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Juden feiern das neue Jahr 5780

Jahreswechsel in Israel: Rosch haSchana beginnt Sonntagabend – schon in den Tagen zuvor herrscht Vorfreude

In ein Widderhorn blasen, an der Klagemauer beten, süße Apfelscheiben in Honig tunken und mit der Familie gemeinsam essen – das sind nur einige der Bräuche am jüdischen Neujahrsfest. Ein Beitrag von BR-Reporter Benny Riemer.

Von Studio Tel Aviv
Am 29.09.2019

Schon am Nachmittag beginnen die Feiern auf dem Platz vor der Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt. Jugendliche tanzen etwas abseits im Kreis, direkt an der Mauer stehen ultraorthodoxe Juden mit schwarzen Anzügen und Hüten und beten. Es ist deutlich mehr los als sonst, denn Rosch haSchana steht bevor, das jüdische Neujahrsfest. Ende September, bei über 30 Grad? Das hat mit dem jüdischen Kalender zu tun – denn da ist gerade nicht das Jahr 2019. Hadassah Schwarz ist selbst streng religiös und im Regierungspresseamt für solche Themen zuständig.

Nach unserer Zählung ist es das Jahr 5779, seit der Erschaffung der Welt und seit Adam und Eva. Rosch haSchana ist ihr Geburtstag.

— Hadassah Schwarz, Religionsexpertin

Ganze 3760 Jahre Unterschied also zum gregorianischen Kalender. Ein Feuerwerk gibt es nicht, um das neue Jahr 5780 zu begrüßen. Stattdessen wird traditionell in ein Widderhorn geblasen, den Schofar. Er kommt bei Gebeten in Synagogen zum Einsatz – und auch an der Klagemauer, schon in den Tagen vor Rosch haSchana. Ehrfürchtig steht ein Mann Ende 50 an der heiligen Stätte und bläst den Schofar. Vor ihm ein kleiner Koffer, denn er ist vom Flughafen direkt nach Jerusalem gefahren.

Ich wohne in Mexiko und ich fliege hierher, um an der Mauer zu sein, um bei meinen Leuten zu sein, und um diese Feierlichkeiten zu leben und zu fühlen.

— Schofar-Bläser an der Klagemauer
Vom Flughafen direkt an die Klagemauer: Dieser Mexikaner feiert das Neujahrsfest in Jerusalem. Foto: BR | Benny Riemer

Dann schließt er die Augen, bläst wieder in den Schofar und scheint völlig in Gedanken versunken. Die Religions-Expertin Hadassah Schwarz erklärt, was es mit dem Instrument auf sich hat.

Wo das genau herkommt, ist in der Bibel nicht beschrieben. Doch Rosch haSchana wird auch Tag des Shofar-Blasens genannt. Wir krönen damit Gott als den König der Welt. Dieser durchdringende Ton soll uns wachrütteln, die müden Seelen aufwecken, die sich über das Jahr von Gott entfernt haben.

— Hadassah Schwarz, Religionsexpertin
Ein religiöser Jude mit Gebetsschal bläst an der Klagemauer den Schofar. Foto: BR | Benny Riemer

„Kopf des Jahres“ heißt Rosch haSchana wörtlich übersetzt – und das Fest leitet zehn Bußtage ein, an denen sich die Menschen ihrer Taten des vergangenen Jahres bewusst werden sollen. Direkt danach ist Jom Kippur, der Versöhnungstag – da bitten gläubige Juden um Vergebung für ihre Sünden. Das Neujahrsfest Rosch haSchana wird an zwei Tagen gefeiert – die Geschäfte sind zu, kein Bus fährt, alle kommen zur Ruhe. Die meisten verbringen Zeit mit der Familie oder fahren zu Verwandten, wie diese Frau erzählt. „In die Synagoge gehen und für ein gutes neues Jahr beten – einfach bei der Familie zu sein, das ist das Besondere.“ Zentral sind dabei auch gemeinsame Mahlzeiten – mit sehr traditionellen Gerichten, die auch eine Bedeutung haben. Dieser Mann kauft gerade ein für die Feiertage.

