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Israel will Tausende Afrikaner ausweisen

Flüchtlinge werden derzeit aufgefordert, das Land zu verlassen – wer nicht freiwillig geht, soll ins Gefängnis

Für viele Israelis sind sie Eindringlinge, die rund 40.000 Flüchtlinge aus Eritrea und dem Sudan, die derzeit in Israel leben. Sie sollen nun freiwillig in afrikanische Drittländer ausreisen. Doch in Israel regt sich Protest gegen die Abschiebungen. Ein Beitrag von BR-Reporterin Eva Lell.

Von Studio Tel Aviv
Am 05.02.2018

David, ein Israeli mittleren Alters, steht in seinem Friseursalon und zeigt auf ein Bild seines Vaters. „Mein Vater hat den Holocaust überlebt. Man sieht die tätowierte Nummer auf seinem Unterarm. Von denen ist keiner ein Flüchtling“, sagt er und meint die Afrikaner im Land. „Das sind Eindringlinge, die hierbleiben wollen. Sie haben unheimlich viele Kinder. Jede Frau zwischen 16 und 60 ist schwanger.“ Eindringlinge, Wirtschaftsflüchtlinge, das sind die rund 40.000 Afrikaner auch für die israelische Regierung. Sie kommen überwiegend aus Eritrea und dem Sudan, sie sind seit 2007 über Ägypten illegal eingereist. Abgeschoben werden sollen zunächst nur alleinstehende, kinderlose Männer, das sind bis zu 20.000 Menschen. Menschenrechtsgruppen protestieren gegen dieses Vorgehen. Nava Hefetz von der Organisation Rabbiner für Menschenrechte argumentiert mit der Bibel.

Wenn ein Fremder bei dir zu Gast ist, musst du ihm den besten Platz geben in deinem Land. Du musst ihm die beste Arbeit geben, so steht es in der Bibel. Das habe nicht ich mir ausgedacht.

— Nava Hefetz, Rabbiner für Menschenrechte
Nicht nur die Flüchtlinge selbst protestieren: Auch immer mehr Israelis melden sich zu Wort und kritisieren die Abschiebungspläne der Regierung. Foto: dpa | picture alliance

Laut der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ sind anerkannte Opfer von Menschenhandel und Sklaverei von der Abschiebung ausgenommen. Unter dem Motto „Stoppt die Abschiebungen“ demonstrierten schon Ende Januar Bürger vor der Botschaft von Ruanda in der israelische Stadt Herzeliya: „Unser Protest gegen die Abschiebung begann an den Hochschulen“, ruft eine Studentin. „Aber es sind schon lange nicht mehr nur Studenten. Es sind Hunderttausende Israelis, die ihre Stimme erheben und versuchen, diese Abschiebungen zu verhindern.“ Yoav Klarman organisiert den Protest. Fast täglich finden Demonstrationen statt. Nur elf von Zehntausenden afrikanischen Flüchtlingen hätten Asylstatus in Israel bekommen, kritisiert er:

Der Staat Israel ist im Begriff, in den nächsten Monaten Tausende in die Lebensgefahr abzuschieben. Das ist eine Schande und die Bürger müssen jetzt die Verantwortung übernehmen. Die Bevölkerung muss jetzt ihre Stimme erheben.

— Yoav Klarman, Protestorganisator
Umgerechnet 2800 Euro will Israel jedem Flüchtling zahlen, der das Land verlässt. Foto: dpa | picture alliance

Die Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen (UNHCR) warnte Israel schon vor Monaten vor den Abschiebungen in afrikanische Drittländer. Die Menschen würden dort keine sichere und dauerhafte Lösung finden und befänden sich nach ihrer Rückkehr wieder auf der Flucht, innerhalb Afrikas oder nach Europa. Auch Piloten der Fluglinie ElAl haben sich dem Protest angeschlossen. Im israelischen Fernsehen äußert sich ein Pilot anonym mit verzerrter Stimme: „Diese Menschen dürfen nicht als Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückgeflogen werden, da sie dort getötet und vergewaltigt werden. Wir wollen damit nichts zu tun haben.“ Viele Afrikaner, die ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen wollen, bekommen dieser Tage eine schriftliche Aufforderung, das Land zu verlassen. Wenn sie bis Ende März freiwillig ausreisen, zahlt die Regierung den Flug und eine Prämie von umgerechnet 2.800 Euro. Gehen sie nicht, kommen sie in Israel ins Gefängnis.

