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In 20 Minuten von Jerusalem zum Flughafen

Die neue Strecke für Schnellzüge wird heute teilweise eröffnet – das Stück nach Tel Aviv soll in einigen Monaten folgen

Jerusalem – Tel Aviv: Für diese Strecke mussten Pendler bislang bis zu zwei Stunden einplanen. Demnächst soll ein neuer Hochgeschwindigkeitszug die Menschen in gerade mal einer halben Stunde von einer Stadt zur anderen bringen. Nun öffnet zumindest eine Teilstrecke – Premier Netanjahu hat sie bereits getestet. 

Von Benjamin Hammer
Am 25.09.2018

Langsam schlängelt sich der Zug die Berge von Judäa hinauf. Das Ziel: Jerusalem. Gebaut wurde die Strecke vor über 120 Jahren. Sie gilt als eine der schönsten Bahnstrecken der Welt. Aber die Verbindung ist quälend langsam. Von Tel Aviv nach Jerusalem braucht man über 90 Minuten und muss zwischendurch auch noch umsteigen. Für die vielen Pendler zwischen den beiden Städten ist das keine Option. So klingt die Zukunft: Mit 160 Stundenkilometern fährt der Zug auf der Neubaustrecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Die Waggons sind rote Doppelstockwagen, die gleichen wie beim Regionalexpress in Deutschland. In der vergangenen Woche fuhr schon mal der israelische Premierminister von Jerusalem aus zum Flughafen von Tel Aviv. Die Fahrtzeit: etwas mehr als 20 Minuten. Mindestens doppelt so schnell wie mit dem Auto.

Dies ist ein historischer Moment. Nach enormem Aufwand der Regierung, des Verkehrsministeriums und aller anderen Beteiligten ist der Moment endlich erreicht. Es ist der Beginn einer neuen Ära.

— Premier Benjamin Netanjahu
Jerusalem bis zum Flughafen: Auf der Teilstrecke, die nun eröffnet wird, ist der Premier vergangene Woche bereits gefahren. Foto: dpa | picture alliance

Tel Aviv liegt am Meer. Jerusalem in 750 Metern Höhe. Das machte die alte Zugstrecke so langsam und das machte die Bauarbeiten der Neubaustrecke so kompliziert. Sie führt durch fünf Tunnel mit einer Gesamtlänge von 38 Kilometern. Die Kosten für das Projekt: Umgerechnet 1,7 Milliarden Euro. In Zukunft sollen die Züge von Tel Aviv nach Jerusalem weniger als 30 Minuten brauchen. Mit dem Auto braucht man doppelt so lang. Wenn man nicht im Stau steht, was sehr häufig vorkommt. Dann sind es um die zwei Stunden. Kein Zweifel: Für die vielen Pendler zwischen den beiden größten Städten in Israel ist die neue Zuglinie hochattraktiv. Es sind aber nicht nur wirtschaftliche Aspekte, die die Vertreter von Israels Regierung umtreiben. Für Verkehrsminister Israel Katz geht es noch um etwas anderes.

Gerade in dieser Zeit, in der der Bund des jüdischen Volkes mit Jerusalem und der Anspruch des jüdischen Volkes auf Jerusalem öffentlich in Frage gestellt wird, binden wir Jerusalem an und verbinden uns mit der Geschichte Jerusalems.

— Israel Katz, Verkehrsminister

Katz bezieht sich auf die Proteste der Palästinenser. Die beanspruchen den Ostteil Jerusalems als künftige eigene Hauptstadt – was Israels Regierung entschieden ablehnt. Die neue Bahnlinie soll die kompromisslose Haltung manifestieren: Geplant ist, sie eines Tages bis zur so umstrittenen Altstadt von Jerusalem zu verlängern. Die dortige Station soll dann nach dem Mann benannt werden, der im Mai die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen ließ: US-Präsident Donald Trump. Auch auf einem anderen Gebiet ist die neue Bahnlinie nicht unumstritten: Sie führt teilweise durch das von Israel besetzte Westjordanland. Weil das so ist, hatte sich die Deutsche Bahn vor sieben Jahren aus dem Projekt zurückgezogen. So richtig fertig ist Israels Prestigeprojekt auch nach seiner Eröffnung noch nicht. Zunächst fahren die schnellen Züge von Jerusalem aus nur bis zum Flughafen Tel Aviv. Auf dem Rest der Strecke bis in die Innenstadt von Tel Aviv fehlen noch die Hochspannungsleitungen. In etwa sechs Monaten sollen die Züge durchfahren. Und erst dann können zehntausende Israelis, die sich bisher in ihren Autos durch den Berufsverkehr quälen, aufatmen.