Um das neue Jahr quasi süß zu machen, essen wir Apfelscheiben und tunken sie in Honig. Und man isst einen Fischkopf. Das soll heißen, man führt sich selbst mit Stärke ins neue Jahr, stark auch im Auftreten.

— Kunde in Jerusalem
Frische Äpfel auf einem Markt in Israel: Sie werden an Rosch haSchana in Scheiben geschnitten und in Honig getunkt. Foto: dpa | picture alliance

Drei Monate vor Feuerwerk und Sekt in Europa ist jetzt also Neujahr in Israel – und die Menschen wünschen sich, wie in Deutschland: Gutes Neues Jahr! Nur auf hebräisch: Schana tova.

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Kommentare

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10 thoughts on “Juden feiern das neue Jahr 5780”

    Florian, Freitag, 04.10.19, 10:28 Uhr

    Tina, Und wieder einmal lohnt der Blick in den Koran: Sure 2, 191: „Und tötet sie, wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführen ist schlimmer als Töten. ...

    Tina,

    Und wieder einmal lohnt der Blick in den Koran:

    Sure 2, 191: „Und tötet sie, wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführen ist schlimmer als Töten. Kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie gegen euch kämpfen, dann tötet sie.
    So ist die Vergeltung für die Ungläubigen.“
    Sure 8, 12: „… Ich werde denjenigen, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. Haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken und schlagt zu auf jeden Finger von ihnen!“
    Sure 8, 39: „Kämpft gegen die Ungläubigen, bis es keine Verfolgung mehr gibt und der Glaube an Allah allein vorherrscht!“
    Sure 9, 5: „Und wenn die verbotenen Monate verflossen sind, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie, und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt.“
    Sure 47, 4: „Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt;

    Lotte, Donnerstag, 03.10.19, 14:58 Uhr

    Toda raba, Ariel.

    Toda raba, Ariel.

    ariel, Donnerstag, 03.10.19, 11:59 Uhr

    @tina die aussage ist aus dem kontext gerissen. es heisst nicht, dass die nichtjuden versklavt werden muessen um den juden zu dienen. er bezieht sich darauf, dass am ende der tage, wenn die anwesenhei ...

    @tina

    die aussage ist aus dem kontext gerissen. es heisst nicht, dass die nichtjuden versklavt werden muessen um den juden zu dienen. er bezieht sich darauf, dass am ende der tage, wenn die anwesenheit gottes allgegenwertig wird, werden die nicht juden so nah wie moeglich den juden sein wollen. sie werden auch bereit sein die arbeit zu uebernehmen damit die juden sich mehr mit dem tempel-/gottesdienst beschaeftigen koennen. denn so wird das segen fuer alle groesser.

    auf der anderen seite, werden nichtjuden tatsaechlich als statisten auf dieser welt angesehen. das heisst aber nicht, dass ihr leben oder ihre freiheit weniger wert ist oder dass sie versklavt werden muessen. auch zu biblischen zeiten lebten nichtjuden in dem land israel. so lange sie keinen goetzendienst betrieben haben, waren sie nicht vogelfrei.

    Florian, Donnerstag, 03.10.19, 10:50 Uhr

    Bei manchen Kommentatoren hier ist Israel grundsätzlich der Aggressor und die Juden sind die Inkarnation des Bösen. Das hat dann mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun und mit Benutzen des Verstandes ...

    Bei manchen Kommentatoren hier ist Israel grundsätzlich der Aggressor und die Juden sind die Inkarnation des Bösen. Das hat dann mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun und mit Benutzen des Verstandes schon gar nichts.

