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Kaum Chancen für den ESC-Gastgeber

Nach Nettas Sieg 2018 rechnen Kritiker in diesem Jahr nur mit wenig Erfolg für den israelischen Kandidaten Kobi Marimi

Statt auf Hochzeiten zu spielen, tourte die Vorjahres-Gewinnerin Netta Barzilai in den vergangenen Monaten durch Europa. Für sie war der ESC ein Karrieresprungbrett. Der diesjährige Kandidat wird wohl eher nicht in ihre Fußstapfen treten.

Von Tim Assmann
Am 13.05.2019

Ein Jahr ist es nun her, dass Israel den vierten Eurovision-Sieg feierte. Seitdem war Gewinnerin Netta Barzilai viel unterwegs, tourte durch Europa und brachte nach dem ESC-Hit Toy zwei weitere Lieder heraus. Vor allem in Israel ist es Netta gelungen, an den Erfolg von Toy anzuknüpfen. Von einem Wahnsinnsjahr spricht die 26-Jährige, die nicht vergessen hat, wie es war, keinen Erfolg zu haben.

Ich spielte in Bars und auf Hochzeiten und versuchte, davon zu leben. Manchmal zahlten sie, teils auch mit Essen und Bier. Und manchmal zahlten sie nicht. Ich sagte mir: Ich tue es für die Kunst und die Erfahrung.

— Netta Barzilai, ESC-Gewinnerin
Vorjahres-Gewinnerin Netta Barzilai hat mittlerweile weitere Songs veröffentlicht. Foto: dpa | picture alliance

2017 verdiente Netta mit Musik ganze 650 Euro und überlegte, Kindergärtnerin zu werden. Dann gewann sie einen nationalen Nachwuchswettbewerb, durfte deshalb zum ESC und der Rest ist Geschichte. Dass das Finale nun in Israel ausgetragen wird, macht Netta Barzilai natürlich stolz. Die Aufrufe, den Wettbewerb wegen Israels Besatzungspolitik gegenüber den Palästinensern zu boykottieren, hält Netta für falsch. Sie glaubt an den ESC als verbindendes Ereignis.

Auf der gleichen Bühne zu stehen, egal welche Religion, Herkunft oder Hautfarbe Du hast. Alle diese Länder und Kulturen zusammen – das ist ein Festival des Lichts. Wer das boykottiert, verbreitet Dunkelheit.

— Netta Barzilai, ESC-Gewinnerin

Israel wird in diesem Jahr durch Kobi Marimi vertreten. Auch er hat den Nachwuchswettbewerb gewonnen. Seine Ballade Home klingt allerdings ganz anders als Nettas Toy. Für Kobi Marimi ist das ESC-Finale auf dem Tel Aviver Messegelände quasi ein Heimspiel. Er wurde nicht weit entfernt, im Vorort Ramat Gan, geboren. Mit dreizehn fing er an zu singen, wichtiger war ihm aber zunächst das Schauspiel.

Mir sagte mal eine Freundin, dass ich mich im Alltag auflade und die Energie auf der Bühne rauslasse. Ich habe Schauspielunterricht genommen, um auf der Bühne vor Publikum auftreten zu können.

— Kobi Marimi, ESC-Kandidat
Für den diesjährigen Kandidaten Kobi Marimi sehen Kritiker nur geringe Chancen. Foto: dpa | picture alliance

Singen habe ihn als Kind und Jugendlicher nicht so richtig interessiert, weil es immer irgendwelche Regeln gegeben habe, sagt der heute 27-Jährige. Nun vertritt er Israel mit der Soulballade Home, die extra für ihn geschrieben wurde und in der es darum geht, sich selbst zu behaupten. Viele seiner Landsleute glauben nicht an einen Erfolg von Kobi Marimi, finden das Lied zu getragen und langweilig. Vorjahressiegerin Netta ist auch eher skeptisch.

Dieses Lied passt sehr gut zum Kandidaten Kobi Marimi. Einen Sänger ohne eigene Lieder zu nehmen und dann einen Hit draus zu machen, wird schwer. Um den ESC zu gewinnen, braucht man einen großartigen Song. Dieser Song ist gut.

— Netta Barzilai, ESC-Gewinnerin

Für die Israelis ist unabhängig vom Abschneiden des eigenen Beitrags vor allem eines wichtig: Sie sind die Gastgeber.