dem alltäglichen israelischen Besatzungsterror, der Unterdrückung und der Willkür israelischer Besatzungssoldaten?

      Ich wäre Froh alle Welt würde die Israelis so behandeln wie Israel die Palästinenser behandelt. Vielleicht würde sich dann etwas ändern.

      sonic kid, Mittwoch, 23.01.19, 15:22 Uhr

      Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass die Weltgemeinschaft Israel ein ganzes Stück skeptischer betrachten würde, wenn von dort Vernichtungsabsichten geäußert würden. Israels Sicherheit wäre keine be ...

      Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass die Weltgemeinschaft Israel ein ganzes Stück skeptischer betrachten würde, wenn von dort Vernichtungsabsichten geäußert würden. Israels Sicherheit wäre keine behauptete deutsche Staatsräson, würden israelische Staatsbürger_innen nach Deutschland eingeschleust werden, um hier lebende Menschen zu erstechen.
      Ansonsten gibt es aber wenig Anlass, sich über mangelnde einseitige Verurteilungen Israels zu beschweren, das schaffen die Organisationen der Vereinten Nationen mit beeindruckender Vehemenz nämlich schon seit Jahrzehnten.

      Michael K., Donnerstag, 24.01.19, 13:24 Uhr

      Sonic kid, man kann selbstverständlich die Jahrzehnte lang dauernde Kritik an Israel als unangenehm und ungerechtfertigt ansehen. Aber ich verstehe nicht, dass man dabei die seit Jahrzehnten andauernd ...

      Sonic kid, man kann selbstverständlich die Jahrzehnte lang dauernde Kritik an Israel als unangenehm und ungerechtfertigt ansehen. Aber ich verstehe nicht, dass man dabei die seit Jahrzehnten andauernde Besatzung und die damit einhergehende Entrechtung eines Volkes völlig unberücksichtigt lässt. Ein Aufschrei müsste durch die Welt gehen, um dem ein Ende zu bereiten. Es ist doch ganz einfach. Besatzung und Kolonisierung Palästinas beenden und man wird seine Kritik an Israel einstellen. Man sollte nicht vergessen, viele Länder stehen in der Kritik. Aber mit nur wenigen Ländern, die gegen internationales und humanitäres Recht verstossen hat man auch gute Beziehungen und bemüht sich diese zu pflegen. Schwierig z.B. auf Nord Korea Einfluss auszuüben, während Israel sich als Teil des westlichen demokratischen Staatenbündniases versteht. Deswegen sollte man auch nicht länger auf einem Auge blind mit Israel umgehen.