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(K)ein Mann für Yad Vashem?

Der nationalreligiöse Ex-Politiker Effi Eitam soll die Holocaustgedenkstätte leiten - eine umstrittene Nominierung

Die Forschung zum Holocaust war bisher nicht sein Themengebiet – dafür ist Eitam mit radikalen, anti-arabischen Aussagen in Erscheinung getreten. Experten warnen nun in einem offenen Brief an die israelische Regierung davor, ihn zum Direktor zu machen. 

Von Benjamin Hammer
Am 21.11.2020

2008 sprach Ephraim „Effi“ Eitam in der Knesset, dem israelischen Parlament. Es kam offenbar zu einem Disput mit arabisch-israelischen Abgeordneten. Effi Eitam war damals Abgeordneter der Nationalreligiösen Partei. In einem Video des israelischen Parlamentsfernsehens ist zu sehen, wie er sagt:

Man muss euch in den Gazastreifen ausweisen. Es ist eine Schande, dass ihr noch immer im israelischen Parlament und im Staat des jüdischen Volkes seid. Der Tag wird kommen, an dem wir euch aus diesem Parlament und auch aus dem nationalen Heim des jüdischen Volkes vertreiben werden.

— Effi Eitam, designierter Direktor von Yad Vashem
Die Holocaust-Forschung war bisher nicht sein Themengebiet: Effi Eitam. Foto: dpa | picture alliance

Effi Eitam soll arabische Israelis mit einem Krebsgeschwür verglichen haben. Und dieser Mann soll nun zum Direktor von Yad Vashem werden – der wichtigsten Holocaust-Gedenkstätte der Welt.

Das ist eine Person, die wir im deutschen Kontext ganz klar im rechten, sogar im rechtsextremen Kontext zu verorten haben.

— Meron Mendel, Historiker
Meron Mendel hat einen offenen Brief gegen Eitam unterzeichnet. Foto: dpa | picture alliance

Effi Eitam ist rechtsextrem – so sieht es der israelische Historiker und Pädagoge Meron Mendel. Er leitet die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Mendel ist Mitunterzeichner eines offenen Briefes an die israelische Regierung. Auf keinen Fall dürfe Eitam Direktor von Yad Vashem werden.

Yad Vashem ist nicht nur die größte Gedenkstätte an die Schoah. Sondern auch die wichtigste moralische Instanz, was die Lehren aus der Shoah angeht.

— Meron Mendel, Historiker
Jeder Politiker, der Israel besucht, besucht auch mindestens einmal Yad Vashem. Foto: dpa | picture alliance

Yad Vashem sei für ihn ein Kompass: für historische Themen, aber auch in der Gegenwart, sagt der Historiker Mendel. Denn weiterhin würden Menschen aufgrund ihrer Religion oder Herkunft diskriminiert und verfolgt.

Effi Eitam ist jemand, der ganz klar die Überlegenheit des jüdischen Volkes über andere Völker auch propagiert. Und das gibt ihm nach seinem moralischen Kompass die Berechtigung, andere Religionen als zweitrangig zu behandeln.

— Meron Mendel, Historiker

Ende des Jahres wird der amtierende Direktor von Yad Vashem in den Ruhestand gehen. Die Nominierung eines Nachfolgers hat Ze‘ev Elkin übernommen. Er ist Minister für höhere Bildung und Mitglied der Likud-Partei von Premierminister Netanjahu. Obwohl seine Kandidatenauswahl für heftige Proteste sorgt – auch von Holocaust-Überlebenden – hält der Minister an Effi Eitam fest.

Sobald ein Kandidat früher dem rechten Lager angehörte, wird dieser automatisch abgelehnt. Es wird eine hässliche Kampagne geführt und Historiker im Ausland werden aktiviert. Nur wenn ein Kandidat aus dem linken Lager stammt, ist alles gut.

— Ze‘ev Elkin, Minister für höhere Bildung
Der Likud-Politiker Ze'ev Elkin will an seiner Nominierung festhalten. Foto: dpa | picture alliance

Die Kritiker entgegnen, dass Effi Eitam auch fachlich ungeeignet sei, sich nie mit der Erforschung oder der Vermittlung der Lehren des Holocaust hervorgetan habe. Bisher habe die Politik fachliche Erwägungen immer vor politische Vorlieben gestellt, sagt Meron Mendel. Der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank befürchtet, dass es damit nun vorbei sein könnte.

Es ist in der Tat ein Problem, dass Yad Vashem qua Gesetz der israelischen Regierung unterstellt ist.

— Meron Mendel, Historiker

Effi Eitams Nominierung muss noch vom israelischen Kabinett bestätigt werden. Blau Weiß – das Bündnis von Verteidigungsminister Benny Gantz – kündigte nun möglichen Widerstand an. Von Yad Vashem selbst: kein Kommentar. Es heißt jedoch, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in großer Sorge seien.

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