    Der Befehlshaber der iranischen Revolutionsgarde, Generalmajor Hossein Salami, sagte am Montag, dass die Zerstörung Israels zu einem erreichbaren Ziel geworden ist. Dieses finstere Regime müsse von der Landkarte gestrichen werden. Und das ist nicht mehr ein Traum, sondern erreichbares Ziel. (AL-Monitor)

    Das ist die Wirklichkeit. Für dieses Ziel finanziert der Iran Hamas und Hisbollah.

    Schon 1973 rief Khomeini die arabische Welt zum heiligen Krieg gegen Israel auf. Nach der Revolution wurde dieses Ziel 1979 dann zum Grundsatz des Iran.

    Das Ausblenden der Wirklichkeit konstruiert ein irrationales Weltbild, das den eigenen Antisemitismus rechtfertigt. Dieser wird über Umwegkommunikation geäußert. Moralisch erhebt man sich über Israel.

    Lotte, Mittwoch, 02.10.19, 20:38 Uhr

    Tina, "Hab Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen" - aktuell wie nie. Die "moderne Technik" mit den guten Möglichkeiten geniessend, hiesse das heute: Den eigenen Verstand zur Differenzierung i ...

    Tina,

    „Hab Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – aktuell wie nie.
    Die „moderne Technik“ mit den guten Möglichkeiten geniessend, hiesse das heute:
    Den eigenen Verstand zur Differenzierung in der Flut der News, Worte, Bilder einzusetzen. Zu hinterfragen, wer, in welchem Zusammenhang, was, mit welcher Intention schreibt. Faktencheck – immer wieder u. mit verschiedenen Quellen.
    Abgleich mit eigenen Erfahrungen – die ja immer subjektiv sind, aber dadurch nicht zwingend falsch.
    Kontrolle auch des eigenen Verstandes durch Hinterfragen bzw. Anpassung der „Conclusio des eigenen Verstandes“ … im Laufe der Zeit.
    Sprich: auch der eigene Verstand als oberste Instanz kann irren.

    Zum Zitat:
    „A rabbi schould be the first, not the last, to reflect … “ s. Ihre Quelle.
    Die Juden, die ich kenne, hätten den Kopf geschüttelt, gelacht, es wäre für sie irrelevant.
    Bleibt die Frage, warum Sie sich anlässlich eines kleinen, harmlosen Neujahrsartikels an Yosef Ovadia „abarbeiten“ ?

    Tina, Mittwoch, 02.10.19, 13:12 Uhr

    Nein, ich bin keine Zeugin Jehovas, sondern ich wage es, nach Kant, meinen Verstand zu benutzen. Wie wäre es, wenn Sie, anstatt zu motzen, sich mal mit dem Zitatinhalt auseinandersetzen würden? "WARUM ...

    Nein, ich bin keine Zeugin Jehovas, sondern ich wage es, nach Kant, meinen Verstand zu benutzen.

    Wie wäre es, wenn Sie, anstatt zu motzen, sich mal mit dem Zitatinhalt auseinandersetzen würden? „WARUM ist es so schwer?“

    Quelle bitte sehr: Marcy Oster, “Sephardi Leader Yosef: Non-Jews Exist to Serve Jews,” Jewish Telegraphic Agency, October 18, 2010

    Warum regen Sie sich über das Wort „Goyim“ auf, ich habe es mir nicht ausgedacht.

    Daniel, Mittwoch, 02.10.19, 11:22 Uhr

    Und wieder verbreiten sie die uralte Version der HamasCharta und betreiben damit Propaganda. Dass dieses Dokument lange keine Gültigkeit mehr hat und längst durch eine neue Version ersetzt wurde inter ...

    Und wieder verbreiten sie die uralte Version der HamasCharta und betreiben damit Propaganda.

    Dass dieses Dokument lange keine Gültigkeit mehr hat und längst durch eine neue Version ersetzt wurde interessiert sie nicht. Stattdessen reißen sie alles aus dem Kontext.

