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Armee geht gegen Tunnel aus Libanon vor

Operation „Nördliches Schild“ soll mehrere Wochen dauern – aus Sorge vor Hisbollah-Reaktionen wurden Truppen verstärkt

Tunnel, die bis unter israelisches Gebiet führen und die laut israelischer Armee von der Hisbollah gegraben wurden, sollen nun zerstört werden. Israel will damit die eigene Bevölkerung vor Angriffen und Geiselnahmen schützen.

Von Tim Assmann
Am 04.12.2018

Operation Nördliches Schild – unter diesem Namen gehen Pioniere der israelischen Armee mit schwerem Gerät gegen verschiedene Tunnel vor, die das Militär der libanesischen Hisbollah-Miliz zuordnet. Es handelt sich nach Armeeangaben um Angriffstunnel, durch die Kämpfer der Schiiten-Miliz nach Israel vordringen sollten, um dort Anschläge gegen Zivilisten zu verüben und Geiseln zu nehmen.

In den nächsten Tagen wird die Operation ausgeweitet. Seit Oktober 2014 ist es uns gelungen, ein sehr gutes geheimdienstliches und operatives Bild zu bekommen, sodass wir heute mit viel Vertrauen in unser Wissen und unsere Möglichkeiten dieses Projekt starten.

— Armeesprecher Ronen Manelis

Der Armeesprecher machte keine Angaben über die Zahl der Tunnel und auch nicht darüber, wann genau die Anlagen entdeckt wurden. Das Militär hat die Operation gegen die Tunnel in der Nähe der kleinen Grenzgemeinde Metulla begonnen, die an drei Seiten von libanesischem Gebiet umgeben ist. Bei Bürgermeister David Azulai löste die Nachricht von den entdeckten Tunneln Sorge aus.

Wir stehen jetzt vor einer neuen Realität. Trotzdem haben wir volles Vertrauen in die Armee, allein schon, weil sie die Tunnel gefunden hat. Ich gehe davon aus, dass die Arbeiten der Armee hier in zwei Tagen beendet sein werden.

— David Azulai, Bürgermeister von Metulla 

Wie israelische Medien melden, rechnet die Armee damit, dass die Operation Nördliches Schild mehrere Wochen dauern könnte. Die Truppen in der betreffenden Region wurden verstärkt – aus Sorge vor möglichen Reaktionen der Hisbollah auf die Zerstörung der Tunnel. Dazu, ob der Einsatz auf libanesisches Gebiet ausgeweitet wird, machte Armeesprecher Manelis auch auf Nachfrage in einem Radiointerview keine klare Angabe. Bisher findet die Operation auf der israelischen Seite der Grenze statt, wie Emmanuel Nahshon, der Sprecher des israelischen Außenministeriums, erklärte:

Wir handeln auf unserem Staatsgebiet. Mit dem Bau dieser Angriffstunnel verstößt die Hisbollah gegen die UN-Resolution 1701 und das ist definitiv ein aggressiver Akt.

— Emmanuel Nahshon, Sprecher des Außenministeriums

Stunden vor dem Beginn der Operation Nördliches Schild war Israels Regierungschef Netanjahu in Brüssel mit US-Außenminister Mike Pompeo zusammengetroffen. Israelische Medien spekulierten darüber, dass Netanjahu seinen Gesprächspartner über die bevorstehende Operation an der libanesischen Grenze informierte. Vor seinen Abflug nach Brüssel hatte Netanjahu erklärt:

Wir sind im ständigen Kontakt mit unseren amerikanischen Freunden. Ich werde mit Mike Pompeo über verschiedene Entwicklungen in der Region sprechen und auch über die Schritte, die wir unternehmen werden, um die Aggressionen des Iran und seiner Verbündeten im Norden abzuwehren.

— Premier Benjamin Netanjahu
Israelische Medien spekulieren, ob es beim Treffen zwischen Premier Netanjahu und US-Außenminister Mike Pompeo um die Militäroperation gegangen ist. Foto: reuters

Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon ist aus Sicht der israelischen Regierung eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit des Landes. Nach unterschiedlichen Schätzungen verfügt die Hisbollah über mehr als 100 000 Raketen, die Ziele weit im Inneren Israels treffen können. An der rund 130 Kilometer langen Grenze zum Libanon baut Israel zur Zeit eine Sperrmauer, die in zwei Jahren fertig sein soll.

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4 thoughts on “Israels Armee geht gegen Tunnel aus dem Liban …”

    gunther, Freitag, 07.12.18, 11:40 Uhr

    Israel wird seit nunmehr 70 Jahren von islamischen Staaten und Terrororganisationen existenziell bedroht, auch mit Waffengewalt. Das gehört sozusagen zum Alltag. Hamas, Hisbollah und Iran verkünden di ...

    Israel wird seit nunmehr 70 Jahren von islamischen Staaten und Terrororganisationen existenziell bedroht, auch mit Waffengewalt. Das gehört sozusagen zum Alltag.
    Hamas, Hisbollah und Iran verkünden die Vernichtung von Israel.
    80.000 Terrorkämpfer der Hisbollah sind in Syrien tätig. Sie tragen z.T. syrische Uniformen. Sie erhalten Häuser geflohener oder vetriebener Syrer.
    Die Hisbollah hat ca. 100.000 Raketen im Südlibanon stationiert mit dem Ziel Israel. Sie wird finanziell und materiell vom Iran unterstützt. Sie macht Anstrengungen, eine eigene Raketenproduktion im Libanon zu errichten. Der Iran liefert Waffen mit Flugzeugen und Schiffen in den Libanon.
    Der Iran bezeichnet Israel als Krebsgeschwür, das getilgt werden muss.
    Wer sich auf die Auseinandersetzung Israel – Palästinenser beschränkt, verkennt den Imperialismus des Iran.

    Knut, Mittwoch, 05.12.18, 21:26 Uhr

    Schon seit vielen Monaten darf fest davon ausgegangen werden, dass der "real elephant in the room" weder in Gaza noch im Westjordanland zu suchen ist, sondern an Israels Nordgrenze. Ich hatte nach mei ...

    Schon seit vielen Monaten darf fest davon ausgegangen werden, dass der „real elephant in the room“ weder in Gaza noch im Westjordanland zu suchen ist, sondern an Israels Nordgrenze. Ich hatte nach meinem Besuch in Metulla letzten Sommer -wie offensichtlich auch das ARD-Team aus Tel Aviv- den Eindruck, dass die örtliche Bevölkerung in den Grenzgebieten noch recht gelassen mit dieser doch ziemlich unmittelbaren Gefahr umzugehen und volles Vertrauen in die IDF zu setzen scheint, zumindest nach außen hin. Da können noch so viele Raketendepots im Südlibanon vorhanden sein und unendlich viele gelb-grüne Hezbollah-Fahnen -von Israel gut sichtbar- flattern.
    Doch das Graben von Terrortunneln ist definitiv eine andere Hausnummer! Zumal es hierbei nicht um irgendeinen (m.E.n. vorgeschobenen) „Ausbruchsversuch aus dem Freiluftgefängnis Gaza“ geht, sondern tatsächlich um einen Angriff auf ein fremdes Staatsgebiet. Möge die Besonnenheit obsiegen. Ich möchte mir dort gar nichts anderes vorstellen…

    Simon, Mittwoch, 05.12.18, 10:37 Uhr

    Ob das noch unter Freiheitskampf läuft?

    Ob das noch unter Freiheitskampf läuft?

    ariel, Dienstag, 04.12.18, 22:30 Uhr

    und wann kommt die meldung in die nachrichten?

    und wann kommt die meldung in die nachrichten?