 

Ich kann nicht nach Afrika zurückkehren. Egal ob Ruanda, Uganda oder Eritrea. Was soll ich denn in Ruanda oder Uganda machen? Das ist nicht meine Heimat. Dann gehe ich lieber ins Gefängnis.

— Marawi, Flüchtling aus Eritrea

Laut Medienberichten hat Israel ein Rückkehrabkommen mit den afrikanischen Staaten Ruanda und Uganda abgeschlossen. Beide afrikanischen Länder dementieren das, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die Zeitung „Times of Israel“ berichtet unter Berufung auf ranghohe Mitarbeiter der Gefängnisbehörde, es gebe gar nicht genügend Plätze in israelischen Gefängnissen, sollten sich Tausende Afrikaner der Abschiebung widersetzen.

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Kommentare

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11 thoughts on “Israel will Tausende Afrikaner ausweisen”

    ariel, Dienstag, 06.02.18, 8:29 Uhr

    das interessante ist, dass sehr viele migranten sich im land befinden ohne sich anzumelden oder asylantrag zu stellen. denn sie verstehen, null chancen zu haben asyl zu bekommen, da sie eben keine flu ...

    das interessante ist, dass sehr viele migranten sich im land befinden ohne sich anzumelden oder asylantrag zu stellen. denn sie verstehen, null chancen zu haben asyl zu bekommen, da sie eben keine fluechtlinge sind und einen offiziellen illegalen status nicht bekommen wollen.

    ich verstehe, dass jeder das recht hat nach glueck zu suchen. ich verstehe, dass die meisten von ihnen sehr viel geld an die schlepper bezahlt haben um nach israel zu kommen. ich verstehe, dass viele geld an ihre familien schicken. aber es gibt eben kein recht, sich ueberall niederlassen zu duerfen. genau so wie sie illegal nach israel eingewandert sind muessen sie israel verlassen. sie bringen sehr viele probleme mit sich.

    interessant ist auch, dass es genau die selben von eu bezahlte ngo’s sind welche die migranten unterstuetzen, die man schon durch israelfeindliche handlungen und bds verbindungen kennt.

      Lustig, Dienstag, 06.02.18, 10:52 Uhr

      Hallo Ariel, was hält man in Israel von George Soros?

      Hallo Ariel,

      was hält man in Israel von George Soros?

      ariel, Dienstag, 06.02.18, 11:53 Uhr

      nichts gutes. er unterstuetzt viele bds gruppen.

      nichts gutes. er unterstuetzt viele bds gruppen.

      Marco, Mittwoch, 07.02.18, 9:04 Uhr

      Hätte man die illegalen jüdischen Einwanderer nach Palästina auch wieder nach Europa schicken sollen? Die Zionisten waren damals schon undankbar. Obwohl die Palästinenser sie aufgenommen haben, haben ...

      Hätte man die illegalen jüdischen Einwanderer nach Palästina auch wieder nach Europa schicken sollen? Die Zionisten waren damals schon undankbar. Obwohl die Palästinenser sie aufgenommen haben, haben die Zionisten angefangen die Palästinenser zu vertreiben.
      Was für Egoisten.

      Simon, Sonntag, 11.02.18, 13:52 Uhr

      Genau so ist es Ariel. Hierzulande sollte man es auch so machen

      Genau so ist es Ariel.
      Hierzulande sollte man es auch so machen

    norbert, Dienstag, 06.02.18, 8:22 Uhr

    Wer halb Kalkutta aufnimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern der wird selbst zu Kalkutta!

    Wer halb Kalkutta aufnimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern der wird selbst zu Kalkutta!

    ariel, Montag, 05.02.18, 21:15 Uhr

    tendenziöse berichterstattung... das bibel zitat ist sowohl falsch uebersetzt als auch falsch verstanden. um den fremden handelt es sich um konvertiten. da die zum judentum konvertierte kein land besa ...

    tendenziöse berichterstattung…

    das bibel zitat ist sowohl falsch uebersetzt als auch falsch verstanden. um den fremden handelt es sich um konvertiten. da die zum judentum konvertierte kein land besassen wurden sie besonder geschuetzt. soviel zu den „rabbinern“ aus den „rabbiner fuer menschenrechte“.

    die allermeisten israelis sind fuer die schnelle abschiebung. ich persoenlich kenne viele israelis, welche in den nahostkonflikt fragen eher links stehen. ich kenne aber keinen einzigen israeli, weder auf meiner arbeit, noch aus meinem freundekreis, der gegen die abschiebung waere.

    einer der besonderheiten von israelischen grosstaedten war das nicht vorhanden von gewalt auf den strassen. israel ist dafuer bekannt, dass die eltern ihre kinder bis spaet in die nacht spazieren lassen. in fluechtlingvierteln passiert jetzt zum ersten mal das was in europaeischen grosstaedten seit jahrzehnten die regel ist.

    israel hat auch so genug soziale spannungen, weitere probleme will hier keiner.