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Kommentare

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12 thoughts on “In 20 Minuten von Jerusalem zum Flughafen”

    gunther, Mittwoch, 03.10.18, 11:31 Uhr

    Es soll Leute geben, die sich weigern, historische Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen. Es gibt Leute, die Kritik ausschließlich an Israel formulieren. Wo bleibt hier die Empörung bei den angeblich für F ...

    Es soll Leute geben, die sich weigern, historische Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen.
    Es gibt Leute, die Kritik ausschließlich an Israel formulieren.

    Wo bleibt hier die Empörung bei den angeblich für Freiheit und Gerechtigkeit Streitenden, wenn es um die Unterdrückung der fundamentalen Menschenrechte unter der Fatah und der Hams geht? Wo bleibt die Empörung über die Ünterdrückung der Pressefreiheit in islamischen Gebieten? Wo die Empörung über die Unterdrückung der Frau? Wo die Empörung über den Kopftuchzwang für Kinder in Gaza?

    Knut, Dienstag, 02.10.18, 16:53 Uhr

    Tja, manche warnen eben vor hunderten von Geisterfahrern ohne auch nur ansatzweise einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie sehr wahrscheinlich selbst der eine Geisterfahrer sind, dem hunderte R ...

    Tja, manche warnen eben vor hunderten von Geisterfahrern ohne auch nur ansatzweise einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie sehr wahrscheinlich selbst der eine Geisterfahrer sind, dem hunderte Richtigfahrende entgegenkommen… Und wenn sie dies bewusst und damit in bösartiger Absicht tun, werden sie ohne Rücksicht auf Verluste möglichst viele Unschuldige mit in den Abgrund reißen, von denen sie auch noch dreist erwarten, dass diese sich bei dem Geisterfahrenden entschuldigen und Abbitte leisten…

    gunther, Dienstag, 02.10.18, 6:19 Uhr

    Der beliebteste Satz von Antisemiten: Ich bin kein Antisemit. Aber: Man wird ja wohl noch mal sagen dürfen. Tatsachen spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist die Verurteilung Israels. Da wird dann ...

    Der beliebteste Satz von Antisemiten: Ich bin kein Antisemit.
    Aber: Man wird ja wohl noch mal sagen dürfen.
    Tatsachen spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist die Verurteilung Israels. Da wird dann gerne mal verschwiegen oder hingedreht.

    Das Land, das in der UNO permanent verurteilt wird, ist Israel.
    Kein Wort zu Nordkorea, zu China, zu Syrien, zu Iran (immerhin führend in der Hinrichtung von Menschen).
    Die UNO ist ausgesprochen glaubwürdig.

    gunther, Dienstag, 02.10.18, 5:43 Uhr

    Knut erzählt hier über Resolution 242 die Unwahrheit. Der britische UN-Botschafter (maßgeblich an der Formulierung beteiligt) erklärte: Wir haben nicht gesagt, dass es einen Rückzug zur 67er-Linie geb ...

    Knut erzählt hier über Resolution 242 die Unwahrheit. Der britische UN-Botschafter (maßgeblich an der Formulierung beteiligt) erklärte: Wir haben nicht gesagt, dass es einen Rückzug zur 67er-Linie geben sollte (…) wir haben absichtlich nicht von allen Gebieten gesprochen.
    Der Eroberung von Westjordanland und Ostjerusalem 1967 ging „palästinensischer“ Terror, Mobilmachung der arabischen Staaten gegen Israel, die Sperrung der Straße von Tiran, Angriffe auf israelische Besiedlungen durch Syrien voraus. Diese existenzielle Bedrohung wollte Israel ausschalten.
    Im Übrigen waren Westjordanland und Ostjerusalem durch Jordanien seit 1948 besetzt und dann annektiert.
    Syrien und Ägypten wollten diesen Krieg. Ihr gemeinsames Ziel: die Auslöschung Israels.

    Knut, Montag, 01.10.18, 15:48 Uhr

    Laut UN-Definition gehört das Westjordanland (= alle Gebiete jenseits der Grünen Linie vom 1. Juni 1967) NICHT zu Israel! Dies auch nur zu erwähnen oder hervorzuheben begreifen leider nicht wenige als ...

    Laut UN-Definition gehört das Westjordanland (= alle Gebiete jenseits der Grünen Linie vom 1. Juni 1967) NICHT zu Israel! Dies auch nur zu erwähnen oder hervorzuheben begreifen leider nicht wenige als Israelkritik oder gar Antisemitismus – und das, obwohl Israels Regierung genau diese Grenze NICHT mehr respektieren und sogar vergessen zu machen versucht, in- und außerhalb Jerusalems. Auch das sind Fakten!

    gunther, Montag, 01.10.18, 8:50 Uhr

    Es ist sehr wohl "Israelkritik", wenn Israel vorgeworfen wird, Grenzen nicht zu respektieren. Respektiert die Hamas Grenzen? Auch hier wieder die doppelten Standards, die laut der EU-Definition eindeu ...

