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Kein Dementi, keine Bestätigung

Über Israels mögliche Rolle bei den Explosionen im Iran gibt es keine gesicherten Informationen, aber viele Spekulation

Im Iran brannte es zuletzt in kritischen Einrichtungen wie der Atomanlage von Natanz. Israel sieht in Irans Atomprogramm eine Gefahr für sich und die Welt. Doch hat das eine mit dem anderen zu tun?

Von Benjamin Hammer
Am 29.07.2020

Der Moderator einer Nachrichtensendung im israelischen Sender KAN sollte vor ein paar Wochen über die Explosion in der iranischen Atomanlage Natanz sprechen. Gar nicht so leicht: Informationen über eine mögliche Rolle Israels könnten ein Fall für die israelische Militärzensur sein – weswegen sich israelische Medien auf Quellen im Ausland berufen.

Die New York Times zitiert einen Geheimdienstler aus dem Nahen Osten, der behauptet, die Explosion sei auf Sprengstoff zurückzuführen, der in der Anlage versteckt wurde. Wie immer wird Israel hinter Explosionen dieser Art vermutet. Es gibt aber keine Stellungnahme von unserer Seite.

— Nachrichten-Moderator beim Fernsehsender KAN
Die beschädigte Anlage im Iran. Foto: reuters

Seit Wochen kommt es im Iran zu Bränden oder Explosionen in kritischen Einrichtungen. In der vergangenen Woche brach ein Feuer in einer Hafenstadt aus, in der sich ein Kernkraftwerk befindet. In dieser Woche folgte ein Angriff auf eine Stellung von Verbündeten des Iran in Syrien. Beobachter gehen nicht davon aus, dass Israel hinter allen Vorfällen steht. Trotzdem steht Israel, das im iranischen Atomprogramm eine existenzielle Bedrohung sieht, im Fokus. Das weiß auch Verteidigungsminister Benny Gantz. Dem israelischen Radio sagt er:

Man kann uns immer im Verdacht haben, für alles. Aber ich denke nicht, dass das der richtige Ansatz ist. Nicht jedes Ereignis, das sich im Iran abspielt, hat automatisch etwas mit uns zu tun. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ein nuklearer Iran eine Gefahr für die Welt und für den Staat Israel darstellt. Und deshalb muss alles getan werden, damit dies verhindert wird.

— Verteidigungsminister Benny Gantz
Sagt nichts. Zumindest nichts Konkretes: Verteidigungsminister Benny Gantz. Foto: dpa | picture alliance

Gantz bestätigt nichts. Ein Dementi ist es aber auch nicht. Typisch israelisch sei das, meint der israelische Journalist Ronen Bergman, der sich in seinem Buch „Der Schattenkrieg“ mit Geheimoperationen des Landes beschäftigt.

Das ist schon eine besondere Sprache. Sie soll etwas aussagen, ohne spezifisch zu sein. Vertreter Israels sagen das mit einem Zwinkern, einem Lächeln. Es geht darum, eine Botschaft zu senden ohne die Verantwortung zu übernehmen.

— Ronen Bergman, Journalist

Am Artikel der New York Times, in dem Israel mit der Explosion in der iranischen Atomanlage Natanz in Verbindung gebracht wird, schrieb auch Ronen Bergman mit. Der Angriff habe einer neuen Generation von Zentrifugen für die Uran-Anreicherung gegolten. „Der Iran setzt auf die neuen Zentrifugen, die schneller und viel effizienter sind“, sagt Bergman. „Doch dieses Vorhaben hat durch den Angriff einen Rückschlag von ein bis zwei Jahren erlitten. Das ist dramatisch und relevant.“ In Israel wird nun über einen iranischen Vergeltungsschlag spekuliert. Doch der sei eher unwahrscheinlich, meint Menahem Merhavy, der an der Hebräischen Universität in Jerusalem forscht. Zu groß seien die aktuellen Probleme des iranischen Regimes, unter anderem wegen der Corona-Pandemie.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Da geht jemand gezielt davon aus, dass Irans Fähigkeiten, zurückzuschlagen, gerade sehr begrenzt sind.

— Menahem Merhavy, Iran-Experte

Vor etwa zwei Jahren kündigte US-Präsident Trump das internationale Atomabkommen mit dem Iran auf. Andere Länder taten das nicht. Seit etwa einem Jahr hält sich der Iran in Teilen nicht mehr an das Abkommen. „Israel geht nicht davon aus, dass die internationale Gemeinschaft viel unternehmen wird, um den Iran zu stoppen“, sagt der Journalist Bergmann. „Und so ist es immer: Wenn sich Israel im Stich gelassen fühlt, handelt es.“ Dass Israel definitiv hinter dem Angriff auf Natanz steckt, sagt aber auch Bergmann nicht. Zumindest nicht öffentlich.

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1 thought on “Kein Dementi, keine Bestätigung”

    Ismael Isaak, Sonntag, 02.08.20, 20:46 Uhr

    Wiedermal ein völlig überflüssiger Artikel. Er befeuert nur Verschwörungstheoretiker und die Gegner Israels, die auf genau diese Art von Spekulationen bauen.

    Wiedermal ein völlig überflüssiger Artikel. Er befeuert nur Verschwörungstheoretiker und die Gegner Israels, die auf genau diese Art von Spekulationen bauen.