      Knut, Dienstag, 06.02.18, 16:37 Uhr

      @ Ariel Nun, ob wohl auch diese beiden Bibelzitate "falsch übersetzt" sind? Dann bestünde - zumal vor dem nahenden Pessah-Fest - die passende Gelegenheit, Buchstabe und Geist entsprechend einzuordnen ...

      @ Ariel Nun, ob wohl auch diese beiden Bibelzitate „falsch übersetzt“ sind? Dann bestünde – zumal vor dem nahenden Pessah-Fest – die passende Gelegenheit, Buchstabe und Geist entsprechend einzuordnen oder gerade zu rücken:

      „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.“ (3. Buch Mose 19,33f.)

      „Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr kennt doch die Seele des Fremden, weil ihr auch Fremde in Ägyptenland gewesen seid.“ (2. Buch Mose 23,9)

      Wenn es nach Ihren Einschätzungen keine linken Israelis gibt, die diese Abschiebungen von rd. 40.000 „Fremdlingen“ (entsprechend rd. 0,5 Prozent der israelischen Bevölkerung) befürworten sollen, wie sind wohl jene Dutzende Shoah-Überlebende einzuordnen, die das ganz anders sehen? Oder jene sich weigernde ElAl-Piloten?

      ariel, Mittwoch, 07.02.18, 14:19 Uhr

      @knut im hebraeischem original steht "ger". ger ist ein zum judentum uebergetrettener, bzw seine kinder und enkelkinder. daher wird in der deutschen uebersetzung eben "fremdling" und nicht "fremder" g ...

      @knut

      im hebraeischem original steht „ger“. ger ist ein zum judentum uebergetrettener, bzw seine kinder und enkelkinder. daher wird in der deutschen uebersetzung eben „fremdling“ und nicht „fremder“ geschrieben um einen unterschied zu machen. in aegypten waren juden fremdlinge, da sie kein eigenes land besassen und keine verbindung zu dem land hatten. daher sollte man ausgerechnet auf einen ger, (der kein land besitzt) ruecksicht nehmen.

      die illiegalen immigrante sind also fremde und keine fremdlinge. fremde auslaender, also ganz fremde werden in der bibel als „nachri“ und nicht als „ger“ uebersetzt.

      ich habe nicht behauptet, dass es niemanden gibt, der gegen die abschiebung ist. ich habe ledeglich gemeint, dass ihre anzahl eher klein sein muss. da wird ein el al pilot und ein paar holochausueberlebende wohl eine ausnahme sein.

      uebrigens wird es nicht die aufgabe von el al sein, diese abzuschieben.

    Markus Becker, Montag, 05.02.18, 15:35 Uhr

    Interessant. Afrikaner -darunter eine nicht geringe Zahl von Moslems- fliehen wohin? Soviel zum Thema Apartheidstaat.

    Interessant. Afrikaner -darunter eine nicht geringe Zahl von Moslems- fliehen wohin? Soviel zum Thema Apartheidstaat.

      Michael K., Montag, 05.02.18, 17:55 Uhr

      Markus Becker, eine ziemlich armselige Antwort auf ein Problem was eine Stellungnahme erfordert. Sind menschliche Reaktionen von Zionisten oder Kolonisatoren denn gar nicht mehr möglich? Warum flohen ...

      Markus Becker, eine ziemlich armselige Antwort auf ein Problem was eine Stellungnahme erfordert. Sind menschliche Reaktionen von Zionisten oder Kolonisatoren denn gar nicht mehr möglich?

      Warum flohen Juden wohl aus Deutschland? Und sie wurden auch abgewiesen. Also einfach weiter so? Sudan und Eritrea sind ja nicht gerade Vorzeigeparadiese. Flüchtlinge bringen Probleme und da muss man nach Lösungen suchen. Aber einfach wissentlich Menschen ins Unglück stürzen zu wollen ist mehr als nur zynisch. Aber ein Apartheid-Staat hat halt seine menschlichen Grenzen.