    Es ist sehr wohl „Israelkritik“, wenn Israel vorgeworfen wird, Grenzen nicht zu respektieren. Respektiert die Hamas Grenzen?
    Auch hier wieder die doppelten Standards, die laut der EU-Definition eindeutig Merkmal von Antsemitismus sind.
    Die Projektion des Antisemitismus richtet sich gegen Israel als Staat. Damit ist gemäß der EU-Definition ein weiteres Merkmal des Antisemitismus erfüllt. Auf dem Umweg mit der „Israelkritik“ wird Antisemitismus geäußert, der nicht sanktioniert wird.

    Übrigens: Von der Altstadt nach Bethlehem sind es 8 km.

    Knut, Sonntag, 30.09.18, 21:29 Uhr

    Hallo Ariel, ja im Leugnen, Ignorieren und Inabredestellen von Zusammenhängen, die eigentlich längst bekannt und vielfach besprochen sein dürften, bis Du ganz groß, wenngleich auch bei weitem nicht de ...

    Hallo Ariel,

    ja im Leugnen, Ignorieren und Inabredestellen von Zusammenhängen, die eigentlich längst bekannt und vielfach besprochen sein dürften, bis Du ganz groß, wenngleich auch bei weitem nicht der Einzige…

    Bezüglich des Kampfflugzeug-Abschusses 2015 durch die Türkei: Bitte meinen Text einfach noch einmal durchlesen und nicht schon wieder – fast schon wie auf Knopfdruck und ohne richtig zuzuhören – „Israelkritik“ dahinter vermuten! Hierbei ging es um eine Respektierung von Grenzen, die die Türkei sehr streng ausgelegt und damit sogar einen größeren Konflikt provoziert hat. Vielleicht kannst Du ja in einschlägigen Quellen selbst recherchieren, worum es bei diesem Konflikt zwischen Erdogan und Putin damals ging…

    Gerd, Dienstag, 25.09.18, 13:51 Uhr

    Eine Anmerkung. Ein Hochgeschwindigkeitszug ist ein Zug, der schneller als 200 km/h fährt. Der hier fährt 160.

    Eine Anmerkung. Ein Hochgeschwindigkeitszug ist ein Zug, der schneller als 200 km/h fährt. Der hier fährt 160.

      Lotte, Dienstag, 25.09.18, 16:39 Uhr

      " ... mindestens 190 km/h " stand bei Wikipedia :-) ...

      “ … mindestens 190 km/h “ stand bei Wikipedia 🙂 …

      Gerd, Dienstag, 25.09.18, 20:52 Uhr

      Die führt nicht wirklich teilweise durch das sog. Westjordanland. Sie führt in einem Tunnel "unter" einem 6 km breiten Zipfel durch. Und die Palästinenser sind nun wirklich nicht in einer Position sic ...

      Die führt nicht wirklich teilweise durch das sog. Westjordanland. Sie führt in einem Tunnel „unter“ einem 6 km breiten Zipfel durch. Und die Palästinenser sind nun wirklich nicht in einer Position sich über Tunnelbau zu beschweren. 😉

      Knut, Freitag, 28.09.18, 0:05 Uhr

      Klar Gerd, die Palästinenser sind ja schließlich auch nicht Erdogan! Der hat den "versehentlichen" Überflug eines über Syrien operierenden russischen Kampfjets über "ein paar Kilometer" türkisches Ter ...

      Klar Gerd, die Palästinenser sind ja schließlich auch nicht Erdogan! Der hat den „versehentlichen“ Überflug eines über Syrien operierenden russischen Kampfjets über „ein paar Kilometer“ türkisches Territorium im November 2015 wie noch mal „beantwortet“? Knallhart, mit einem Abschuss vielleicht? Auch anhand dessen wurde sehr klar, welche Bedeutung Grenzen haben können, auch und gerade im Nahen Osten. Diese Möglichkeit haben Palästinenser nicht, Die können ihren Besatzern eben nicht zeigen, wo ultimativ der Hammer hängt, wenn auch nur wegen „ein paar Kilometern“ eigenen Territoriums! Nur mal so zur Größeneinordnung: 6 km entspricht übrigens in etwa der Entfernung zwischen Jerusalems Altstadt und Bethlehem…

      ariel, Samstag, 29.09.18, 22:39 Uhr

      Knut, kannst du mir vielleicht ein international anerkanntes Dokument geben, der die grenzen diesen mysteriösen Palästinenserstaates aufzeigt? Übrigens hat Israel kein russisches Flugzeug abgeschossen ...

      Knut, kannst du mir vielleicht ein international anerkanntes Dokument geben, der die grenzen diesen mysteriösen Palästinenserstaates aufzeigt?

      Übrigens hat Israel kein russisches Flugzeug abgeschossen, obwohl diese schon zwei-drei mal israelisches Luftraum verletzt haben.