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Geheimnis des israelischen Kindersegens

Warum die Geburtenrate hier höher ist als anderswo

3,1 Kinder bekommt eine Frau in Israel durchschnittlich. In Deutschland sind es gerade mal 1,5. Und es sind nicht allein die Ultraorthodoxen, die die Statistik nach oben treiben.

Von Peter Kapern
Am 08.02.2017

Das Leben in Israel ist wirklich hart. Härter als in Deutschland. Kann sein, dass genau daher das Gefühl kommt, Trost zu empfinden durch die Existenz eines Menschen, der ganz und gar zu dir gehört, und das zu dem starken Wunsch beiträgt, Mutter zu werden.

— Yuval Atzmon, Reproduktionsmediziner

Yuval Atzmons überlegt oft, wo er herkommt, dieser starke Wunsch seiner Patientinnen, Mutter zu werden. Yuval Atzmon ist Reproduktionsmediziner in Tel Aviv. In seinem Fachgebiet ist Israel weltweit führend. Nicht nur bei dem, was Mediziner können, sondern auch bei dem, was sie dürfen. Bis zum Alter von 45 Jahren können Frauen hier mit einer künstlichen Befruchtung schwanger werden. Bis zum Alter von 55 können sie sogar eine Eizellenspende erhalten. Und der Staat bezahlt dafür. Statistisch betrachtet bringt eine Israelin im Laufe ihres Lebens 3,1 Kinder zur Welt. In Deutschland liegt die Zahl bei 1,5. Dieser enorme Unterschied lässt sich natürlich nicht nur mit einem liberalen Umgang mit der Reproduktionsmedizin erklären. Die wirklichen Gründe für den Kinderreichtum in Israel erforscht Professor Sergio DellaPergola, Demografieexperte an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Was den Kinderreichtum in Israel angeht, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten bei den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in Israel viel verändert:

Früher gab es riesige Unterschiede bei der Zahl der Kinder. In den 1960er Jahren zum Beispiel hatten muslimische Frauen durchschnittlich fast zehn Kinder und jüdische Frauen 2,5 bis 3. Aber diese riesigen Unterschiede sind mittlerweile geschrumpft.

— Sergio DellaPergola, Demografie-Experte

Aber noch immer ist es so, dass in den traditionellen, religiösen Milieus des Landes mehr Kinder zur Welt kommen als in den nicht religiös orientierten Gruppen. Und trotzdem: Auch die weltlich orientierten Frauen im Lande bringen deutlich mehr Kinder zur Welt als deutsche Frauen. Warum das so ist? Professor DellaPergola hat ein paar klare Zusammenhänge erkannt: je größer der Wohlstand, desto mehr Kinder. Und außerdem: je größer der Optimismus, desto mehr Kinder. Das haben seine Untersuchungen ergeben. Das mit dem Wohlstand leuchtet ein, schließlich kosten Kinder auch in Israel viel Geld.

Israelis sind zufriedener und optimistischer

Aber dass ausgerechnet das hohe Maß an Optimismus und die Zuversicht, einer guten Zukunft entgegenzugehen, Ursache der hohen Geburtenzahl sein soll, überrascht dann doch. Schließlich vergeht kein Tag in Israel ohne politisch motivierte Gewalt, alle paar Jahre gibt es Krieg und der Ministerpräsident warnt ständig vor der iranischen Atombombe. Trotzdem zählt Israel zu den Ländern mit den zufriedensten und optimistischsten Einwohnern weltweit. Warum? Das kann Professor DellaPergola nicht aus seinen Zahlenkolonnen herauslesen, hier muss er interpretieren. Er führt diesen Optimismus darauf zurück, dass die Menschen in Israel sich noch immer als Teilhaber am zionistischen Projekt empfinden. Dass Israel seinen Einwohnern noch immer das Gefühl vermittelt, etwas Gemeinsames aufzubauen, etwas Neues zu schaffen.

Wir können hier neue Sachen auf die Beine stellen, neue Städte bauen. Sagen Sie mir, wann in Westeuropa das letzte Mal eine neue Stadt entstanden ist? Insgesamt haben die Menschen hier das Gefühl, dass sie zu etwas Wachsendem beitragen und das vermittelt ihnen ein Gefühl der Erfüllung.

— Sergio DellaPergola, Demografie-Experte

Interessant auch, was den Untersuchungen des Demografen zufolge nicht zum israelischen Babyboom beiträgt. Nämlich das Verlangen, im von Yassir Arafat ausgerufenen Krieg der Gebärmütter den Sieg über die Palästinenser davontragen zu wollen.

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1 thought on “Geheimnis des israelischen Kindersegen”

    ariel, Mittwoch, 08.02.17, 16:21 Uhr

    es lebe der zionismus :) die israelis sind halt weniger selbstsuchtig, wie die europaer es sind. kariere kann man auch mit vielen kinder haben. ich glaube auch daran, dass es an optimismus liegen muss ...

    es lebe der zionismus 🙂

    die israelis sind halt weniger selbstsuchtig, wie die europaer es sind. kariere kann man auch mit vielen kinder haben.

    ich glaube auch daran, dass es an optimismus liegen muss. die israelis haben so viele kinder, weil sie fest davon ueberzeugt sind, dass es eine gute zukunft geben wird.