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Hochsaison in der Krise

Nach den jüngsten Ausschreitungen bleiben die sonst üblichen Touristenströme in Bethlehem diese Weihnachten aus

Normalerweise machen sich zu Weihnachten Christen aus aller Welt auf nach Bethlehem, nach christlicher Überlieferung die Geburtsstadt Jesu. Hotels wären um diese Zeit ausgebucht, Restaurants gut gefüllt. Doch nichts davon ist derzeit zu sehen – obwohl sich die Krawalle seit dieser Woche gelegt haben.

Von Benjamin Hammer
Am 23.12.2017

Vor dem Hotel Jacir Palace auf der Hebronstraße in Bethlehem beseitigt ein Mann mit einem Hochdruckreiniger die Spuren der vergangenen Tage: Palästinensische Demonstranten hatten Autoreifen angezündet und mit Steinen geworfen. Die israelische Armee schoss mit Tränengaskanistern und Gummigeschossen. Direkt vor dem Hotel, einem prächtigen Palast, der über 100 Jahre alt ist, kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Mitarbeiterin Nadia Mitwasi führt durch die leeren Gänge des Hotels. Die Heizung haben sie ausgestellt, es ist kalt. Eine Woche lang war das Hotel geschlossen. Jetzt ist es wieder geöffnet, aber die Touristen fehlen. Nur elf Zimmer sind heute belegt – von 250.

Wir befinden uns mitten in der Weihnachtszeit, normalerweise wären wir jetzt fast ausgebucht. Aber in diesen Tagen natürlich nicht. Hoffentlich wird es jetzt besser, wir glauben, dass das gerade passiert.

— Nadia Mitwasi, Hotelmitarbeiterin
Nadia Mitwasi müsste sich um diese Zeit eigentlich um hunderte Hotelgäste kümmern. Foto: BR | Benjamin Hammer

Im Jacir Palace haben sie sogar einen neuen Eingang geschaffen. Die Gäste können das Hotel von einer Seitenstraße aus betreten, wenn es auf der Hauptstraße zu Unruhen kommt. Aber ob das die Reisenden überzeugt? Viele Länder haben ihre Staatsbürger vor Reisen in die palästinensischen Gebiete gewarnt – und damit auch vor Reisen nach Bethlehem. Vor der Geburtskirche wurde ein riesiger Weihnachtsbaum aufgestellt – die Lichter brennen in diesen Tagen wieder. Aus Protest gegen Donald Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels hatten die Verantwortlichen sie zunächst ausgeschaltet. In der Mitte des Platzes steht eine große Krippe, dahinter befindet sich das Restaurant von George Dschohar. Es ist Mittagszeit, aber das Restaurant ist völlig leer.

Die Stimmung war Anfang des Monats noch richtig gut. Ich hatte viele Gäste. Wir dachten noch: Das wird ein richtig gutes Jahr. Aber nach Trumps Rede haben viele Touristen Angst. Das ist alles sehr deprimierend. Wir hoffen, dass sich das bald bessert.

— George Dschuhar, Restaurantbesitzer

Weihnachten in Bethlehem, das bedeutet: absolute Hochsaison. Bleiben die Touristen weg, führt das zu enormen Einbußen. Bei Touristenführer Kamal Mukarker haben nach den Ausschreitungen sechs Reisegruppen aus den USA abgesagt. Dass Jugendliche in den vergangenen Tagen auf die Straßen gingen, dass sie mit Steinen schmissen: Das hat bei Mukarker für finanzielle Einbußen gesorgt. Dennoch stellt er sich hinter seine Landsleute.

Wenn die Palästinenser nicht auf die Straße gehen gegen das, was Trump gesagt hat, dann denkt die Welt: Das ist denen egal, wenn Jerusalem die Hauptstadt von Israel ist. Auch wenn wir wissen, dass uns das mehr schadet, als wir profitieren.

— Kamal Mukarker, Touristenführer
Touristenführer Kamal Mukarker befürwortet die Proteste – auch wenn sie ihm zahlreiche Kunden kosten. Foto: BR | Benjamin Hammer

Der Reiseführer Mukarker wirbt bei den Touristen um Vertrauen. Er sagt: Bethlehem ist sicher. „Die sollen keine Angst haben. Es ist nie etwas passiert gegen einen Touristen. Sogar in Zeiten des Krieges.“ Von einem Krieg ist Bethlehem noch weit entfernt. Doch die Lage bleibt auch kurz vor Weinachten angespannt. Am Freitag kam es am Rande von Bethlehem erneut zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und Israelis.