Foto: BR | Tel Aviv

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Historischer Besuch

Zum ersten Mal reisen die Regensburger Domspatzen ins Heilige Land

Seit 1000 Jahren gibt es die Regensburger Domspatzen. Aber ins Heilige Land reisen sie zum ersten Mal. Dort wurden sie auch mit der NS-Vergangenheit des Chores konfrontiert.

Von Benjamin Hammer
Am 10.09.2018

Beitrag: Eckhart Querner | Schnitt: Amir Tal

Schon oft haben die Regensburger Dompatzen über Jerusalem gesungen. Aber dass sie in Jerusalem singen, das ist eine Premiere in der 1000jährigen Geschichte des Chores. Heilige Messe in Sankt Anna, einer Kirche in der Altstadt von Jerusalem. Es ist die erste Reise der Domspatzen ins Heilige Land. Dort, wo das Christentum seinen Ursprung hat. Für Domkapellmeister Roland Büchner ist das etwas ganz besonderes. Er leitet den katholischen Chor seit 24 Jahren.

 

„Das bedeutet, dass wir noch tiefer eigentlich in diese Gesänge einsteigen können. Da spürt man es noch mal anders. Man singt anders. Man empfindet anders.“

 

Eine Woche lang reisen die Domspatzen durch Israel und die palästinensischen Gebiete. Mit dabei: Rudolf Voderholzer, der Bischof von Regensburg. Der Bischof wirkt angespannt. Er sagt: Jetzt eine heilige Messe zu feiern, das sei gar nicht so einfach. Man könne nicht singen und beten, als hätte man das alles nicht gesehen. Rudolf Voderholzer spricht über jenen Ort, den er und die Domspatzen am Vormittag besucht haben: Die Holocaustgedenkstätte Yad Vaschem.

 

Die Regensburger Domspatzen stehen vor hohen Steinblöcken, ein Mahnmal, das an die ausgelöschten jüdischen Gemeinden Europas erinnert. Der Domchor hatte in der NS-Zeit enge Verbindungen zu den Nationalsozialisten, wurde von Adolf Hitler persönlich finanziell unterstützt und sang fünf Mal vor dem Diktator. In braunen Uniformen und unter anderem auf dem Obersalzberg. Vor drei Jahren beauftragte der Domchorverein einen Regensburger Historiker, die NS-Geschichte des Chores in einer Studie aufzuarbeiten. Dessen Fazit: Die Domspatzen haben sich dem NS-System jedenfalls nicht verweigert. Eine zentrale Rolle nahm dabei der frühere Domkapellmeister Theobald Schrems ein. Der Vorvorgänger des aktuellen Chorleiters Roland Büchner.

 

„Und darum ist es so wichtig, dass wir das mit den Kindern…dass wir die mitnehmen konnten. Und genau das ist wichtig: Dass das in den Domspatzen drinbleibt. Das ist eine Schuld, die man auf sich geladen hat. Und da kann man nicht einfach sagen: Weg mit der Schuld, wir sind eine andere Generation, geht mich nichts an.“

 

Sebastian Ponnath ist 17 Jahre alt und singt als Tenor bei den Domspatzen.

 

„Gerade nachdem man diese Ausstellung gesehen hat. Mit den ganzen Verbrechen, die unsere Vorfahren begangen haben, war das ein unbeschreiblich bewegendes Gefühl den Psalm 51 zu singen. Der ja eigentlich der Psalm mit der Bitte nach Vergebung ist.“

 

In den kommenden Tagen reisen die Domspatzen durch die palästinensischen Gebiete. Nach Bethlehem und in das Universitätsstädtchen Birseit. Der Domspatz Sebastian Ponnath hat schon viele Reisen mit seinem Chor erlebt. Aber diese ist für ihn etwas ganz besonders. „So etwas“, sagt Ponnath, „erlebe ich nicht noch einmal.“

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1 thought on “Historischer Besuch”

    Nehls, Sonntag, 16.09.18, 22:17 Uhr

    Können Sie auch über die Reise in den Besetzten Gebieten berichten? Mich würde auch interessieren, was dort gesungen wurde!

    Können Sie auch über die Reise in den Besetzten Gebieten berichten?
    Mich würde auch interessieren, was dort gesungen wurde!