    Die Verbechen jüdischer/zionistischer Terroristen blenden sie wie immer völlig aus.

    Dass aber immer wieder Rabbiner mit rassistischen Äußerungen gegen Nicht-Juden hetzen verurteilen sie natürlich nicht.

    Ihre Doppelmoral mal wieder …

    Nochmal für Sie: Die Zionisten haben aus ihren Plänen die Araber zu vertreiben und deren Land zu stehlen keinen Hehl gemacht. Dass die Palästinenser sich gegen diese aus Europa eingewanderten Rassisten verteidigen ist völlig legal und gerechtfertigt.

    „Wenn ich ein arabischer Führer wäre, würde ich nie einen Vertrag mit Israel unterschreiben. Es ist normal; wir haben ihr Land genommen.“ David Ben-Gurion

    Lotte, Dienstag, 01.10.19, 12:37 Uhr

    Tina, "Du sollst Dir kein Bildnis machen!" Weder über Gott. Noch darüber, wie weit ein anderer Mensch von Gott entfernt ist (bzw. Gott von ihm). Es wäre schön, wenn Sie bei Ihren Zitaten die genaue Qu ...

    Tina,

    „Du sollst Dir kein Bildnis machen!“

    Weder über Gott. Noch darüber, wie weit ein anderer Mensch von Gott entfernt ist (bzw. Gott von ihm).

    Es wäre schön, wenn Sie bei Ihren Zitaten die genaue Quelle angeben würden, so dass die Zitate nachlesbar und die Wertigkeit der Quellen überprüfbar werden.

    Sind Sie ggf. Zeugin Jehovas ?

    WARUM ist es so schwer, einfach mal einem anderen Menschen, einem „anderen Kind Gottes“, außerhalb der eigenen Gojim-, Gaijin- oder Sonstwas-Gruppe, vorbehaltlos ein „Gutes, glückliches, neues Jahr“ zu wünschen ?
    Wir tun es … unsere jüdischen Freunde tun es (gerade diese Tage).
    Ich tue es bei meinem Bahai-Arbeitskollegen … und umgekehrt.
    Mein Mann tut es bei seinen Muslim-Arbeitskollegen … und umgekehrt. Es reicht ein kleiner Erinnerungs-Kalender 🙂 , der gute Wille und natürlich Zuneigung. Und es ist schön.

    Florian, Dienstag, 01.10.19, 10:54 Uhr

    Tina Aus Artikel 7 der Charta der Hamas: Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm, – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bev ...

    Tina

    Aus Artikel 7 der Charta der Hamas:

    Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm, – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!

    Damit übernimmt die Hamas wörtlich die Hadithe (Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed). Wie schön, dass sich Hamas im Einklang mit dem Propheten befindet.

    Es ist die Aufforderung zur Tötung aller Juden.

    Sie sollten sich informieren, wie Juden in arabischen Gebieten schon immer behandelt wurden. Schon von Kindern. Können Sie alles nachlesen in: Georges Bensoussan, Die Juden der arabischen Welt. Berlin 2019.

    Unterdrückung und Mord waren normal. Mord ist auch heute normal. Und wird mit üppiger Rente honoriert.

    Tina, Sonntag, 29.09.19, 17:45 Uhr

    "Dieser durchdringende Ton soll uns wachrütteln, die müden Seelen aufwecken, die sich über das Jahr von Gott entfernt haben." Wie sehr war Rabbi Ovadia Yosef von Gott entfernt, als er in 2010 sagte: " ...

    „Dieser durchdringende Ton soll uns wachrütteln, die müden Seelen aufwecken, die sich über das Jahr von Gott entfernt haben.“

    Wie sehr war Rabbi Ovadia Yosef von Gott entfernt, als er in 2010 sagte:
    „Goyim were born only to serve us. Without that, they have no place in the world; only to serve the People of Israel. Why are gentiles needed? They will work, they will plow, they will reap. We will sit like an effendi and eat. . . .“